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Abschied nach über 50 Jahren: Commerzbank Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller übergibt an seinen Nachfolger

Von Bei der Commerzbank steht ein Generationswechsel an der Spitze des Aufsichtsrats an: Nächste Woche verabschiedet sich der frühere Vorstandschef Klaus-Peter Müller (73) nach mehr als 50 Jahren bei der Bank. Auf ihn folgt Ex-Vorstand Stefan Schmittmann (61).
Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bei seiner vorletzten Hauptversammlung im vergangenen Jahr neben Vorstandschef Martin Zielke. Am Dienstag gibt er seinen Posten ab. Foto: Boris Roessler (dpa) Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bei seiner vorletzten Hauptversammlung im vergangenen Jahr neben Vorstandschef Martin Zielke. Am Dienstag gibt er seinen Posten ab.
Frankfurt. 

Die Commerzbank kennt Klaus-Peter Müller so gut wie sonst wohl kaum jemand. Nach einer Ausbildung beim (längst von der Münchner HVB aufgekauften) Düsseldorfer Bankhaus Friedrich Simon hat er sein gesamtes Berufsleben seit 1966 bei der Commerzbank verbracht – eine Bilderbuch-Karriere. Direkt nach Ausbildung und Bundeswehr war er eingestiegen und hatte, ohne Studium, Karriere gemacht, unter anderem bei den Investmentbankern in der Filiale New York. Mit dem – unter schwierigen Umständen gelungenen – Aufbau des Commerzbank-Filialnetzes in den neuen Bundesländern verdiente er sich 1990 die Beförderung in den Vorstand. In der Ex-DDR hatte das Institut, anders als die Konkurrenz, keine frühere Staatsbank übernommen, Müller musste zu unkonventionellen Methoden greifen und schon mal Millionen im Trabant durch die Gegend fahren. 2001 wurde er schließlich Chef (damals noch als „Sprecher des Vorstands“).

Der Eurohypo-Kauf

„KPM“, wie er intern genannt wird, ist ein hemdsärmliger Typ, Fußball-Fan, energiegeladen und zupackend, eher klein und korpulent. Die gravitätische Art manch anderer Bankvorstände ist ihm fremd, seine Wortwahl direkt und häufig witzig. Geboren wurde er kurz vor Kriegsende, 1944, im Eifelort Duppach; sein Vater war später ehrenamtlicher Oberbürgermeister in Düsseldorf. Für die CDU hat sich der Sohn ebenfalls mehrfach öffentlich engagiert, schon im Alter von 16 wurde er Mitglied. Bis 2009 amtierte er auch als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Er ist auch Ehrenvorsitzender des Stiftungsrats der Frankfurt School of Finance and Management, an deren Aufbau er maßgeblich mitgewirkt hat, und lebt in Bad Homburg.

Während seiner Amtszeit hat Müller Stellen gestrichen, sich mit Hilfe europäischer Wettbewerber gegen Angriffe von Spekulanten verteidigt und sich auch mit der Sparkassen-Finanzgruppe angelegt; doch liefen alle Attacken auf das Drei-Säulen-Modell ins Leere, sowohl eine Übernahme der Sparkasse Stralsund als auch der Landesbank Berlin scheiterten. Die Commerzbank – die damals als zu klein für eine Zukunft in Unabhängigkeit galt – versuchte er noch durch weitere Übernahmen zu stärken. Das gelang eher nicht so gut: Sowohl der Kauf der Eurohypo als auch die – kurz nach seinem Wechsel in den Aufsichtsrat 2008 – vollzogene Übernahme der Dresdner Bank brachten die Commerzbank an den Rand des Zusammenbruchs; der Steuerzahler musste mit Milliardenhilfen einspringen, bis heute hält der Bund rund 15 Prozent der Aktien.

Früherer Risikovorstand

Die Dresdner-Übernahme hält Müller noch heute für strategisch richtig, lediglich der Zeitpunkt – unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise – sei unglücklich gewählt gewesen. Auf Hauptversammlungen muss sich der Aufsichtsratsvorsitzende aber jahrelang übel beschimpfen lassen, was ihm nach eigenen Worten weh getan hat: Denn die Kritik sei ja berechtigt gewesen, man habe den Aktionären einiges zugemutet.

Seinen Nachfolger Martin Blessing lobt Müller, dennoch düpierte der ihn, als er 2015 die Vertragsverlängerung überraschend ausschlug und später zur Schweizer UBS wechselte (wo er der nächste Vorstandschef werden könnte). Die Nachfolgeregelung für Blessing geriet holprig, auch Müller geriet stark unter Druck und konnte sich nur mit Mühe und unter frühzeitiger Bekanntgabe des nächsten Ober-Kontrolleurs einen vorzeitigen Abgang ersparen.

Doch zur Hauptversammlung am Dienstag ist nun endgültig Schluss, nach exakt zehn Jahren in diesem Amt gibt er den Vorsitz des Kontrollgremiums ab. Müllers Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze wird der frühere Commerzbank-Risikovorstand Stefan Schmittmann. Der gebürtige Münchner hatte seinen Vertrag Ende 2015 vorzeitig beendet. Nach der zweijährigen Abkühlphase, die die Regeln guter Unternehmensführung vorschreiben, kann er erst 2018 Aufsichtsrat werden.

Müller behält den Vorsitz der Commerzbank-Stiftung und bleibt Aufsichtsrat bei Fresenius – will aber künftig auch mehr Zeit für die Enkel und für Wanderungen haben. Mit dem Zeitpunkt seines Ausstiegs sei er zufrieden, sagt Müller, die Bank sei auf gutem Weg: „Die Richtung stimmt.“

Und welche Lehre zieht er aus den Turbulenzen der vergangenen Jahre? „Es gab Zeiten mit mehr Übermut, sonst wären wir nicht in der Finanzkrise gelandet.“ Immerhin zahlt die Commerzbank, anders als der große inländische Konkurrent, keine Milliarden-Boni; die Gehälter der Vorstände waren jahrelang bei einer halben Million jährlich gedeckelt. Und der Aktienkurs hat sich zuletzt erholt (auch wenn er noch weit unter dem einstigen Niveau notiert) und mit rund 10,50 Euro fast zu dem der Deutschen Bank aufgeschlossen. Freilich ist das auch Übernahme-Spekulationen geschuldet – die Zukunft der Commerzbank muss heutzutage als ebenso unsicher gelten wie zu der Zeit, als Müller zum Chef aufstieg. Vielleicht auch deshalb zieht er als Fazit: „Natürlich gehe ich mit Wehmut.“

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