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Fusion mit WGZ Bank kostet 700 Jobs: DZ Bank will auf Kündigungen verzichten

Von Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank drücken bei ihrer geplanten Fusion aufs Tempo.
Wolfgang Kirsch wird auch Chef der fusionierten Bank. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Wolfgang Kirsch wird auch Chef der fusionierten Bank.
Frankfurt. 

Durch die Fusion von DZ Bank und WGZ Bank sollen bis 2019 rund 700 Vollzeitstellen wegfallen. Da viele Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten, dürfte es nach Schätzung von DZ-Bank-Vorstandschef Wolfgang Kirsch am Ende 1000 Beschäftigte treffen. In den Verhandlungen habe man großen Wert darauf gelegt, dass es nicht zu einseitigen Belastungen für Frankfurt oder Düsseldorf komme: „Eingespart wird proportional an beiden Standorten“, sagte Kirsch. Er strebt sozialverträgliche Lösungen an: „Es ist unser Wunsch und Wille, dass wir den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2020 vereinbaren, und so würden wir es gerne auch auf Düsseldorf übertragen.“ Da allerdings gut 4000 Beschäftigte bei der DZ Bank und nur 1300 bei der WGZ Bank arbeiten, wird ein Großteil der Stellen in Frankfurt wegfallen. Den Standort Düsseldorf nannte Kirsch „großartig“ und pries „das Gewicht des Wirtschaftsfaktors Nordrhein-Westfalen“.

Die Fusion soll mindestens 100 Millionen Euro jährlich einsparen, wozu der Personalabbau die Hälfte beiträgt. Das Projekt gehe „sehr gut und zügig“ voran, sagte Kirsch: „Wir streben unverändert einen Start des vereinigten Instituts am 1. August 2016 an.“ Beide genossenschaftliche Spitzeninstitute hatten im November eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Der Zusammenschluss soll – nach mehreren erfolglosen Versuchen – nun am 12. April mit der Unterzeichnung des Verschmelzungsvertrages perfekt sein. Das Bewertungsgutachten liegt noch nicht vor, die endgültigen Beteiligungsverhältnisse sind damit noch unklar. In Düsseldorf sollen unter anderem die Betreuung aller Volks- und Raiffeisenbanken und das Geschäft mit Förderkrediten gebündelt werden. Die Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat steht bereits.

Im Vorjahr sank der Gewinn vor Steuern der DZ Bank AG, der eigentlichen Zentralbank, wegen des Niedrigzins-Umfelds und höherer Kosten durch die Regulierung um moderate vier Prozent auf 869 Millionen Euro. In der Gruppe, die auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Fondsgesellschaft Union Investment oder die R+V Versicherung umfasst, sank der Vorsteuer-Gewinn um 14 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro. Hierfür war ein Ergebnisrückgang um 21 Prozent bei der wichtigsten Tochter R+V verantwortlich, während Union Investment einen neuen Rekord erzielte. Der Kreditbestand im Firmenkundengeschäft stieg um fünf Prozent, auch dadurch legte der Marktanteil der Genossenschaftsbanken im Firmenkundengeschäft um einen Punkt auf 20 Prozent zu. Auch im Geschäft mit strukturierten Produkten (Zertifikaten) für Privatanleger sieht sich die DZ Bank als Marktführer.

Für das laufende Jahr deutete Kirsch unter Verweis auf die Turbulenzen an den Börsen, wegfallende Einmaleffekte und Sonderbelastungen durch die Fusion einen niedrigeren Gewinn (in der Gruppe 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro) an. Das Institut kommt, unter voller Anwendung der künftigen strengeren Regeln, auf eine harte Kernkapitalquote von 13 (Vorjahr: 11,4) Prozent, die Gesamtverschuldung (ohne Gewichtung der Risiken, „leverage ratio“) verbesserte sich um 0,8 Punkte auf 4,0 Prozent. Das solide Kapitalpolster erlaubt eine Anhebung der Dividende.

Die Probleme in Europa

Negativzinsen müssen die Volks- und Raiffeisenbanken auf die bei ihrer Zentralbank geparkten Gelder bisher nicht zahlen. Doch wenn EZB-Präsident Mario Draghi am 10. März nachlege und die Strafzinsen weiter erhöhe, werde man „eine betriebswirtschaftliche Antwort geben müssen“, kündigte Kirsch an. Schon heute sei das Zentralbankgeschäft „ein relativ magerer Knochen, an dem viele nagen“. Er würde sich aber wünschen, dass Draghi nicht nur den Regierungen Zeit für Reformen kaufe, sondern „auch mal einen Endpunkt formuliert – die Zeit der Negativzinsen muss doch irgendwann zu Ende gehen“.

Zwar sieht der DZ-Bank-Chef keine realistische Möglichkeit, Strafzinsen durch das Horten von Bargeld auszuweichen. Dennoch hält er wenig von Obergrenzen für Barzahlungen oder einer Abschaffung des 500-Euro-Scheins: „Wir sollten uns nicht alles vorschreiben lassen! Diese Eile, mit der das Thema vorangetrieben wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wir haben zurzeit in Europa andere Themen.“ Vor allem müsse ein gesellschaftlich und ökonomisch tragfähiger Umgang mit der Flüchtlingssituation gefunden werden. Auch ein Wiederaufflammen der Eurokrise erscheine angesichts verschleppter Strukturreformen in Frankreich und nicht ausreichender Fortschritte in Griechenland zumindest denkbar. „Gegenwärtig läuft Europa so Gefahr, mit der gemeinsamen Währung und dem Schengen-Raum zwei seiner zentralen Errungenschaften zur Disposition zu stellen.“

Bei der geplanten Börsen-Fusion zwischen Frankfurt und London müsse zunächst die betriebwirtschaftliche Rationalität nachgewiesen werden: „Die Diskussion läuft für mich zu rasch. Vor dem 23. Juni würde ich als Verantwortlicher zu dem Thema gar nichts sagen.“ An diesem Tag stimmen die Briten über den „Brexit“ ab.

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