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Darüber rätselt selbst die US-Notenbankchefin Janet Yellen

US-Notenbankchefin Janet Yellen ist ratlos. Obwohl die Zentralbanken die Märkte mit billigem Geld versorgen, wollen die Preise nicht recht steigen.
Die Präsidentin der US-Notenbank, Janet Yellen, rätselt. Foto: Pablo Martinez Monsivais (AP) Die Präsidentin der US-Notenbank, Janet Yellen, rätselt.
Berlin/Frankfurt. 

Mit billionenschweren Geldspritzen versuchen die Notenbanken, die Inflation in Richtung ihrer Zielmarken von rund zwei Prozent zu treiben – vergeblich.

Für US-Notenbankchefin Janet Yellen ist es sogar ein „Rätsel“, warum die Preise trotz brummender Wirtschaft nicht kräftiger anziehen. Da Digitalisierung und Globalisierung die Preise dauerhaft drücken, raten manche Experten dazu, künftig niedrigere Teuerungsraten zu akzeptieren. „Die aktuell global tiefe Inflation ist zu einem guten Teil dem technischen Fortschritt zu verdanken“, erklärt Burkhard Varnholt von der Schweizer Großbank Credit Suisse. Das Internet habe die Inflation „gekillt“.

Effektive Preissenkung

Maximilian Kunkel, Chef-Anlagestratege bei der UBS-Vermögensverwaltung, nennt ein konkretes Beispiel: „Ein Mobilfunk-Konzern bietet seinen Kunden mehr Datenvolumen für das gleiche Geld. Die Verbraucher zahlen zwar nicht weniger, aber effektiv fällt der Preis.“

Auch andere Bereiche der Wirtschaft werden von der technischen Revolution grundlegend verändert: Speditions-Milliardär Klaus-Michael Kühne prophezeit, dass die Digitalisierung Frachtvolumen in der Schifffahrt um zehn bis 20 Prozent drücken wird. „Auch der Vormarsch des 3D-Druckers könnte die Frachtmengen reduzieren.“

Die magische Marke von zwei Prozent gilt vielen Notenbanken als ideal für die Konjunktur. Denn sie bietet aus Sicht der Währungshüter einen ausreichenden Sicherheitsabstand zur Gefahrenzone fallender Preise. Doch sind die Inflationsziele letztlich „Kinder vergangener oder vergehender Verhältnisse“, wie es der Ökonom und frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup formuliert? Dass die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrem Ziel einer mittelfristig zu erreichenden Teuerung von knapp zwei Prozent festhält, hält der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Henning Vöpel, jedenfalls für einen Anachronismus: „Für den Währungsraum ist dieses Ziel geradezu absurd.“

Kollateralschäden

Nach Ansicht von Ardo Hansson, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, wird es daher noch länger dauern, bis sie ihr Ziel erreichen wird, „aus Gründen, die wir nicht beeinflussen können“, wie der Chef der estnischen Notenbank sagt. Er nennt dabei explizit technologischen Fortschritt und die Globalisierung als Faktoren, die sich dem Einfluss der Geldpolitiker entziehen.

Auch in den USA bereitet die hartnäckig niedrige Inflation der Fed Kopfschmerzen, auch wenn sie sich davon wohl nicht von einer weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr abhalten lassen dürfte. In Japan ist der Preisauftrieb trotz der Geldschwemme der dortigen Notenbank noch schwächer als in der Euro-Zone. HWWI-Chef Vöpel warnt vor „Kollateralschäden wie der Bildung von Blasen an den Märkten“, falls die Notenbanken zu lange auf dem Gas bleiben und unbeirrt von der Digitalisierung an ihrem Inflationsziel festhalten.

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