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Deutsche Bank: Bonus-Banker sollen zahlen

Von Millionen-Boni trotz hoher Verluste – das Thema ist immer für Aufregung gut. Nun will die Deutsche Bank nachträglich Boni von Ex-Vorständen einbehalten.
Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archiv Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archiv
Frankfurt. 

Sie galten als die „Regenmacher“, die mit Milliarden jonglierten und Millionen verdienten. Die Boni der Investmentbanker stiegen in den Jahren vor der Finanzkrise in immer lichtere Höhen. Doch im Nachhinein brockten die von ihnen konstruierten oder gehandelten Schrott-Anleihen und andere fragwürdige Geschäfte den Instituten hohe Verluste ein – und oft auch Milliardenstrafen.

Beispiel Christian Bittar, Star-Zinshändler der Deutschen Bank in London: Für 2008 wurden ihm 90 Millionen an Boni zugesagt, doch später kam seine Beteiligung an der Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor ans Tageslicht, die der Bank 2,5 Milliarden Dollar Strafe einbrockten. Deshalb behielt sein Arbeitgeber die Hälfte der Summe, die noch nicht ausbezahlt war, ein.

Ebenso traf es die frühere Führungsspitze der Deutschen Bank. Bereits im März hatte die Bank in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2015 angekündigt, dass noch nicht ausgezahlte variable Vergütungsbestandteile für elf inzwischen ausgeschiedene Vorstände einbehalten werden sollen; darunter sind die Ex-Vorstandschefs Josef Ackermann, Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie die früheren Vorstandsmitglieder Hugo Bänziger, Michael Cohrs und Hermann-Josef Lamberti. Jain leitete viele Jahre das Investmentbanking und stand, als Nachfolger Ackermanns, von 2012 bis 2015 gemeinsam mit Fitschen an der Konzernspitze. Laut „F.A.Z.“ und „Süddeutscher Zeitung“ geht es im Fall Jain um 5,3 Millionen Euro und 125 000 Aktien, bei Ackermann um 3,5 Millionen Euro und 96 600 Aktien, die einbehalten werden sollen.

Ein Sprecher der Bank wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Doch prüft eine Anwaltskanzlei schon seit geraumer Zeit, ob die Bank frühere Vorstände für Verfehlungen persönlich zur Kasse bitten kann, und schaut sich dazu die Arbeitsverträge an. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagten mit der Sache vertraute Personen. Es gehe nicht nur um die Frage, ob eingefrorene Boni – die normalerweise mit Zeitverzögerung ausgezahlt worden wären – gänzlich einbehalten werden dürfen. Geprüft werde auch, ob bereits ausgezahlte Gelder zurückgefordert werden könnten.

 

Vergütungssystem

 

umgestellt

 

Derzeit ringt die Deutsche Bank mit der US-Justiz um einen Vergleich für umstrittene Hypothekengeschäfte aus den Jahren vor der Finanzkrise. Dem größten deutschen Geldhaus droht eine Strafe von 14 Milliarden Dollar, was den Aktienkurs auf Rekordtiefs von zeitweise unter 10 Euro gedrückt hatte. Doch während die Aktionäre litten, spürten diejenigen wenig, die für die Talfahrt verantwortlich waren: Seit der Finanzkrise zahlte die größte deutsche Bank nur vier Milliarden Euro Dividenden aus, aber insgesamt 24 Milliarden Euro an Boni.

Die Deutsche Bank hat inzwischen ihr Vergütungssystem umgestellt: Boni für Top-Banker können auf bis zu fünf Jahre gestreckt oder auch ganz gestrichen werden, wenn später herauskommt, dass die Manager gegen Regeln verstoßen haben. Davon macht die Bank nun Gebrauch. Der neue Chef John Cryan sieht allzu hohe Boni ohnehin kritisch: „Ich denke, dass die Leute in Banken zu viel Geld bekommen“, sagte er vor einem Jahr. Bereits ausgezahlte Boni zurückzuholen, ist allerdings in Deutschland weiterhin äußerst schwierig.

Ackermann zumindest weigert sich. „Es ist überhaupt nicht die Rede davon, Boni zurückzuzahlen“, sagte er gestern in Berlin. Er sei zwar unter bestimmten Umständen bereit, seinen Beitrag zur Lösung von Problemen zu leisten, wenn es dafür eine Basis gebe. Auf Ansprüche formell verzichten werde er nicht.

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Rückforderung schwierig

Empörung hilft in Rechtsfragen selten weiter. Natürlich steht im Rückblick außer Frage, dass Gehälter und Boni der Investmentbanker in den Jahren vor der Krise – und in großen Teilen auch danach – zu hoch waren.

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