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Zugverkehr: Der Bahnreisende als Kontrolleur

Von Zugfahren wird immer digitaler: Bahnkunden, die ihren Fahrschein über das Smartphone oder als Online-Ticket kaufen, können jetzt ihr Ticket im Zug selbst entwerten. Doch „schaffnerlos“ werden die ICE dadurch nicht. Die Zugbegleiter sollen andere Aufgaben übernehmen.
Dank des neuen digitalen Services „Komfort Check-in“ sehen die Zugbegleiter, wer nicht mehr kontrolliert werden muss. Foto: Pieren Dank des neuen digitalen Services „Komfort Check-in“ sehen die Zugbegleiter, wer nicht mehr kontrolliert werden muss.
Frankfurt. 

Die Zeiten, als Bahnreisende in komfortablen TEE-Zügen oder Fernzügen mit klanghaften Namen von Frankfurt über Mainz durch das romantische Rheintal nach Köln fuhren, sind längst passé. Unterwegs ließ man den Blick aus dem Zugfenster über Burgen, die Loreley und Ausflugsschiffe schweifen. Die Schaffner sprachen wie ihre Fahrgäste von der „Reisezeit“ des Zuges, die zwischen Mainmetropole und Domstadt mindestens zweieinhalb Stunden betrug. Das hat sich grundlegend geändert. Heute rauschen die Fahrgäste im ICE mit Tempo 300 über die Hochgeschwindigkeitsstrecke in etwas mehr als einer Stunde Fahrtzeit von Frankfurt nach Köln.

Ungestört reisen

Geschäftsreisende wollen möglichst rasch von A nach B kommen – und ungestört im Zug arbeiten. Die Zugbegleiter der Deutschen Bahn sind zwar schon lange keine Schaffner alten Stils mehr, die im Status beamteter Staatsdiener die Fahrkarten mit einer Lochzange entwerteten. Doch bis heute gehört die Aufforderung „Die Fahrausweise bitte“, kurz nachdem man es sich auf seinem Platz bequem gemacht hat, zum Zugreisen. „Unsere Zugbegleiter berichten, dass die klassische Fahrkartenkontrolle immer mehr Bahnreisende stört“, sagt Julia Niestrath von der DB Fernverkehr. „Das Abknipsen der Fahrkarten ist ein uralter Prozess, der im digitalen Zeitalter überflüssig wird.“

Mit ihrem neuen Service „Komfort Check-in“ bietet die Deutsche Bahn ihren Kunden jetzt an, ihr Zugticket selbst zu entwerten. Damit will die DB das Reisen im ICE für ihre Kunden angenehmer machen. „Davon profitieren nicht nur ruhebedürftige Kunden, die während der Fahrt nicht gestört werden wollen, sondern auch unsere Zugbegleiter, die durch den Wegfall der Kontrollen mehr Zeit für andere Tätigkeiten haben“, sagt Projektleiterin Niestrath.

Das neue Angebot können alle Bahnkunden nutzen, die ihren Fahrausweis und eine Platzreservierung mit Smartphone über die App DB Navigator als Handy-Ticket oder als Online-Ticket im Internet gekauft haben und im Smartphone aktiviert haben. Sobald man im Zug auf seinem Platz sitzt, kann man über die App „einchecken“.

„Sobald der Kunde im Zug im online angezeigten Reiseplan den Button Komfort Check-in drückt, checkt er selber ein“, erklärt Niestrath. „Zeitgleich erhält unser Zugbegleiter auf seinem mobilen Endgerät bei der Übersicht der einzelnen Wagen die Plätze im jeweiligen Wagen angezeigt, die online eingecheckt wurden und nicht mehr kontrolliert werden müssen.“

Die Bahn verspricht ihren Reisenden dadurch weniger unerwünschte Störungen beim Zugfahren – und spricht dabei von „selbstbestimmten Reisen“. Das Reisen wird auf jeden Fall entspannter. „Das Selbstverständnis unserer Mitarbeiter ändert sich vom Fahrkartenkontrolleur hin zur Rolle des Gastgebers im Zug, der sich um das Wohl und die Fragen der Reisenden kümmert“, sagt Thomas Rudol, Gruppenleiter Bordgastronomie bei der DB. „Der Wert des Reisens wird durch das neue Angebot erheblich gesteigert.“

Digitaler Diener

Der neue Service der DB ist ein bedeutender Schritt bei der Digitalisierung des Zugfahrens. Vor 16 Jahren hatte die DB das Online-Ticket eingeführt, das sich der Kunde zu Hause am PC selbst buchen und ausdrucken kann. Aktuell werden heute bereits monatlich 3,5 Millionen Tickets online gebucht. „Der Komfort Check-in verlängert die digitale Reisekette im DB-Service“, sagt Niestrath. „Die Tickets werden online über den DB-Navigator gebucht und man checkt sich nun selber im Zug ein. WLAN ist im ICE Standard und über das ICE-Portal bieten wir unseren Kunden an, digital Filme zu sehen und Zeitschriften zu lesen.“ Wo die Digitalisierung weiter hinführen könnte, deutet sie nur an: „Über Standortbestimmung und GPX können Bahnreisende künftig von ihrem digitalen Diener an die Hand genommen, im Bahnhof zum Gleis und im Zug zum reservierten Sitzplatz geführt werden.“

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