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Tarifkonflikt: Dem Einzelhandel droht ein heißer Sommer

Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt des Einzelhandels bereits mit einem „heißen Sommer“ gedroht. Die Hoffnungen ruhen nun auf einem erneuten Einigungsversuch in Baden-Württemberg.
Sechs Prozent mehr sollen Verkäuferinnen verdienen, fordert Verdi. Sechs Prozent mehr sollen Verkäuferinnen verdienen, fordert Verdi.
Düsseldorf/Stuttgart. 

Im seit Wochen festgefahrenen Tarifkonflikt für den deutschen Einzelhandel ruhen die Hoffnungen auf einem weiteren Einigungsversuch am heutigen Montag in Baden-Württemberg. Sollte dort ein Durchbruch gelingen, wäre dies zumindest eine Orientierung für die Löhne und Gehälter von bis zu drei Millionen Beschäftigten im bundesdeutschen Einzelhandel. Direkt verhandelt wird in einem komplizierten System jedoch zunächst einmal für die jeweiligen Beschäftigten in einem von bundesweit 14 Tarifbezirken. Die genauen Konditionen in den anderen Bezirken müssen dann in separaten Gesprächen festgelegt werden.

Nach wochenlangen Verhandlungen sind die Nerven auf beiden Seiten zunehmend angespannt: Nach einem gescheiterten Einigungsversuch in der vergangenen Woche in Nordrhein-Westfalen drohte die dortige Verhandlungsführerin Silke Zimmer umgehend mit einem „heißen Sommer“ mit weiteren Warnstreiks und Aktionen. In mehreren Städten, darunter in Berlin, legten am Samstag Mitarbeiter von Filialen großer Handelsketten oder Supermärkte vorübergehend ihre Arbeit nieder. Ein von den NRW-Arbeitgebern vorgelegtes verbessertes Angebot war von der Gewerkschaft ebenso nachdrücklich zurückgewiesen worden, wie eine weitere Offerte bei den Verhandlungen am vergangenen Freitag in Bayern.

Angesichts des zähen Ringens steigt auch im Arbeitgeberlager die Nervosität. Der Deutschland-Chef des Discounterriesen Lidl, Marin Dokozic, forderte eine schnelle Lösung und eine deutliche Tariferhöhung für die Mitarbeiter. Der Einzelhandel befinde sich in einem intensiven Wettbewerb um gute Mitarbeiter, argumentierte der Manager. Vor diesem Hintergrund befürworte das Unternehmen deutliche Tariferhöhungen um jeweils drei Prozent in diesem und auch im kommenden Jahr.

Arbeitgeber unter Druck

Mit seinem ungewöhnlichen Vorstoß setzt der wichtige Handelsmanager und Chef von 78 000 Mitarbeitern die Arbeitgeber unter Druck, die zuletzt eine Anhebung in zwei Schritten um 2,0 Prozent sowie 1,8 Prozent angeboten hatten. Beim Handelsverband Deutschland wollte man diesen Schritt nicht kommentieren, der das Dilemma der Branche widerspiegelt. Während Experten immer wieder die Bedeutung von guter Beratung und qualifiziertem Personal im Kampf mit dem boomenden Onlinehandel betonen, stehen weniger erfolgreiche Händler beim Kampf ums Überleben mittlerweile unter massivem Kostendruck.

In Baden-Württemberg geht Verdi mit einer Forderung nach sechs Prozent mehr in die mittlerweile fünfte Verhandlungsrunde. In den anderen Bezirken sind die Forderungen ähnlich. Zusätzlich setzt sich die Gewerkschaft für eine Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge ein. Tatsächlich arbeitet im Einzelhandel nur noch etwa jeder dritte Beschäftigte in einem Unternehmen, in dem der Tarifabschluss direkt umgesetzt wird. Für alle anderen gilt ein Verhandlungsergebnis nur als Orientierung.

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