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Reaktion auf Bundestagswahl: Besorgte Mienen in der Wirtschaft

Von Die Aussicht auf eine zähe Regierungsbildung und der Einzug der rechtspopulistischen AfD in den Bundestag ist für Anleger der Knackpunkt des Wahlergebnisses. Die Märkte reagieren dennoch gelassen.
Der Ausgang der Bundestagswahl interessiert auch Banker, Börsen und Konzernlenker. Die Abwahl der GroKo und die Aussicht auf eine Jamaika-Koalition sorgt für eine gewisse Verunsicherung. Bilder > Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Der Ausgang der Bundestagswahl interessiert auch Banker, Börsen und Konzernlenker. Die Abwahl der GroKo und die Aussicht auf eine Jamaika-Koalition sorgt für eine gewisse Verunsicherung.
Frankfurt. 

Zum ersten Mal in der bundesrepublikanischen Geschichte könnte es eine Drei-Parteien-Koalition aus Union, FDP und Grünen geben. Gerade die beiden kleinen Koalitionspartner liegen bei vielen Themen über Kreuz, unter anderem bei der Euro-, Energie- und Industriepolitik. Die Verhandlungen dürften also zäh werden – und könnten sogar scheitern. Diese neue Unsicherheit stößt auf Missfallen an den Märkten – doch heftige Kursreaktionen blieben aus.

Der Euro rutschte um rund einen US-Cent auf 1,1855 Dollar ab. Der deutsche Leitindex Dax ging mit knapp 12 595 Zählern nahezu unverändert aus dem Handel, auch der EuroStoxx50 trat bei rund 3538 Punkten auf der Stelle.

„Angesichts des klaren pro-europäischen Momentums an den Märkten erwarten wir keine nachhaltig negativen Auswirkungen des Wahlergebnisses“, sagt David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank

Stimmungskiller

Der Ausgang der Bundestagswahl kann nach Einschätzung des Ifo-Instituts in den nächsten Wochen auf die Stimmung der deutschen Wirtschaft drücken. „Das Bundestags-Wahlergebnis wird manchen überrascht haben“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. „Jamaika“ werde schwer zu realisieren sein. „Auch Neuwahlen sind nicht auszuschließen.“

Mehr Wirtschaft wagen

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Dirk Pollert, richtete einen Appell an die Parteien, die im Wahlkampf wenig thematisierten Zukunftsfragen endlich aufzugreifen und die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Deutschland den digitalen Strukturwandel in allen Politikfeldern meistert und nach den langen Jahren der immer größeren Umverteilung wieder mehr auf die Wirtschaft schaut: „Wir müssen wieder mehr Wirtschaft wagen! Das bedeutet: die Arbeitszeit modernisieren, die erfolgreichen Arbeitsmarktreformen bewahren, die Sozialabgaben bei 40 Prozent deckeln, der Altersversorgung eine neue Zukunft geben und die Tarifautonomie schützen. Haushaltsspielräume müssen genutzt werden, um Bürger und Betriebe steuerlich zu entlasten, um Investitionen in Straßen, Schienenwege und Breitband zu steigern und um den Schuldenstand schrittweise abzubauen.“

Niederlage der Eliten

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser fordert Konsequenzen aus dem Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl. Dass es eine national-populistische Partei wie die AfD „fulminant“ ins Parlament geschafft habe, sei „auch eine Niederlage der Eliten in Deutschland“, kommentierte Kaeser.

Der Siemens-Chef begrüßte den Sieg von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Welt wird nicht einfacher durch das Erstarken von Populismus und Kurzfristdenken, durch globale Migration und Klimawandel. Was mich zuversichtlich stimmt: Wir haben eine sehr erfahrene und kluge Bundeskanzlerin, die die Interessen Deutschlands und Europas auf dem internationalen Parkett zu vertreten weiß und höchsten Respekt überall in der Welt genießt.“

Die massiven Stimmverluste der beiden Volksparteien sowie der Wahlerfolg der rechten AfD haben in der deutschen Wirtschaft Unsicherheit und Sorge ausgelöst. „Die AfD im Deutschen Bundestag schadet unserem Land“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Klare FDP-Stimme

Der Verband „Die Familienunternehmer“ begrüßte, dass mit der neu aufgestellten FDP wieder eine „klare ordnungspolitische Stimme im Bundestag vertreten ist“. Ein „weiter so“ könne es nach dem Wahlergebnis vom Sonntag jedenfalls nicht geben.

Kaufgelegenheiten

„Die Deutschlandwahl ist zwar ein Denkzettel für die beiden großen Volksparteien. Aber sie wird langfristig keine negativen Marktreaktionen auslösen. Kurzfristige Schwankungen sind eher Kaufgelegenheiten“, meint Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund. In den letzten Jahren gab es keine großen Reformen. Im Falle einer Jamaika-Koalition könnte hier neuer Schwung entstehen.

„Für die Börsen ist das Ergebnis der Bundestagswahl eine faustdicke Überraschung. Stand heute wird Deutschland künftig weder von einer Großen Koalition noch einem schwarz-gelben Bündnis regiert. Stattdessen läuft alles auf eine Jamaika-Koalition hinaus. An den Kapitalmärkten hat damit kaum jemand gerechnet. Politiker und Investoren müssen sich nun gleichermaßen neu sortieren“, glaubt Björn Jesch von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Sack voller Mücken

„Einen Sack Mücken hüten ist einfacher als eine Jamaika-Koalition“, sagt der Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Er sieht für die Wirtschaft eine Zäsur. „Die Koalitionsverhandlungen werden schwierig. Parteien müssen sich zusammenraufen.“

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält es für schwierig, eine Jamaika-Koalition zustande zu bringen.

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