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Gipfeltreffen der Banker: Brexit, Trump, Niedrigzins: Viele Diskussionsthemen für Frankfurts Finanzszene

Von Frankfurts Finanzszene diskutiert über die Folgen des Brexit und der Wahl von Donald Trump. Auch die Niedrigzinspolitik der EZB steht – wieder einmal – zur Debatte.
Deutsche-Bank-Boss John Cryan, Commerzbank-Chef Martin Zielke und EZB-Präsident Mario Draghi (von li.) gestern in der Alten Oper Foto: DANIEL ROLAND (AFP) Deutsche-Bank-Boss John Cryan, Commerzbank-Chef Martin Zielke und EZB-Präsident Mario Draghi (von li.) gestern in der Alten Oper
Frankfurt. 

Vor der Alten Oper protestieren einige Attac-Aktivisten im Nieselregen, sie halten ein Schild „Großbanken zerschlagen!“ und einen aufblasbaren Riesenhammer in die Höhe. Drinnen hat sich alles versammelt, was in Frankfurts Finanz-Community Rang und Namen hat. Es geht um Geldpolitik – und die europäische Einigung, die durch den Brexit gerade einen empfindlichen Rückschlag erleidet.

„Politik braucht Führung. Wir hatten den Brexit, weil die Regierung Führung vermissen ließ“, schimpft Deutsche-Bank-Chef John Cryan, dessen Haus gemeinsam mit Commerzbank und neuerdings auch BNP Paribas (Consorsbank) den „European Banking Congress“ ausrichtet.

„Der Brexit hat das europäische Integrationsprojekt zum Stillstand gebracht“, sagt Commerzbank-Chef Martin Zielke. Er warnt nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten vor einer Lockerung der Beziehung zu Amerika. Europa und die USA hätten viele gemeinsame Interessen und sollte daher an ihrer Partnerschaft festhalten, so Zielke.

Kein Zurückrollen

EZB-Präsident Mario Draghi wiederum warnt vor einem Zurückdrehen der Banken-Regulierung, wie es Trump im Wahlkampf gefordert hatte. Es dürfe kein Zurückrollen dessen geben, was entschieden sei. „Es ist Zeit, die Regulierung abzuschließen und in eine Phase der Stabilität einzutreten“, meint Draghi. Die Wirtschaft in der Eurozone sieht der Italiener nach wie vor nicht auf einem stabilem Fundament: „Die Erholung hängt immer noch in einem beträchtlichen Ausmaß von einer konjunkturstützenden Geldpolitik ab.“ Daher werde die Europäische Zentralbank (EZB) notfalls alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann dagegen mahnt wegen möglicher und teils schon sichtbarer Nebenwirkungen beim Einsatz unkonventioneller Werkzeuge zu besonderer Vorsicht. Die Geldpolitik dürfe vor solchen Nebenwirkungen nicht die Augen verschließen, so Weidmann.

Der Wirtschaftsweise und Frankfurter Wirtschafts-Professor Volker Wieland ist ebenfalls der Meinung, die Notenbank könne nun langsamer vorgehen: Es sei Zeit für die EZB, die Anleihe-Käufe jetzt zu beenden.

Cryan beklagt ebenso wie Zielke die Folgen der Nullzinspolitik der EZB für die Ertragskraft die Banken. Doch immerhin sei Draghi so ziemlich der einzige in Europa, der überhaupt etwas tue, gesteht Cryan zu. Für mehr Wachstum brauche es Reformen, sagt der Brite – da ist er sich mit Weidmann völlig einig, der unterstreicht: „Wir brauchen stärkeres Wachstum. Doch es sind nicht die Zentralbanken, die die Wirtschaft zu stärkerem Wachstum führen können – den Schlüssel dazu halten Politiker in der Hand.“ Doch leider sind ernsthafte Struktur- und Arbeitsmarkt-Reformen unpopulär und machen die Wiederwahl fast unmöglich. Auch die EU-Kommission tut sich schwer damit, Verstöße gegen den Stabilitätspakt zu sanktionieren; Weidmann meint gar, sie habe aufgegeben, die Regeln durchsetzen zu wollen.

„Nicht in neue Blase“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht die Politik des extrem billigen Geldes ebenfalls mit Sorge. „Wir sollten aufpassen, dass wir nicht in eine neue Blase hineinkommen“, mahnt der CDU-Politiker. Er sagt jedoch zugleich: „Ich warne vor der Illusion, die Probleme des Bankensektors allein auf die Geldpolitik zurückzuführen.“

BNP-Chef Jean Lemierre hofft auf einen Schub für die deutsch-französische Partnerschaft durch die Entwicklungen in den USA und Großbritannien – das sei „die einzige Lösung für die neue Situation“. Er ist überzeugt: „Wir passen perfekt zusammen – jeder Berater würde zu einer Fusion raten!“

Jeremy Browne, EU-Repräsentant der City of London, warnt davor, die britischen Wähler für „dumm und irrational“ zu erklären und durch einen „harten Brexit“ zu bestrafen: „Wir sollten im gegenseitigen Interesse eine möglichst enge wirtschaftliche Integration beibehalten.“ Doch gebe es in Brüssel „die Bereitschaft, Schaden in Kauf zu nehmen, damit Großbritannien ein noch größerer Schaden entsteht“.

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