Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Wirtschaft nach US-Wahlen: Beschert uns Trump höhere Zinsen?

Von Donald Trump hat es versprochen: Eine Billion Dollar soll in die US-Infrastruktur fließen, die Unternehmenssteuern sollen sinken und die Regeln für Unternehmen und Banken merklich gelockert werden. Das würde die US-Leitzinsen deutlich schneller als bislang gedacht steigen lassen. Fragt sich nun, ob auch wir in der Eurozone uns deshalb auf höhere Zinsen freuen können.
In puncto Geldpolitik spricht Trump vielen Deutschen aus dem Herzen. Foto: Shawn Thew (EPA FILE) In puncto Geldpolitik spricht Trump vielen Deutschen aus dem Herzen.
Frankfurt. 

Tief sitzt auch in Deutschland noch der Schock über den Wahlsieg von Donald Trump. Wohin wird ein Mann, der es vor allem mit Hasstiraden und Beleidigungen ins Weiße Haus geschafft hat, die mächtigste Nation der Welt führen, und welche Auswirkungen wird das für uns haben? fragen sich viele Bundesbürger. So verständlich diese allgemeine Verunsicherung angesichts Trumps nationalistischer Polit-Propaganda ist – eines eint den designierten US-Präsidenten mit dem Gros der deutschen Spar-Weltmeister: der Unmut über die Niedrigzinspolitik der Notenbanken und deren billionenschwere Anleihekäufe, die Konjunktur und Inflation antreiben sollen.

Auch US-Sparer leiden

Aus diesem Unmut macht Trump kein Geheimnis. „Sie sollte sich schämen!“ polterte Trump während seines Wahlkampfes gegen die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen. „Sie hält die Leitzinsen künstlich niedrig, um die Wirtschaft zu stützen – damit Obama sagen kann, dass er einen guten Job gemacht hat. Dabei haben wir eine schlechte Wirtschaft, eine falsche Wirtschaft“, so Trump. „Die Menschen, die das am schlimmsten getroffen hat, waren diejenigen, die ihr ganzes Leben gespart und geglaubt haben, sie können von den Zinsen leben. Diese Menschen werden total zerstört.“ Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken und ihre großen Wertpapierkäufe würden vor allem den Reichen nutzen – dadurch steige die Vermögensungleichheit weiter, beklagte der Immobilien-Magnat. Klagen, die seine Beraterin Judy Shelton nach Trumps Wahlsieg immer wieder erneuert hat.

Mit den gleichen Vorwürfen von Politikern unterschiedlicher Couleur sieht sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) hierzulande konfrontiert, wo die „Enteignung des Sparers“ schon zum geflügelten Wort geworden ist. Dabei bitten sowohl EZB-Präsident Mario Draghi als auch seine Amtskollegin Yellen schon seit längerem gebetsmühlenartig um wirtschaftspolitische Unterstützung, damit sie den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik schaffen. „In der Tat würden wir es bevorzugen, die Leitzinsen nicht auf so niedrigen Niveaus für eine exzessiv lange Zeit zu halten, da die unerwünschten Nebeneffekte über die Zeit zunehmen können“, hat auch Draghi unlängst eingeräumt.

Trump hilft Notenbank

Doch während die Notenbank der Eurozone immer noch auf substanzielle wachstumsfördernde Maßnahmen wartet, ist es nun ausgerechnet Trump, der den Notenbankern in den USA indirekt zur Hilfe eilt: Mehr als eine Billion Dollar will der künftige Präsident in die Modernisierung der US-Infrastruktur investieren. Darüber hinaus will er nicht nur die Einkommenssteuern senken, sondern auch die Unternehmenssteuern kräftig drücken: von 35 auf 15 Prozent. Zudem soll die Deregulierung von Banken und Unternehmen die allgemeine Investitionbereitschaft erhöhen. Da die US-Volkswirtschaft nach Definition der US-Notenbank schon nahe der Vollbeschäftigung arbeitet, würden Trumps Impulse der Inflation deutlichen Auftrieb geben. Denn in der Regel findet eine kräftig wachsende Wirtschaft mehr Beschäftigte nur zu höheren Löhnen, die die Unternehmen wiederum über höhere Verbraucherpreise zu kompensieren versuchen.

Auf diese Weise würde Trumps Politik der Fed das Feld bereiten für eine Normalisierung ihrer Geldpolitik – heißt: höhere Zinsen und weiter schrumpfende Anleihe-Käufe. „Nachdem was wir in den vergangenen fünf, sechs Jahren erlebt haben, feiert die Fiskalpolitik ein großes Comeback“, meint auch Torsten Slok, Ökonom der Deutschen Bank, „und das bedeutet, dass die Geldpolitik künftig weniger expansiv sein muss.“

Kritiker werden nun zwar einwerfen, dass der Populist Trump im Laufe seines Wahlkampfes so einiges versprochen hat, um die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Aber nachdem er diese Pläne in seiner Siegesrede deutlich hervorgehoben hat, sind sich die Beobachter darin weitgehend einig, dass dieses Wachstumsprogramm ganz oben auf der Prioritätenliste des künftigen Präsidenten steht. Entsprechende Aussagen seiner Berater bestätigen diesen Eindruck. „Um ausreichend Wachstum zu erzeugen, brauchen wir mehr als nur die Intervention der Notenbank“, sagt Trump-Berater Thomas Barrack. Und da sich sowohl die Republikaner als auch die Demokraten für eine grundlegende Erneuerung der US-Infrastruktur aussprechen, sollte Trump im Kongress die entsprechende Unterstützung finden.

