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Serie: Entwickler in Hessen: Der Spar-Droide auf dem Smartphone

Für viele junge Menschen ist Sparen so sexy wie ein Zahnarztbesuch. Aber ohne Geld zurückzulegen, können sie sich den Sommerurlaub oder ein neues Möbelstück oft nicht leisten. Da will das Start-up „„Savedroid““ helfen. Über eine Handy-App analysiert „Savedroid“ die Einnahmen und Ausgaben auf dem Girokonto des Nutzers und legt automatisch Beträge zurück, nach Regeln, die sich der Nutzer selbst gibt.
Die Gründer von Savedroid (von links nach rechts): Tobias Zander (35), Yassin Hankir (36) und Marco Trautmann (34). Die Gründer von Savedroid (von links nach rechts): Tobias Zander (35), Yassin Hankir (36) und Marco Trautmann (34).
Frankfurt. 

Heute geht es nach Frankfurt-Bornheim ins Fintech-Hub der Deutschen Börse – ein „Drehkreuz“, ein Förderprojekt für junge Start-Ups aus der Finanztechnologie-Branche. Als wir in das „Hub“ eintreten, ist es laut, im Aufenthaltsraum mit Bar und Sofa-Ecke wird gerade Tischkicker gespielt. Eine Treppe führt nach oben, eine weitere Sitzecke, hier telefoniert Gründer Yassir Hankir gerade auf dem Smartphone. Zum Interview setzen wir uns in den Konferenzraum, der zugleich Arbeitsraum für mindestens sechs der aktuell 14 Mitarbeiter ist.

Kostenloses Angebot

Eine kostenlose App bietet er an, für junge Leute zwischen 18 und 40 Jahren, die zu wenig Budget übrig haben, wie Hankir berichtet. Der 36-Jährige redet gerne von seiner volkswirtschaftlichen Seele, wenn er über „Savedroid“ spricht. Er sieht ein „sehr großes volkswirtschaftliches Problem in den nächsten Jahren“, durch die aktuelle Nullzinspolitik. „Es ist ja bei den meisten Leuten genug Kapital da, aber ohne Verzinsung wird es schwierig, das zu vermehren.“

„Savedroid“, der Spar-Droide, soll jenen helfen, denen es an Selbstdisziplin im Umgang mit Geld mangelt. Der User kann die Sparregeln selbst festlegen – zum Beispiel ob bei jedem Einkauf auf Eurobeträge aufgerundet wird oder er drei Euro zahlt, wenn er zu oft auf’s Handy geschaut hat. Er kann die Sparregeln aber auch dem Spar-Droiden überlassen. Das Geld fließt auf ein Konto bei der Partnerbank Wirecard AG. Zinsen erhält der Sparer aktuell aber keine. „Das lässt sich bei der aktuellen Zinslage nicht machen“, sagt Hankir.

Weil die App kostenlos ist und bleiben soll, macht die Firma keinen Umsatz. Das soll sich jetzt bald ändern. Denn: In einer Testphase gibt die App, die die Kontobewegungen des Nutzers verfolgt, auch Spartipps zum Beispiel zum Handy-Vertrag oder dem Stromanbieter. Über das Vergleichsportal Check24 werde dann der günstigste Tarif für den Kunden vorgeschlagen. Für den Abschluss bekommt „Savedroid“ eine Provision. „Es gibt immer die gleiche Provision, egal welcher Anbieter zum Zug kommt“, sagt Hankir.

Er stammt aus Bickenbach an der Bergstraße; der Vater ist Libanese, die Mutter Deutsche. Seit er für sein VWL-Studium nach Frankfurt zog, ist ihm die Stadt ans Herz gewachsen, nur zwei Jahre zog es ihn noch nach Singapur als Unternehmensberater. „Savedroid“ ist nicht sein erstes Start-Up. Ein Webportal für Sparpläne hat er bereits betrieben, doch das Gründerteam ging wegen Differenzen auseinander.

Um sein jetziges Gründerteam zu finden, hat Hankir dann alle seine Kontakte in Sozialen Netzwerken wie Xing oder Twitter angeschrieben und gebeten, die Jobausschreibung weiter zu streuen. Für ihn stand die Frage im Raum: „Wie kann man ein Finanzprodukt so gestalten, dass es im Optimalfall sogar Spaß macht?“ Jetzt sind sie zu dritt.

Mitgründer Tobias Zander (35) und zuständig für die IT, fasziniert das Programmieren. Es gehe ihm darum, „auf bestehenden Bausteinen aufbauen und dann etwas neues kreieren, dass das Leben für andere einfacher macht“, sagt er und strahlt. Für ihn ist „Savedroid“ der erste Kontakt mit der Finanzbranche. Schon mit sechs Jahren begann er, Computerspiele zu programmieren. Mit zwölf programmierte er Websites und startete dann mit 18 hauptberuflich durch. Vor seinem Einstieg als Gründer bei „Savedroid“ erstellte er Webshops. „Ich wollte endlich ein längerfristiges Projekt durchziehen und langfristig betreuen“, begründet er den Schritt, als Gründer bei „Savedroid“ einzusteigen.

Der dritte im Bunde, Marco Trautmann (34), hat auf der European Business School im Rheingau BWL studiert und hatte schon während des Studiums ein kleines Start-Up, bei dem er gemeinsam mit anderen Studenten eine Software für Investmentbanken weiterentwickelt hat. Zuletzt hat er bei McKinsey Banken in Afrika beraten, wie sie über eine App ein Sparprodukt für eine Kundengruppe erschließen, die sich sonst kein Bankkonto leisten kann. „Die Idee kam damals von der Bank selbst“, so Trautmann. „Und ich dachte mir, irgendwie scheint Afrika hier weiter zu sein, denn in Deutschland gab es nichts Vergleichbares“, fügt er hinzu.

Was ihn an seinem neuen Projekt fasziniert, ist die Schnelligkeit. „Man hat eine Idee und ein paar Wochen später hat man sie realisiert, was bei Banken oft Monate oder Jahre dauert.“

Engel halfen

Um sich zu finanzieren, haben die drei Gründer 1,6 Millionen an Risikokapital für die ersten zwei Jahre aufgenommen. 50 Prozent kamen von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz und die anderen 50 Prozent von erfahrenen Investoren, sogenannten Business Angels. Die nächste Finanzierungsrunde läuft bereits, Ziel ist ein zweistelliger Millionenbetrag. „Wir wollen international expandieren und die App auch in Frankreich auf den Markt bringen“, sagt Hankir. Viele Einwohner, viele junge Menschen. Auch die Sparquote sei in Frankreich etwas höher als in Deutschland. Und am Online-Banking, das Voraussetzung für die App ist, nehmen in Frankreich noch mehr Menschen teil.

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