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Finanzen: Boni statt Dividende: Deutsche Bank belohnt ihre Investmentbanker

Von Der Druck auf Deutsche-Bank-Chef John Cryan wächst. Zum dritten Mal in Folge fährt das Haus Verluste ein, die Kosten sind höher als versprochen, und statt einer Dividende zahlt er Boni an die Investmentbanker.
Deutsche-Bank-Chef Cryan stellt nach drei Jahren Sanierung mit dem Abbau Tausender Stellen und Filialschließungen wieder Gewinn in Aussicht. Foto: Boris Roessler (dpa) Deutsche-Bank-Chef Cryan stellt nach drei Jahren Sanierung mit dem Abbau Tausender Stellen und Filialschließungen wieder Gewinn in Aussicht.
Frankfurt. 

John Cryan steht unter Druck. Nachdem die Deutsche Bank den dritten Jahresverlust in Folge vermelden musste, der mit 497 Millionen Euro nach Steuern auch noch unerwartet hoch ausfiel, rauscht der Aktienkurs noch während der „Jahresmedienkonferenz“ um zeitweise mehr als sieben Prozent nach unten. Der 57-jährige Brite, wie die anderen Vorstände hinter dem Stehpult mit einer Krawatte in der Firmenfarbe Blau erschienen, versucht sich in Lockerheit: „Ich fange an, den Job sehr zu genießen!“ Zwar müsse er regelmäßig zu Regulatoren-Gesprächen nach Berlin, „aber ich bin immer sicher zurückgekommen“.

Und er postuliert tapfer: „Die Deutsche Bank heute sieht völlig anders aus als die Bank, zu der ich 2015 kam. Wir haben aufgeräumt. Und wir sind auf dem richtigen Weg.“ Da sich seine Rede kaum mit Details des abgelaufenen Geschäftsjahres abgibt, sondern eine Bilanz seiner zweieinhalb Jahre bei der Bank zieht, wirkt der Rückblick stellenweise wie eine Art Vermächtnis. In der Tat müsste sich Cryan, sollten die Zahlen auch im laufenden Auftaktquartal 2018 schlecht ausfallen, wohl ernsthafte Sorgen um seinen Job machen.

An den Ergebnissen lässt sich eine Trendwende jedenfalls noch nicht ablesen – vor allem nicht im Investmentbanking. In dieser Sparte sackten die Erträge im Schlussquartal um 16 Prozent ab, was zu tiefroten Zahlen führte. Doch sei es auch im gesamtwirtschaftlichen Interesse notwendig, sich gegen die übermächtige US-Konkurrenz behaupten zu können, warb Vize-Vorstandschef Marcus Schenck. Die Deutsche Bank spiele als einziges europäisches Institut in diesem Geschäft noch eine Rolle – und nur sie könne künftig die deutsche Industrie bei Übernahmen und der Absicherung von Währungsrisiken begleiten, denn US-Banken hätten sich in der Finanzkrise schlagartig aus Deutschland zurückgezogen.

Strafanzeige gegen Vorstände

Der Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bank und ehemaligen Aktionären der Postbank wegen der Übernahme des Bonner Geldhauses eskaliert.

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Grund für den Verlust im vierten Quartal war die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Da die Steuersätze in Zukunft sinken, führt das paradoxerweise zu Abschreibungen, weil die Verlustvorträge aus den Finanzkrisenjahren nun zu weniger Steuerersparnis führen werden. Was Cryan aber nicht wegdiskutieren kann: Diese Belastung schlug auch bei anderen US-Banken zu Buche, doch fuhren sie trotzdem hohe Gewinne ein: J.P. Morgan zum Beispiel kostete die Reform zweieinhalb Milliarden Dollar, dennoch blieb unter dem Strich 24,4 Milliarden Dollar Gewinn.

Schub durch Zinswende

So bleibt vor allem das Prinzip Hoffnung: Sollte (ausnahmsweise mal) nichts dazwischenkommen, entspricht das Renditeziel von zehn bis zwölf Prozent nach Cryans Angaben einem Jahresgewinn von fünf bis sechs Milliarden Euro nach Steuern. Und eine Zinswende könnte zusätzlich Schub geben: Sollte die EZB ihre Leitzinsen um einen Prozentpunkt anheben, rechnet der Vorstandschef vor, brächte das zusätzliche Erträge von 1,4 Milliarden Euro.

2018 gelte es nun, eine weitere Milliarde Euro an Kosten einzusparen, um das Ziel von 23 Milliarden fürs Gesamtjahr zu erreichen; ursprünglich hatte die Bank sogar 22 Milliarden in Aussicht gestellt. Im Gegenzug sind jedoch auch die Einnahmen seit 2015 um mehr als ein Fünftel gesunken, und im Januar dieses Jahres gingen sie nach Cryans Angaben erneut zurück.

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Kommentar Deutsche Bank: Eine Art Vermächtnis

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, muss sich inzwischen ernsthafte Sorgen um seinen Job machen. Die schlecht laufenden Geschäfte mit dem dritten Jahresverlust in Folge und unerwartet hohen

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Keine neuen Details gibt es zum geplanten Teil-Börsengang der Vermögensverwaltung (DWS). Der Teilverkauf über die Börse soll nach Cryans Worten möglichst bald über die Bühne gehen – „im ersten möglichen Zeitfenster“. Experten rechnen um Ostern damit.

Wettbewerbsfähig zahlen

Besonders für Kritik in der Politik gesorgt hatten die höheren Bonuszahlungen fürs vergangene Jahr. Die Bank hat sie noch nicht exakt beziffert, sie sollen sich aber auf über eine Milliarde Euro verdoppelt haben. Es habe im Investmentbanking auch Bereiche wie das Kreditgeschäft gegeben, die sich gut entwickelt hätten, sagt Schenck. Deren Mitarbeiter hätten seinen Worten zufolge wenig Verständnis dafür gehabt, wenn die Bank die variable Vergütung erneut gestrichen hätte, nur weil es in den USA eine Steuerreform gegeben habe. Im internationalen Vergleich zahle man ohnehin geringe Boni: „Wir liegen in der unteren Hälfte, wenn wir uns mit unseren Wettbewerbern vergleichen.“ Die Bank müsse wettbewerbsfähig bezahlen, wenn sie sich gegenüber der internationalen Konkurrenz behaupten wolle.

Cryan schiebt aber eine Warnung nach: „Kommendes Jahr ist eine ähnliche variable Vergütung nur bei entsprechendem Geschäftserfolg zu rechtfertigen.“ Er rechne 2018 aber mit einem Gewinn. Wie hoch der Bonus des Vorstands ausfallen wird, ließ er offen – das entscheide der Aufsichtsrat. Erneut verzichten will das Top-Management aber nicht. Dagegen mache Cryan den Aktionären beim Reizthema Dividende wenig Hoffnung. Wenn überhaupt, werde es für 2017 nur eine „nicht sehr materielle“ Ausschüttung geben.

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