„Trumpflation“

Davon gehen auch die US-Volkswirte aus: Sie haben ihre Konjunkturprognosen bereits angehoben: Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen zwölf Monaten um 1,5 Prozent gewachsen ist, sagen sie nun für 2017 und 2018 ein BIP-Plus von 2,2 Prozent bzw. 2,3 Prozent voraus. Dabei rechnen sie mit einer Inflation von 2,2 Prozent fürs kommende Jahr und von 2,4 Prozent im Jahr 2018. Es wäre seit 2007 die erste längere Phase, in der die Teuerungsrate über zwei Prozent liegt, und damit über der Marke, bei der auch die Fed Preisstabilität gewährleistet sieht. In Erwartung dieser „Trumpflation“ – wie es in den USA heißt – gilt es als sicher, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung Mitte Dezember die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt anheben wird. Seit der letzten Erhöhung im Dezember vergangenen Jahres bewegen sich die US-Leitzinsen in einer Bandbreite von 0,25 bis 0,5 Prozent. Und fürs kommende Jahr erwarten die Märkte schon zwei weitere Zinsschritte nach oben. „Die Argumente für solche Schritte sind ziemlich stark“, bestätigte Fed-Vizechef Stanley Fischer am vergangenen Freitag. Die Notenbank sei ziemlich nahe dran, ihre Ziele Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu erreichen.

Anleihemarkt bebt

Die Folgen dieser Erwartungen: ein beispielloser Ausverkauf am Anleihemarkt mit entsprechend sinkenden Kursen und dazu spiegelbildlich steigenden Renditen. Die Rendite der weltweit am stärksten beachteten zehnjährigen US-Staatsanleihe erreichte am Montag mit 2,30 Prozent das höchste Niveau seit dem Dezember 2015. Daraufhin stiegen auch die Renditen europäischer Staatsanleihen deutlich: So erreichte die laufende Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe mit 0,40 Prozent den höchsten Stand seit dem Januar 2016. Damit sind die Verzinsungen deutscher und US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit seit dem Trump-Sieg um satte 21 bzw. 42 Basispunkte gestiegen. Hintergrund: Steigt die Inflation, kommen neue Anleihen mit höheren Zinsen auf den Markt. Ihre Attraktivität ist damit höher als die bestehender Bonds. „Der Anleihe-Bullenmarkt geht nach 35 Jahren zu Ende“, zeigt sich Brian Tomlinson, Rentenfonds-Manager bei Allianz Global Investors, überzeugt. Die britische Großbank HSBC und die US-Investmentbank Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe im ersten Quartal 2017 auf 2,5 Prozent steigen wird, die französische Großbank BNP Paribas erwartet sogar drei Prozent.

EZB tritt nicht auf Bremse

In ihrem Aufwärtssog dürften auch die Renditen der Bundesanleihen weiter anziehen. Einerseits hilft dies der EZB: Zum einen weil sie im Rahmen ihres Anleihen-Kaufprogramms kaum noch geeignete Papiere für den Erwerb findet – schließlich hat sich die Notenbank zum Schutz vor Verlusten eine Rendite-Untergrenze gesetzt. Zum anderen hilft der Rendite-Anstieg der länger laufenden Anleihen den Banken, Zinserträge zu erwirtschaften. Andererseits erschweren höhere Zinsen für sich genommen den schwachen Euro-Staaten die Finanzierung. Die Märkte erwarten, dass die EZB bei ihrer nächsten Ratssitzung Anfang Dezember ihr bis März laufendes Anleihen-Kaufprogramm zwar verlängert, aber gleichzeitig eine Reduzierung der Anleihekäufe in Aussicht stellen wird. Das könnte den Renditen weiteren Auftrieb geben. Und bislang scheint die EZB diesen Anstieg nicht bremsen zu wollen. Darauf deutet zumindest eine Rede von Vizepräsident Vitor Constâncio am Montag auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hin.

Keine US-Lokomotive

Dass nach den Leitzinsen in den USA auch die Leitzinsen in der Eurozone in absehbarer Zeit steigen werden, ist indes nicht zu erwarten. Um zu verhindern, dass aufgrund des Zins-Gefälles zu viel Kapital in die USA abfließt, müsste die EZB eigentlich nachziehen. Aber das Wirtschaftswachstum in der Währungsunion ist noch viel zu schwach, um die Inflation in die Nähe der Zwei-Prozent-Zielmarke zu hieven. Bislang erwartet die EZB für 2017 nur eine Inflationsrate von 1,2 Prozent. Und dass das höhere Wachstum in den USA auch Europa stärker wachsen lassen wird, glauben die Währungshüter offenbar nicht. Die Hoffnung, dass die USA als Wachstumslokomotive die Eurozone mitziehen wird, hat Constâncio am Montag jedenfalls gedämpft: Es sei eben nicht so, dass es dieses Mal das gleiche Muster gebe müsse, nach dem die Weltwirtschaft von einer stärkeren US-Wirtschaft profitiert. Zudem könnten sich die negativen Folgen etwa einer protektionistischeren Handelspolitik gemäß dem Motto „Amerika zuerst“ in der längeren Frist deutlicher zeigen, so der EZB-Vizepräsident.

Und dass die Eurozone selbst wirksame Wachstumsprogramme initiiert, erscheint ausgeschlossen. Dafür lassen die strengen Haushaltsregeln keinen Raum. Das Gros der Mitgliedstaaten sieht sich deshalb nach wie vor gezwungen, seine Staatsschulden und Haushaltsdefizite zu senken. Die Staaten, die haushaltspolitischen Spielraum für konjunkturelle Stimuli hätten – so wie Deutschland – sind diejenigen, die diese am wenigsten benötigen. Und EU-weite Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft – wie der sogenannte Juncker-Plan – haben bislang kaum Erfolg gezeigt.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse