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Aktienmarkt: Bremsspuren an den Börsen

Die Zeiten, da Dax, EuroStoxx & Co. von Rekord zu Rekord geeilt sind, ist vorbei. Die Kursentwicklung im laufenden Jahr war wenig erheiternd. Angesichts der Krisenszenarien sind die meisten Anleger aber dennoch nicht unzufrieden. 2018 gilt es, kleinere Brötchen zu backen, so der Tenor der Aktien-Spezialisten.
Nach kräftigeren Kursverlusten hat sich der deutsche Leitindex wieder berappelt. Er ging mit über 12 800 Punkten ins Wochenende. Foto: Christoph Schmidt (dpa) Nach kräftigeren Kursverlusten hat sich der deutsche Leitindex wieder berappelt. Er ging mit über 12 800 Punkten ins Wochenende.
Frankfurt/London. 

Für Aktienanleger in Europa läuft es dieses Jahr noch nicht so gut wie erhofft. Denn der Konjunkturmotor ist ins Stocken geraten. Das Ende der Börsenparty wird zwar noch nicht ausgerufen, dennoch folgt bei vielen Investoren auf den Rausch etwas Ernüchterung. Im vergangenen Jahr sprangen Dax und Euro-Stoxx noch von Rekord zu Rekord. Zum ersten Mal seit sieben Jahren wuchsen die Gewinne europäischer Firmen wieder und machten die Schuldenkrise von 2012 fast vergessen. Im Internet kursierte eigens der Hashtag Euroboom. Doch in den vergangenen Monaten hat sich einiges geändert. Das kalte Wetter, viele Streiks und die Grippewelle haben das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone fast halbiert. Von Januar bis März legte das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,4 Prozent zu. In den drei Quartalen davor hatte es noch zu jeweils 0,7 Prozent gereicht.

Zuletzt hat die Industrie weiter an Schwung verloren: Im April liefen die Geschäfte in der Euro-Zone so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr, wie aus einer Umfrage des Instituts IHS Markit unter Tausenden Betrieben hervorgeht. Damit aber nicht genug: Anleger sorgen sich auch wegen des starken Euro und eines drohenden Handelskriegs. Der Brexit und die Aussicht auf ein künftig wieder straffere Geldpolitik der Zentralbanken erhöhen zusätzlich die Unsicherheit.

20 Milliarden abgezogen

Die Bremsspuren machen sich an den Aktienmärkten bereits bemerkbar. „Die Märkte erfahren zurzeit einen schmerzlichen Abschied vom ’Besser-geht’s-nicht-Szenario’", beschreibt der Kapitalmarktstratege Tilmann Galler von der Großbank JP Morgan die Lage. Seit Jahresbeginn liegt der Dax mit momentan rund 12 800 Punkten relativ stabil, nachdem es zwischendurch schon deutlichere Verluste zu verschmerzen gab. Zum Vergleich: 2017 stand noch ein Zuwachs von 12,5 Prozent in den Büchern. Allein in den vergangenen sieben Wochen zogen Investoren knapp 20 Milliarden Dollar aus europäischen Aktienfonds ab. Trotzdem bleiben viele Investoren entspannt und haben mit einem Herunterschalten gerechnet. Der Wirtschaftsboom 2017 sei zu gut gewesen, um wahr zu sein, sagt Anlagestratege Daniel Morris vom Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management. „Es war toll und jeder war begeistert, aber man hat sich nicht wirklich wohl gefühlt damit. Je höher man kommt, desto tiefer kann man fallen – so betrachtet scheint der Rückgang schlimmer, als er tatsächlich ist.“

Entspannte Anleger

Auch für Chris Dyer vom Investmenthaus Eaton Vance sind europäische Aktien in seinen weltweiten Portfolios immer noch die stärkste Position. „Es ist schwer, das Ganze so lange am Kochen zu halten und das bedeutet, dass ich nicht besorgt bin, dass es herunter kühlt.“ Investoren wie Dyer setzen auf anhaltend solide Profite der Unternehmen. Dem Datenanbieter MSCI zufolge werden europäische Firmen im Schnitt ein Gewinnwachstum von 7,5 Prozent ausweisen. Auch an der politischen Stabilität der Euro-Zone zweifelt derzeit kaum ein Experte, trotz der Wahlerfolge populistischer Kräfte in vielen Ländern. Wie entspannt die Investoren sind, zeigt sich unter anderem am Beispiel Italien: Trotz der politischen Hängepartie nach der jüngsten Parlamentswahl zählen die dortigen Aktien mit einem Zuwachs von bislang knapp zehn Prozent zu den Favoriten.

Die Börsen sind nach Meinung einiger Marktkenner aber durchaus krisenanfällig. „Wenn die Konjunktur nicht mehr so gut läuft, dann nimmt die Widerstandskraft der Finanzmärkte gegenüber externen Schocks ab“, so Martin Hüfner, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Assenagon. Die Schwankungen der Kurse werden größer, der Aufwärtstrend verliert an Kraft. Anleger müssten deutlich kleinere Brötchen backen. „2018 wird damit nicht das gute Aktienjahr, das wir uns ursprünglich erwartet hatten.“

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