Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Ausblick: Börse 2017: Quo vadis?

Große Notenbanken halten Anleger mit ihrer Geldflut bei Laune. Für Turbulenzen an den Börsen sorgt immer wieder die Politik. Das dürfte im kommenden Jahr so weitergehen.
Auf Jahreshöchststand verabschiedet sich der Leitindex Dax ins neue Jahr. Auf Jahreshöchststand verabschiedet sich der Leitindex Dax ins neue Jahr.
Frankfurt. 

Brexit-Votum, Trump-Sieg und Regierungskrise in Italien: Vor allem die Politik hat Anleger in diesem Jahr in Atem gehalten. Hinzu kamen Sorgen um die globale Konjunktur. Zum Jahresende legte der Dax dennoch einen kräftigen Spurt auf gut 11 481 Punkte hin. Der deutsche Leitindex schaffte damit auf Jahressicht ein Plus von rund 6,9 Prozent. Hält die zuletzt zuversichtliche Stimmung der Anleger trotz aller politischen Stolperfallen auch 2017 an? Quo vadis?

Schocks rund um den Globus lösten Anfang des Jahres maue Konjunkturdaten aus China und der Ölpreisverfall aus. Die Angst ließen Dax und Co. einbrechen. Bis auf 8752,87 Punkte rauschte das deutsche Börsenbarometer im Februar nach unten. Im Juni vernichtete der Kurssturz nach dem unerwarteten Brexit der Briten an einem Tag Milliarden an den Börsen rund um den Globus. Die überraschende Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sorgte dagegen für eine unerwartete Kursrally.

Angetrieben werden die weltweiten Aktienkurse vor allem von der Geldschwemme der Notenbanken. Zwar zog die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel in diesem Jahr weiter an. Sie hob den Leitzins leicht um 0,25 Prozentpunkte an und signalisierte weitere Schritte. In Japan und im Euroraum ist Geld dagegen weiter ultra billig. Die Europäische Zentralbank verlängerte ihre milliardenschweren Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bis Ende 2017. Die Zinsen sollen länger niedrig bleiben. Sparbuch und Co., aber auch Staatsanleihen mit guter Kreditwürdigkeit wie Deutschland werfen wegen der Geldflut kaum noch etwas ab. Investoren flüchten daher in Aktien.

Mangel an Alternativen

„Der fortbestehende Mangel an attraktiven Anlagemöglichkeiten wird in Verbindung mit dem leicht beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft auch die Aktienmärkte beflügeln“, sagt die DZ-Bank voraus. Die Experten trauen dem Dax einen Anstieg auf rund 12 000 Punkte bis Ende 2017 zu. Auch die Chefvolkswirtin der Frankfurter Helaba, Gertrud Traud, prognostiziert einen Dax-Jahresendstand von 12 000 Zählern. Sie verweist auf einen weiteren Aspekt, der die Kurs antreiben könnte: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkäufe zurückgreifen.“

Skeptischer ist die Deutsche Bank, ihr Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden, Ulrich Stephan, sieht den deutschen Leitindex bei 11 300 Zählern.

„Chapeau“ den Analysten

Ein Blick zurück zeigt, dass die Zunft der Analysten bei ihren Vorhersagen für 2016 ungewohnt treffsicher war. Die meisten Börsianer erwarteten den Dax Ende 2016 in einer Bandbreite zwischen 10 500 und 12 500 Punkten. Chapeau!

Störfeuer könnte im kommenden Jahr von der Politik kommen: Am 20. Januar zieht Trump als 45. US-Präsident ins Weiße Haus ein. Im Wahlkampf hatte er Freihandelsabkommen kritisiert und protektionistische Töne angeschlagen. Handelsbarrieren könnten vor allem die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen.

Die von Trump in Aussicht gestellten Steuersenkungen und hohen Investitionen in die marode Infrastruktur sorgten an der Wall Street dagegen für einen regelrechten Kaufrausch. Der US-Leitindex Dow Jones eilte zeitweise von Rekord zu Rekord. „Vor allem eher kurzfristig mögliche positive Effekte von Trumps Politik auf den US-Konjunkturtrend könnten nicht nur der Wall Street zunächst Rückenwind verleihen – sondern auch dem Dax helfen“, argumentiert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Doch die Unsicherheit ist groß: Im Frühjahr beginnen voraussichtlich die Brexit-Verhandlungen, in den Niederlanden finden Parlamentswahlen statt und in Frankreich wird ein neuer Präsident gewählt. Die Sorge geht um, dass der Trump-Sieg Rechtspopulisten wie Geert Wilders in den Niederlanden und Marine Le Pen in Frankreich zusätzlich Auftrieb geben könnte. Sie stehen Freihandel und dem Euro kritisch gegenüber. Im Herbst stehen schließlich in Deutschland Bundestagswahlen an. „Im Superwahljahr 2017 wird die Politik ein bestimmender Unsicherheitsfaktor an den Märkten sein“, sagt DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Nach Angaben der DSW steckten die als eher börsenscheu geltenden Deutschen zuletzt nur knapp 15 Prozent des privaten Geldvermögens in Aktien oder -fonds. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstituts erklärt die Zurückhaltung so: „Zu viele Leute werden nervös, wenn der Dax von 10 800 auf 10 400 Punkte fällt.“

(dpa,rtr,ba)
Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse