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Autozüge der deutschen Bahn: DB zieht die Notbremse: Das Aus für den Autoreisezug

Von Die Deutsche Bahn stellt den „DB Autozug“ endgültig aufs Abstellgleis. Nach jährlichen Millionenverlusten und deutlich sinkenden Fahrgastzahlen bestätigte der Konzern das endgültige Aus für 2017 – auch für die Verladestation Neu-Isenburg.
In Neu-Isenburg werden die Auto-Transportwagen vom Schlaf- und Liegewagenzug abgekoppelt. 	Foto: map In Neu-Isenburg werden die Auto-Transportwagen vom Schlaf- und Liegewagenzug abgekoppelt. Foto: map
Frankfurt/Neu-Isenburg. 

Westerland auf Sylt, Rimini, Ljubljana, Alessandria, Narbonne und Villach in Kärnten – die Zielorte, der in den vergangenen 50 Jahren in Neu-Isenburg abgefertigten Autoreisezüge liest sich wie die Top 10 der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen in den Jahren des Wirtschaftswunders. „Zugfahren, nicht ohne mein Auto!“ – „Wir machen Strecke, Sie machen Urlaub“ – „Benzin sparen und Umwelt schonen“: so lauteten die Werbeslogans, mit denen die Bahn versuchte, Autofahrer bei der Urlaubsreise auf die Schiene zu locken.

Die Fahrt mit dem Autoreisezug war ein Privileg wohlhabender Bürger. Bis zuletzt war es – trotz Lockangebote – nie preiswert, mit dem Autoreisezug zu verreisen. Doch waren es vor allem Familien, Menschen ab 50 Jahren, Motorradfahrer sowie Besitzer von Oldtimern und Cabriolets, die ihre Urlaubsreise mit dem Autozug antreten.

Abends mit dem Auto in den Urlaub starten, trotzdem nachts gefahrlos ein Nickerchen machen und am nächsten Morgen – mehr oder weniger ausgeschlafen – in der Urlaubsregion ankommen. Die Reise mit dem Autozug machte es für die Stammkunden möglich.

 

Lieber per Flieger

 

Doch die wurden immer weniger. Das Reiseverhalten hat sich stark geändert, Billigflieger und Pauschalurlaubsreisen haben den Autoreisezug uninteressant und für die Deutsche Bahn zum Minusgeschäft werden lassen. In diesem Sommer werden nur noch Italien (Alessandria) und Frankreich (Narbonne) angesteuert.

Jetzt bestätigte die DB zur Haupturlaubsreisezeit im Sommer, dass sie ihre Sparte DB Autozug und auch mehrere Nachtzugverbindungen sukzessive bis 2017 einstellen wird. Davon ist auch das Verlade-Terminal in Neu-Isenburg betroffen.

In dem „seit Jahren defizitären Nischengeschäft“ stünden den hohen Betriebskosten jährlich sinkende Einnahmen gegenüber. Jährliche Verluste in zweistelliger Millionenhöhe führten bereits im vergangenen Jahr dazu, dass die Tochtergesellschaft DB Autozug mit der DB-Sparte Fernverkehr verschmolzen wurde.

„Das klassische Autozug-Geschäft lässt sich nicht mehr refinanzieren“, so ein Bahn-Sprecher. Pro Jahr haben nach Konzernangaben zuletzt nur noch 200 000 Bahnkunden den Autozug genutzt – von 131 Millionen Fernverkehrskunden insgesamt. Mit ICE, EC und IC sind hingegen tagtäglich 340 000 Reisende unterwegs.

Noch 2012 beförderte die Bahn 271 000 Reisende im Huckepack-Prinzip: die Urlauber in Schlaf- oder Liegewagen, parallel dazu wurden 124 000 Autos, Motorräder oder Oldtimer auf Autotransportwagen verladen. 2007 waren es gar 183 000 Fahrzeuge samt Insassen, die statt auf den verstopften Autobahnen mit deutschen Autozügen in Deutschland und Europa unterwegs waren.

Aber ohne Investitionen in das bis zu 40 Jahre alte Wagenmaterial, immer schlechter werdenden Serviceleistungen und dem ausgedünnten Angebot waren die Weichen schon lange aufs Abstellgleis gestellt. In den Jahren des Wirtschaftswunders sah das noch ganz anders aus.

Seit Jahren reagiert der Konzern auf die rückläufigen Fahrgastzahlen mit dem Aus zahlreicher Verladestationen und der Streichung vieler Autozug-Verbindungen im Fahrplan. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden insgesamt 16 deutsche Standorte geschlossen.

Übrig geblieben sind aktuell lediglich die Terminals in Düsseldorf, Hamburg-Altona, Hildesheim, Lörrach, München-Ost und Neu-Isenburg. Neben drei innerdeutschen Verbindungen schickt die DB Autozug noch Züge nach Österreich (Innsbruck und Villach) sowie zu den eigenen Terminals in Narbonne (Frankreich) und nach Alessandria (Italien) auf die Reise.

 

Neues Angebot

 

Nun testet die Bahn die Akzeptanz für ein Pilotprojekt unter dem Namen „Auto + Zug“, bei dem Zugreisende ihr Auto mit einem Lkw-Transporter zum Zielort schicken lassen können. Zwischen Berlin, Düsseldorf und München werden dabei Autos und Motorräder auf Lkw transportiert, die Passagiere reisen separat mit dem Zug. Über eine mögliche Ausweitung dieses Angebotes auf internationale Verbindungen könne die Bahn erst nach der Auswertung des laufendes Pilotprojektes entscheiden, heißt es.

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