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Unsichere Zeiten für britische und irische Fluggesellschaften: Brexit: Turbulenzen am Horizont

Europas Fluggesellschaften fürchten den Brexit und enorme Einbußen für ihr Geschäft. Gestern waren Vertreter verschiedener Fluglinien und –häfen im zuständigen Ausschuss des Parlaments zu Gast. Und einmal mehr wurde deutlich, wie groß die Herausforderungen eines Austritts aus der EU sind.
Symbolbild Foto: Delphine Poggianti (114210366) Symbolbild
Brüssel. 

In dieser Woche wird der Binnenmarkt des Luftverkehrs 25 Jahre alt. Damals öffnete er Tür und Tor für Billigfluglinien und erweiterte den Wettbewerb. Doch damit könnte bald Schluss sein. Das Chaos scheint programmiert. Denn während die britische Premierministerin Theresa May an ihrem Credo festhält, lieber die Austrittsverhandlungen ohne Ergebnis zu verlassen als mit einem schlechten Deal, fürchtet die Wirtschaft die Auswirkungen eines solchen „harten“ Brexits. „Die Herausforderungen für den Flugverkehr sollten Priorität bekommen“, forderten am gestrigen Dienstag Vertreter mehrerer Flughäfen und Fluggesellschaften im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments. Sie fürchten im schlimmsten Fall eine längerfristige Unterbrechung des Flugverkehrs zwischen Europa und Großbritannien. „Wenn man 30 Jahre lang die EU nur schlechtmacht, darf man sich nicht wundern, wenn die Menschen dagegen stimmen“, empörte sich der Grünen-Europaabgeordnete Michael Cramer.

Ryanair droht

Der Chef der irischen Ryanair, Michael O’Leary, sparte nicht mit plastischen Schilderungen darüber, was ein Ende der Brexit-Verhandlungen ohne Ergebnis für die Luftverbindungen zum Vereinigten Königreich bedeuten würde: „Wenn es bis zum Herbst 2018 keine Rechtssicherheit gibt, werden wir anfangen, Flüge zu streichen“, kündigte er an. Das irische Unternehmen hat 40 seiner 400 Maschinen in Großbritannien stationiert – an 19 Flughäfen, die meisten jedoch in London-Stansted, Glasgow und Belfast. Ohne ein Abkommen aber könnte dem Unternehmen die Landeerlaubnis entzogen werden. Es bräuchte ein britisches Subunternehmen, um Städte im Königreich ansteuern zu können.

Für den Betreiber des Dubliner Flughafens wären die Folgen eines ungeordneten Austritts wohl noch verheerender. Denn ein Großteil des Flugverkehrs spielt sich zwischen der irischen Hauptstadt und dem Vereinigten Königreich ab, 90 Prozent der Ausfuhren werden mit dem Flieger exportiert.

Demonstranten, Großbritannien
Kommentar: Auswirkungen eines harten Brexits

Das strikte Vorgehen der EU hat seinen Grund. Erst soll Großbritannien vertraglich von der Gemeinschaft getrennt werden – dann erst will Brüssel über den künftigen Handel sprechen.

clearing

Dem britischen Billigflieger Easyjet stellt sich das umgekehrte Problem: Die Airline müsste 40 Prozent ihres Flugverkehrs einbüßen. Eine entsprechende europäische Lizenz würde das Unternehmen nach eigenen Berechnungen etwa zehn Millionen Pfund kosten. Die niederländische Linie KLM hat 17 britische Ziele auf dem Flugplan, die ein Viertel ihrer europäischen Geschäfte ausmachen. Sollte es zum Brexit ohne Übergangsregelung kommen, sagte Chef Pieter Elbers, müsste man zur Not auf das bilaterale Abkommen zwischen den beiden Königreichen aus dem Jahr 1960 zurückgreifen. Lufthansa-Manager Thomas Kropp sprach von „einem dramatischen Ereignis für Europa“, das auch für sein Unternehmen „einschneidende Folgen“ haben werde.

Obamacare war einfacher

Fragen gab es viele – Ideen für Lösungen aber nur wenige. In der kommenden Woche wird EU-Chefunterhändler Michel Barnier die Brexit-Gespräche in die zweite Runde führen. Ganz oben steht die Sicherung der Rechte der in Großbritannien lebenden EU-Bürger. Ausgerechnet ein Gast aus den USA, Sean Kennedy, Vizepräsident des Verbands Airlines for America, fand eine passenden Vergleich: Der Manager arbeitete im Weißen Haus unter Barack Obama: „Ich dachte, die Gesundheitsreform „Obamacare“ war kompliziert. Aber die Komplexität des Brexits hat noch ein ganz anderes Niveau.“

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