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Gründerszene: Besuch beim Gründer des Frankfurter Start-up-Unternehmens Ginmon

In Frankfurt wächst gerade ein Ökosystem für Jungunternehmen aus der FinanztechnologieBranche heran. Wir haben mit einem Gründer über seine Motive, seine Träume und den Standort gesprochen.
29 Jahre jung, Unternehmer und überzeugter Frankfurter: Lars Reiner, Mitbegründer des Fintech-Unternehmens Ginmon vor der Skyline 29 Jahre jung, Unternehmer und überzeugter Frankfurter: Lars Reiner, Mitbegründer des Fintech-Unternehmens Ginmon vor der Skyline
Frankfurt. 

Wir nähern uns dem Sitz des jungen Start-up-Unternehmens über den François-Mitterand-Platz aus Richtung Bankenviertel. Es ist heiß, über 30 Grad, der Asphalt kocht. Nur wenige Fußgänger sind auf der Straße unterwegs. Wir stehen vor der gläsernen Eingangstür eines frisch renovierten Bürohauses und lesen: Main Incubator, Clairfield International und Ginmon, unser Ziel. Enger Aufzug, freundlicher Empfang in der vierten Etage.

Nach kurzer Wartezeit in der cool eingerichteten Lounge – weiße Tische und Schränke, Drahtgeflecht-Hochsitze, Getränke-Kühlschrank, schwarze Polster – kommt uns ein groß gewachsener junger Mann entgegen: „Lars Reiner, willkommen.“ Shake hands. Der Gründer des seit kurzem hier beheimateten Jungunternehmens aus der Finanztechnologie-Branche, kurz Fintech, führt uns in den klimatisierten Konferenzraum. Ein Blick aus dem Fenster in Richtung Eros-Center in der Elbestraße macht deutlich, dass wir uns exakt auf der Schnittstelle zwischen Banken- und Rotlichtviertel befinden. Eine Spezialität, die es so nur in Frankfurt am Main gibt. Nadelstreif und Strapse Seit’ an Seit’.

Ein Junge aus Butzbach

Jungunternehmer Lars Reiner hebt sich mit seinen 29 Jahren deutlich vom klassischen Banker-Style ab: Kein Sakko, keine Krawatte, Sneaker statt Budapester. Dabei ist er nach seinem wirtschafts- und finanzwissenschaftlichen Studium an der Goethe-Uni beruflich mitten in der Banker-Szene groß geworden. Nur wenige Blocks entfernt in den Türmen der Deutschen Bank hat er gearbeitet. Bis 2014. Dann hatte er die Schnauze voll.

Aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus im beschaulichen Wetteraustädtchen Butzbach hat er schon früh sein Faible für die Wirtschaft im allgemeinen und „effiziente Geldvermehrung“ im besonderen entdeckt, wie er erzählt. Woher das Interesse kam, kann er nicht recht begründen. Die Eltern sind Mediziner. Und schon früh sei er im Umgang mit Computern seinen Freunden und Klassenkameraden um einiges voraus gewesen. Diese Kombination aus Computerwissen und Finanzen bilden heute das Fundament seiner Arbeit.

Gemeinsam mit Ulrich Bauer und Raphael Vosen, die beide noch mit an Bord sind, hat Reiner die Firma „Ginmon“ aus der Taufe gehoben. Als Mitarbeiter einer Großbank sei er frustriert darüber gewesen, dass es keine vernünftigen Anlagelösungen für gut verdienende Angestellte gab. „Ich konnte mit gutem Gewissen keine Anlageempfehlung mehr aussprechen“, erinnert er sich an unglückliche Tage. Dabei reifte sein Entschluss: Job kündigen, Firma gründen und mit eigenem Geld ins Risiko gehen. „Die Kollegen haben mich damals belächelt. Ich wollte ihnen aber beweisen, dass ich es schaffe.“

Lars Reiner hatte sich das ambitionierte Ziel gesetzt: „Wir revolutionieren die Vermögensverwaltung – weg von Fondsmanagern und hin zu automatisierten digitalen Systemen.“ Das setzte er Schritt für Schritt konsequent um. Inzwischen ist das Start-up flügge geworden, hat etliche Preise gewonnen und mit dem britischen Risikokapitalgeber Passion Capital einen potenten Geldgeber, der aktuell knapp 20 Prozent der Unternehmensanteile hält.

Warum „Ginmon“? Reiner: „Das ist japanisch und steht für silbernes Tor als Symbol für den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit.“

25 Mitarbeiter – „die meisten total besessen von ihrer Aufgabe“ – stehen derzeit auf der Gehaltsliste. Die Grundgehälter sollen eher karg sein. Doch alle Mitarbeiter erhielten Unternehmensanteile und Erfolgsbeteiligungen, sagt Reiner.

Die Zahl der Kunden, die Ginmon Gelder anvertraut haben, liege im mittleren vierstelligen Bereich. Bis 2020 – „wahrscheinlich aber sehr viel früher“ – soll das verwaltete Vermögen eine Milliarde Euro übersteigen. Die Wachstumsraten des von der Finanzaufsicht BaFin kontrollierten Vermögensverwalters lassen erahnen, welches Potenzial in dieser Unternehmensgattung der Fintechs steckt: 15 bis 25 Prozent Plus pro Monat.

Die Kundenakquise läuft ausschließlich online. Jedem potenziellen Anleger wird ein Risikoanalyse abverlangt. Es folgt die Depoteröffnung bei der Partnerbank DAB – und los geht’s. Die Mindestanlage beträgt 1000 Euro bei Sparplänen oder einmalig 5000 Euro. Investiert wird je nach Risikoprofil in ein ETF-Produktportfolio, das mit Hilfe von mathematischen Formeln (Algorithmen) laufend optimiert wird. „Frei von Emotionen“, betont Reiner. Die Gebühren für die Verwaltung belaufen sich auf 0,39 Prozent der Anlagesumme. Zudem fällt eine Erfolgsbeteiligung von zehn Prozent an.

Piloten-Lizenz

Reiner ist happy. Er ist inzwischen verheiratet, lebt in Oberursel. Seine Hobbies sind das Fotografieren und das Fliegen. Die Privatpiloten-Lizenz hat er in Kürze in der Tasche.

Das Rhein-Main-Gebiet liegt ihm schon aus familiärer Verbundenheit und der Verwurzelung in der Wetterau besonders am Herzen. Er hält Frankfurt auch als Standort für junge technologiegetriebene Finanzunternehmen für ideal. „Das Ökosystem stimmt hier.“ Frankfurt gegen das deutsche Mekka der Start-ups Berlin eintauschen? „Nie und nimmer“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. In Berlin tummelten sich vor allem „Möchtegern-Gründer und Lifestyle-Freaks reicher Eltern“. Das sei nichts für ihn. „Frankfurt ist eine internationale Stadt für alle Unternehmer mit globalen Ambitionen“, schreibt er der Mainmetropole ins Stammbuch.

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