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Bepreisung in Deutschland wirkt: Der Verbrauch von Plastiktüten geht zurück

Manchmal können 15 oder 20 Cent eine große Wirkung haben. Zum Beispiel bei Plastiktüten: Die verwenden die Deutschen viel weniger, seit sie kaum mehr gratis zu haben sind.
Passanten mit Plastiktüten auf der Einkaufsmeile Zeil Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Passanten mit Plastiktüten auf der Einkaufsmeile Zeil
Berlin. 

Kunden in deutschen Geschäften tragen ihre Einkäufe immer seltener in Plastiktüten nach Hause. 2017 verbrauchten die Deutschen rund 29 Tüten pro Kopf, im Jahr zuvor waren es noch 45 pro Einwohner. Laut den Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung wurden 2017 in Deutschland 2,4 Milliarden Tüten in Umlauf gebracht, 1,3 Milliarden weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von mehr als einem Drittel. Dabei geht es um Tragetaschen, nicht die dünnen, transparenten Tüten etwa für Obst und Gemüse.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze ist zufrieden: „Einweg-Plastiktüten haben sich als überflüssig erwiesen. Sie sind ein Auslaufmodell, auch weil es gute Alternativen gibt“, sagte die SPD-Politikerin. Damit habe man eine Blaupause für andere unnötige Verpackungen und kurzlebige Kunststoffprodukte. „Am Ende sollten nur noch Kunststoffe verwendet werden, die sich einfach recyceln lassen.“

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist der Verbrauch um 35 Prozent zurückgegangen, im Vergleich zu 2015 sogar um 56 Prozent. Zur Jahrtausendwende wurden in Deutschland noch sieben Milliarden Tüten pro Jahr verbraucht, fast dreimal so viele wie heute.

Seit 2016 gibt es eine Selbstverpflichtung vieler Unternehmen, Plastiktüten nicht mehr umsonst abzugeben. Inzwischen sind rund 360 Unternehmen formell dabei, noch mehr machen informell mit und verlangen zum Beispiel 15 oder 20 Cent pro Tüte. „Viele große Handelsketten haben die Plastiktüte mittlerweile völlig abgeschafft. Das schlägt sich positiv in der Statistik nieder“, sagte der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser.

Die dünnen „Hemdchentüten“, die es oft am Obst- und Gemüsestand gibt, sind von der Selbstverpflichtung nicht betroffen. Das Umweltministerium verweist darauf, dass für sie bereits Alternativen entwickelt würden, etwa Stoffnetze oder die Kennzeichnung der Produkte durch Laserverfahren.

Die EU macht Vorgaben zum Plastiktüten-Verbrauch, die Deutschland locker einhält. In der Brüsseler Richtlinie geht es um sogenannte leichte Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke bis zu 50 Mikrometern. Davon dürfen bis Ende 2025 höchstens 40 Stück pro Einwohner und Jahr verbraucht werden. In dieser Tüten-Kategorie liegt Deutschland schon jetzt bei 25 Tüten pro Kopf und Jahr.

Die gewaltigen Plastikmüll-Mengen und vor allem die Verschmutzung der Meere hat die Politik als schwerwiegendes Problem erkannt. Derzeit wird unter anderem in Brüssel über eine Plastiksteuer diskutiert. Schulze will keine pauschale Plastiksteuer, kann sich aber eine Extra-Abgabe etwa auf nicht recycelbare Verpackungen vorstellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist von einer Plastiksteuer „noch nicht überzeugt“, wie sie diese Woche im Bundestag sagte.

Die Grünen-Spitze dagegen nutzte die Gelegenheit, um für die Abgabe auf Plastikprodukte zu werben: „Politik wirkt, wenn sie will“, sagte Parteichef Robert Habeck. „Wir müssen jetzt dranbleiben und eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte einführen.“ Nur mit zielgerichteten Maßnahmen bekomme man das Jahrhundertproblem Plastik in den Griff.

(dpa)

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