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Industrie 4.0: Der unaufhaltsame Aufstieg der Roboter

Der Einsatz von Robotern in der Industrie wächst beständig. Laut einer neuen Studie sind bereits drei Millionen weltweit aktiv, besonders viele davon in Deutschland. Den Unternehmen bescheren sie steigende Gewinne. Doch längst nicht alle profitieren vom Aufstieg der Roboter.
Auch das können Roboter: Der „Super Monster Wolf“ ist programmiert, Tiere abzuschrecken, die er mittels eines Infrarotsensors erkennt. Rote LED-Augen und 48 verschiedene Töne helfen dabei. Foto: TORU YAMANAKA (AFP) Auch das können Roboter: Der „Super Monster Wolf“ ist programmiert, Tiere abzuschrecken, die er mittels eines Infrarotsensors erkennt. Rote LED-Augen und 48 verschiedene Töne helfen dabei.
Frankfurt. 

Stellen Sie sich eine Fabrik vor. Einen Großteil der Produktionstätigkeit in dieser Fabrik übernehmen Roboter. Das Zusammenspiel funktioniert wie bei uns Menschen: Wer Probleme bei der Fertigung hat, kann von seinen Kollegen lernen, denn die Roboter kommunizieren miteinander. Ist einer zu langsam, werden seine Daten mit denen der schnelleren abgeglichen und sein Arbeitsablauf optimiert. Für Steven Wyatt sieht so die Zukunft der Industrie aus.

Wyatt sitzt im Vorstand der International Federation of Robotics (IFR), die den World Robotics Report für das Jahr 2017 vorstellte. Er geht davon aus, dass immer mehr Unternehmen digital vernetzte Fabriken betreiben werden, weil die Betriebssysteme weniger komplex und die Daten kompatibler werden. Fachleute nennen diese Art der Produktion Industrie 4.0. „Bisher spielen diese Möglichkeiten in den Verkaufszahlen von Robotern kaum eine Rolle“, erläutert Wyatt, „aber wir sehen, dass diese Entwicklung gerade beginnt.“

Die Robotik boomt

Schon jetzt sind die Wachstumszahlen in der Robotik-Branche beachtlich. Nach Erhebung der IFR wurden 2016 weltweit 294 000 Industrieroboter verkauft, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2012 hat sich die Zahl der verkauften Roboter somit fast verdoppelt. Den größten Anteil am Wachstum hat der asiatische Markt. Alleine China hatte im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 30 Prozent. Die Verkaufszahlen deutscher Unternehmen stagnierten jedoch in den vergangen Jahren bei etwa 20 000 Einheiten. Was den Einsatz von Robotern in der Industrie angeht, gehört Deutschland jedoch zur Weltspitze. Auf 10 000 Industriearbeiter kommen 309 Roboter, nur in Südkorea ist die Dichte höher. Am stärksten betroffen ist die Automobilindustrie, gefolgt vom Elektroniksektor.

Geht es nach Wyatt, wird sich der Aufstieg der Roboter fortsetzen. „Das beste kommt erst noch“, glaubt er. Die zunehmende Automatisierung der Produktion löst in der Gesellschaft allerdings seit jeher die Angst aus, dass zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Von den Folgen der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt war auch auf den letzten Metern des Bundestagwahlkampfs die Rede. Eine Studie in den USA schlug bereits Alarm, dass jeder Roboter Jobs koste und Löhne drücke. IRF-Präsident Joe Gemma will von einer Gefährdung von Jobs jedoch nichts wissen. „In Wirklichkeit schaffen Roboter hochqualifizierte und hochbezahlte Jobs“, sagt er.

Arbeit wandelt sich

Zumindest für Deutschland treffe diese Aussage zu, meint Jens Südekum, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Gemeinsam mit drei weiteren Kollegen veröffentlichte er diesen Monat eine Studie, in der sie den Einfluss von Industrierobotern auf Arbeiter untersuchten. Das Ergebnis: Jeder Roboter vernichte zwei Jobs in der Industrie, dieser Verlust werde jedoch durch neue Stellen im Dienstleistungssektor wieder ausgeglichen. Es habe also keinen Rückgang der Beschäftigung gegeben, sondern die Struktur Beschäftigung habe sich gewandelt.

„Dieser Wandel kam so zustande, dass junge Berufsanfänger wegen der Roboter ihre Karriere tendenziell häufiger direkt im Dienstleistungsgewerbe gestartet haben. Die Roboter versperrten also in gewisser Weise den Zugang in die Industrie“, erklärt Südekum. Wer allerdings schon dort arbeitet, habe in Bereichen, wo Roboter eingesetzt werden, sogar besonders hohe Chancen, seinen Job zu behalten.

Der Haken: „Gerade Arbeitskräfte in der Produktion mit abgeschlossener Berufsausbildung mussten Lohneinbußen hinnehmen“, sagt Südekum. Die Autoren der Studie bemängeln, dass Kapitaleigner von der Automatisierung profitierten, nicht jedoch Industriearbeiter allgemein. Südekum wünscht sich, dass alle etwas von den Zuwächsen haben. „Eine Möglichkeit wäre es, Arbeiter stärker an Unternehmensgewinnen zu beteiligen.“ Den Fachkräften wäre dann sicher etwas weniger bange vor dem Aufstieg der Roboter.

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