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Wechsel: Christian Sewing wird neuer Chef der Deutschen Bank

Der Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts, Christian Sewing, soll neuer starker Mann bei der Deutschen Bank werden.
Christian Sewing soll neuer Vorstandschef der Deutschen Bank werden. Foto: Arne Dedert (dpa) Christian Sewing soll neuer Vorstandschef der Deutschen Bank werden.
Frankfurt. 

Die Deutsche Bank tauscht nach noch nicht einmal drei Jahren ihren Chef aus. Der Leiter der Privatkundensparte Christian Sewing soll als Nachfolger von John Cryan an die Spitze des Geldhauses rücken, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Sewing war bereits im vergangenen Jahr zusammen mit Marcus Schenck zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Bank berufen worden. Schenck, der bisher zusammen mit Garth Ritchie das Investmentbanking der Deutsche Bank leitet, stehe vor dem Abschied, sagte der Insider. Ritchie – der eigentlich erst vor einigen Tagen seinen Abgang angekündigt hatte – werde die Investmentbank künftig alleine führen. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Sie hatte bereits am Samstag mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat am Sonntagabend über die Zukunft von Cryan beraten und dabei eine Entscheidung zum Vorstandschef fällen sollte.

Frankfurt am Main: Das Logo der Deutschen Bank steht auf dem neuen Sitz der Fondstochter DWS.
Kommentar Sewing: Die Misere

Der Aktienkurs der Deutschen Bank nähert sich wieder bedrohlich der Zehn-Euro-Schwelle – ein Niveau wie im Herbst 2016, als viele Experten ernsthaft an der Zukunft des Instituts zweifelten.

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Der 57-jährige Brite Cryan, dessen Vertrag noch bis 2020 läuft, war zuletzt nach einer Gewinnwarnung und einem massiven Absturz des Aktienkurses immer mehr unter Druck geraten. Höhepunkt waren dann vor Ostern Berichte, wonach Aufsichtsratschef Achleitner nach einem Nachfolger für Cryan sucht. Dieser hatte danach zwar bekräftigt, er wolle bleiben. Rückendeckung aus dem Kontrollgremium oder von Achleitner persönlich hatte er jedoch nicht bekommen.

Mit Sewing soll erstmals seit langem ein Manager aus dem Privatkundengeschäft das Ruder bei Deutschlands größtem Geldhaus übernehmen. Einige Großaktionäre hatten an einer internen Lösung immer wieder Zweifel geäußert, das Duo aus Sewing und Schenck sei noch nicht reif für den Chefsessel. Trotz dieser Bedenken befand sich Sewing auf dem ersten Platz von Achleitners Kandidatenliste. Denn der Westfale sei bei der Umsetzung seiner Aufgaben gut vorangekommen, der Schließung von Filialen und der Integration der Postbank.

Ein Eigengewächs

Nach drei Verlustjahren in Folge muss der neue Mann an der Spitze zahlreiche Baustellen in Angriff nehmen, wie etwa das schwächelnde Investmentbanking in den Griff zu bekommen und die Postbank weiter in den Gesamtkonzern zu integrieren. Er erbt von Cryan eine verunsicherte Bank, deren Mitarbeiter und Aktionäre verlustreiche Jahre und mehrere Strategiewechsel hinter sich haben. Im Vergleich zur Konkurrenz steht die einstige Vorzeigebank in vielen Bereichen schwächer da als vor der Finanzkrise. Die großen Wall-Street-Häuser etwa sind dem Institut im prestige- und gewinnträchtigen Investmentbanking weit enteilt.

Die IT, heutzutage von besonderer Bedeutung für die Leistungsfähigkeit, gilt nach jahrelangen Sparrunden als überaltert, als „lausig“ hat sie Cryan bezeichnet. Zudem hatte IT-Chefin Kim Hammonds auf einem Führungskräftetreffen kürzlich geschimpft, die Deutsche Bank sei das „dysfunktionalste Unternehmen“, für das sie je gearbeitet habe. Hammonds gilt als Vertraute Cryans, ihre Tage im Bank-Vorstand dürften ebenfalls gezählt sein.

Mit Sewing sitzt erstmals seit dem früheren Bankchef Rolf Breuer wieder ein Manager in der Topetage der Frankfurter Zwillingstürme, der das Geldhaus von Beginn seiner Karriere an kennt. Bis auf ein zweijähriges Intermezzo bei der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank verbrachte Sewing sein Berufsleben bei der Deutschen Bank. Von der Ausbildung als Bankkaufmann ab 1989 über ein berufsbegleitendes Studium an der Bankakademie in Bielefeld und Hamburg führte ihn sein Weg bis in das oberste Führungsgremium. Seit 2015 sitzt der Manager im Vorstand des Instituts. Erfahrungen im Ausland sammelte der begeisterte Tennisspieler in Singapur, Toronto, Tokio und London. Sewing arbeitete im Risikomanagement und kennt daher auch das Investmentbanking – aktuell das Sorgenkind des Konzerns. Gemeinsam mit Postbank-Chef Frank Strauß verantwortet er auch die Integration der Bonner Tochter in das Privat- und Firmenkundengeschäft des Konzerns, nachdem ein ursprünglich geplanter Verkauf im vergangenen Jahr abgeblasen worden war.

Familie in Osnabrück

Dabei schreckt er nicht vor harten Einschnitten zurück. Die endgültigen Zahlen stehen zwar noch nicht fest, aber ohne Stellenabbau wird es nicht gehen, das hat Sewing bereits klar gemacht. Neben dem Firmen- und Privatkundengeschäft zählt zu seinem bisherigen Bereich auch das lukrative Geschäft mit Vermögenden (Wealth Management). Der Fan des Bundesliga-Serienmeisters Bayern München wohnt unter der Woche in Frankfurt und pendelt am Wochenende zu seiner Familie, die in Osnabrück lebt.

(rtr,dpa,tba)

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