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Sonderausstellung im Geldmuseum: Bundesbank lässt den „Riedel“ rollen

Von Verschwörungstheoretiker mutmaßen ja schon länger, die Bundesbank arbeite an einer Parallelwährung zum Euro. Aber überraschend ist es doch, dass diese nicht in Griechenland Realität wird, sondern in der Finanzmetropole Frankfurt.
Michael Riedel hat für die Bundesbank 300 000 Scheine seiner Kunstwährung drucken lassen. Foto: Nils Thies Michael Riedel hat für die Bundesbank 300 000 Scheine seiner Kunstwährung drucken lassen.
Frankfurt. 

Verschwörungstheoretiker mutmaßen ja schon länger, die Bundesbank arbeite an einer Parallelwährung zum Euro. Aber überraschend ist es doch, dass diese nicht in Griechenland Realität wird, sondern in der Finanzmetropole Frankfurt: Für die erste Sonderausstellung im grundüberholten Geldmuseum der Bundesbank, „Geldmacher“, hat der Frankfurter Künstler und Ex-Städelschüler Michael Riedel (45) mehr als 300 000 Geldscheine im originalen Format der Euro-Banknoten und mit den echten Sicherheitsmerkmalen drucken lassen. Selbst die Verteilung von Grafik und Freiflächen stimmt – allerdings ist die Grafik in Schwarz-Weiß gehalten und gibt als Digitalcode die Korrespondenz Riedels mit seiner New Yorker Galerie David Zwirner aus den Jahren 2009–17 wieder.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret ließ die Frage offen, „ob man ,Riedels‘ und ,Euros‘ verwechseln kann“, unterstrich aber, dass es für die Zentralbank angesichts der Sicherheitsvorgaben eine Herausforderung gewesen sei, Riedel echtes Banknotenpapier aus Baumwolle zur Verfügung zu stellen. Verkauft werden die Scheine (Gesamtwert 45 Millionen Riedel) übrigens zum Nennwert, am Eröffnungsabend allerdings mit echter Signatur Riedels – und nicht wie bei den Euronoten mit einer billig aufgedruckten Unterschrift Mario Draghis.

Das Geldmuseum der Bundesbank zeigt die „Riedels“ in hohen Stapeln. Bild-Zoom
Das Geldmuseum der Bundesbank zeigt die „Riedels“ in hohen Stapeln.

Auch eine hellgrüne Tapete aus 77 Einzelblättern durfte Riedel mit Programmiertexten zur Bargeldlogistik bedrucken.

Eine derart ungewöhnliche Offenheit der Bundesbank lädt zu Spekulationen ein – was aber, wenn die Zentralbanken Österreichs, Frankreichs oder Italiens die Codes nutzen sollten, um ihre eigenen „Wurms“, „Attias“ oder „Penones“ zu drucken und in den Bargeldkreislauf einzuschleusen? Dann beherrschten buchstäblich „Kunstwährungen“ den Geldumlauf.

 

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