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Claudio Albrecht: Das ist der nächste Interims-Chef des Pharmaherstellers

Von Der Bad Vilbeler Pharmahersteller Stada hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Claudio Albrecht ist bereits der vierte Manager an der Stada-Spitze innerhalb von 12 Monaten. Der frühere Ratiopharm-Chef soll in Bad Vilbel aufräumen.
Claudio Albrecht ist neuer Stada-Chef. Er genießt das Vertrauen der neuen Mehrheitsaktionäre. Foto: Julia Hammerle/Actavis (Julia Hammerle/Actavis) Claudio Albrecht ist neuer Stada-Chef. Er genießt das Vertrauen der neuen Mehrheitsaktionäre.
Bad Vilbel. 

Der Aufsichtsrat der Stada Arzneimittel AG hat Claudio Albrecht mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Albrecht folgt auf Engelbert Coster Tjeenk Willink, der das Amt seit dem 4. Juli interimistisch ausgeübt hat. Ebenfalls mit sofortiger Wirkung übernimmt Mark Keatley die Position des Finanzvorstands von seinem Interims-Vorgänger Bernhard Düttmann, wie das Unternehmen gestern mitteilte.

Dass Albrecht auf Willink folgt, war bereits seit vier Wochen bekannt. Am Dienstag hatte das Amtsgericht Frankfurt zudem einen neuen Aufsichtsrat für Stada mit Günter von Au an der Spitze bestellt. Der Manager stand bis 2012 der Süd-Chemie AG vor. Der bisherige Chefkontrolleur, Carl Ferdinand Oetker, hatte ebenso wie vier Vertreter der Kapitalseite sein Amt niedergelegt, nachdem die Finanzinvestoren Bain und Cinven im Sommer die Mehrheit bei dem Generika-Hersteller (Grippostad, Mobilat, Ladival) aus Bad Vilbel übernommen hatten. Die angelsächsischen Investoren haben nun je zwei Vertreter in den Aufsichtsrat entsandt.

Hochmotiviert

„Wir freuen uns sehr, mit Claudio Albrecht und Mark Keatley zwei Manager mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Pharma- und Generika-Branche gewonnen zu haben. Mit ihrer Expertise sind sie genau die Richtigen, um den bereits eingeleiteten Transformationsprozess weiterzuführen und Stada nachhaltig zu mehr Wachstum zu verhelfen“, sagte der neue Aufsichtsratsvorsitzende Günter von Au. Stada sei ein traditionsreiches Unternehmen mit hochmotivierten Mitarbeitern und viel Potenzial. „Gemeinsam werden wir daran arbeiten, Stada leistungsfähiger zu machen und damit zu einem international bedeutsamen Konzern auszubauen“, betonte von Au.

Engelbert Tjeenk Willink stand nur drei Monate an der Spitze. Bild-Zoom Foto: Bernd Bodtlaender
Engelbert Tjeenk Willink stand nur drei Monate an der Spitze.

Albrecht wird der vierte Stada-Chef binnen zwölf Monaten. Im vergangenen Sommer hatten Aktionäre den langjährigen Firmenchef Hartmut Retzlaff auf der Hauptversammlung abgewählt. Ihm folgte Matthias Wiedenfels nach – der nach 323 Tagen in diesem Juli durch Willink ersetzt wurde, der nun gehen muss. Dessen Nachfolger Albrecht soll jedoch ebenfalls nur eine Übergangslösung sein, hieß es von den Mehrheitseignern. Sobald eine dauerhafte Lösung gefunden sei, werde Albrecht in eine „nicht-geschäftsführende Funktion“ wechseln.

Alarmstimmung

Was diese Turbulenzen für die 900 Mitarbeiter am Standort Bad Vilbel bedeuten, ist unklar. Bain und Cinven schlossen eine betriebliche Kündigung der etwa 150 Angestellten in der Produktion und Fertigung bis 2020 aus – nicht aber für jene in der Forschung, im Vertrieb und in der Verwaltung. Der abgelöste Vorstandschef Willink hatte kürzlich zwar Sorgen zu zerstreuen versucht, dass es zu einem weiteren Stellenabbau oder einer Sitzverlagerung käme, die Arbeitnehmervertretung ist dennoch überaus besorgt und in Alarmstimmung.

Die Ära Hartmut Retzlaff ging im August 2016 zu Ende. Bild-Zoom Foto: ap fotografie
Die Ära Hartmut Retzlaff ging im August 2016 zu Ende.

Albrecht ist der Wunschkandidat der Stada-Mehrheitseigentümer Bain Capital und Cinven. Er galt bereits im August 2016 als Kandidat für die Unternehmensspitze. Der Auftrag für den früheren Ratiopharm-Chef scheint klar: Er soll den Pharmahersteller auf Linie bringen und das Feld für eine langfristige Lösung auf dem Chefsessel bereiten. Albrecht wird nachgesagt, ein Freund klarer Worte und schneller Entscheidungen zu sein. Er sei kommunikativ und transparent, verlange aber auch viel, hieß es in verschiedenen Berichten. Auch in seiner Freizeit liebe er die Geschwindigkeit, fahre Mountainbike und Ski.

Erfahrung

Seine Karriere begann der Jurist bei Sandoz. Im Jahr 2000 übernahm er die Führung der Ulmer Firma Ratiopharm. 2005 warf ihn der damalige Eigentümer, die Familie Merckle, raus. Albrecht baute ein großes Haus in seiner Heimatstadt Innsbruck, machte sich selbständig und beriet 2010 die isländische Firma Actavis im Werben um Ratiopharm. Den Zuschlag bekam für 3,6 Milliarden Euro der israelische Weltmarktführer Teva. Der Karriere von Albrecht hat das nicht geschadet. Er wurde Chef von Actavis und machte den Konzern so groß, dass die US-Firma Watson 2012 gut vier Milliarden Euro zahlt.

Matthias Wiedenfels verließ Stada im Juli nach 323 Tagen. Bild-Zoom Foto: Daniel Reinhardt (dpa)
Matthias Wiedenfels verließ Stada im Juli nach 323 Tagen.

Auch der neue Finanzvorstand bringt reichlich Erfahrung mit. Keatley war unter Albrecht als Finanzvorstand bei Actavis tätig. Zuletzt hatten sie beide der Beratungsfirma Albrecht, Prock & Partners Bain und Cinven im Übernahmeringen um Stada beraten.

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