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Sinkende Attraktivität der Innenstädte: Buchhandel beklagt Käuferschwund

Von Der Online-Handel hat im vergangenen Jahr der Buchbranche in Deutschland den Rücken gestärkt. In die Läden kamen dagegen weniger Käufer.
Im Vorjahr kauften deutlich weniger Deutsche Bücher – aber die, die es taten, gaben im Schnitt deutlich mehr Geld dafür aus. Foto: Arne Dedert (dpa) Im Vorjahr kauften deutlich weniger Deutsche Bücher – aber die, die es taten, gaben im Schnitt deutlich mehr Geld dafür aus.
Frankfurt. 

Was haben Bücher und Schuhe gemeinsam? Nichts, möchte man meinen, Leder findet sich in beiden Produktgruppen nur noch selten. Doch kann es dem Buchhändler vermutlich nicht egal sein, ob der Schuhverkäufer seinen Online-Shop im Griff hat – oder einen solchen noch gar nicht eröffnet hat. „Wir können digital“, sagt Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Geschäftsführer der Buchhandelskette Osiander: „Doch der übrige Einzelhandel hat noch keine funktionierenden Multi-Channel-Konzepte.“

Während die Buchhandlungen früh von Amazon attackiert wurden und darauf mit eigenen Internet-Angeboten reagieren mussten (mehr als zwei Drittel von ihnen haben mittlerweile eigene Online-Shops), dürfte man in Deutschland vergeblich versuchen, einen nicht in der passenden Größe in der Filiale vorrätigen Schuh über Nacht nachzubestellen.

Freilich hilft dem Buchhändler seine Pionierrolle wenig, wenn durch die fehlende Attraktivität der anderen Geschäfte die Kundenfrequenz in den Innenstädten immer mehr nachlässt. Daher fordert der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands, Alexander Skipis, dass nicht allein Angebot und Nachfrage die Vergabe von Ladenlokalen bestimmen dürften, weil nur noch Handy- und Ein-Euro-Shops die hohen Mieten bezahlen könnten: „Das ist die Realität – total unattraktiv!“

Und wenn weniger Menschen durch die Einkaufsstraßen schlendern, dann bemerken das auch die Buchhandlungen: Im Vorjahr sank die Zahl der Käufer im Buchmarkt um satte 6,9 Prozent auf 30,8 Millionen. Nur weil im Gegenzug jeder Käufer durchschnittlich 12,2 statt 11,5 Stück erwarb und auch die Preise um vier Prozent stiegen, legte der Gesamtumsatz der Branche erstmals seit 2010 wieder spürbar zu: um ein Prozent auf 9,28 Milliarden Euro. Damit wurde der Stand des Jahres 2006 wenigstens minimal übertroffen. Allerdings legten die Online-Umsätze 2016 um 5,3 Prozent zu, während der klassische Sortimentsbuchhandel 0,8 Prozent einbüßte. Damit kommt der Internet-Handel mittlerweile auf einen Marktanteil von fast einem Fünftel, gut zwei Drittel davon entfallen auf Amazon; Buchläden machen im Schnitt drei Cent von einem Euro Umsatz im Netz.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hielt die leicht positive Tendenz allerdings nicht an: Bis Mai sanken die Umsätze in den wichtigsten Vertriebswegen um 0,3 Prozent, im Sortimentsbuchhandel sogar um 1,6 Prozent.

Kampf gegen neues Gesetz

Skipis könnte sich als Mittel gegen den Käuferschwund vorstellen, dass die Kommunen über Planungsinstrumente (analog zu den Bebauungsplänen) Einfluss auf die Vermietung von Innenstadt-Geschäften nehmen dürfen. Riethmüller beklagt auch eine Benachteiligung gegenüber dem Internethandel – durch Fahrverbote (wie in Stuttgart geplant) oder die Kostenpflicht für Plastiktüten.

Nachteile fürchtet Skipis auch durch das neue „Urheber-Wissensgesellschafts-Gesetz“, das der Bundestag verabschieden und das im März nächsten Jahres in Kraft treten soll: „Das Gesetz wird einen funktionierenden Wissenschafts-Buchmarkt vollständig zerstören“, sagte Skipis und kündigte eine Verfassungsbeschwerde an, sollte das Gesetz wie geplant kommen: „Das werden wir bekämpfen bis zum Schluss.“ Das Vorhaben werde einigen großen Fachverlagen nützen und die übrigen vom Markt verschwinden lassen; viele Bücher würden nicht mehr erscheinen.

Bibliotheken und Hochschulen dürften künftig bis zu 15 Prozent aus einem Werk digitalisiert weiterverbreiten, ohne den Verlag zu fragen – und ohne zu zahlen. Bibliotheken müssten dann ein Buch nur noch einmal kaufen, um es Nutzern beliebig oft elektronisch zugänglich machen zu können. Allerdings brach der Umsatz mit Büchern über Naturwissenschaften, Medizin, Recht oder Wirtschaft schon im Vorjahr erneut zweistellig ein – diese machen nun nur noch 6,3 Prozent des Gesamtmarktes aus. Dadurch haben es auch Fachbuchhandlungen immer schwerer.

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