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Politik heizt Gerüchte noch an: Deutsche Bank bleibt Spielball von Spekulanten

Von Braucht die Deutsche Bank frisches Kapital? Die drohende Milliardenstrafe in den USA heizt die Spekulationen an – vergeblich bemüht sich das Institut um eine Beruhigung der Lage.
Die Zentrale der Deutschen Bank spiegelt sich in einer Glasfassade. Foto: Boris Roessler Die Zentrale der Deutschen Bank spiegelt sich in einer Glasfassade. Foto: Boris Roessler
Frankfurt. 

Bei der Deutschen Bank halten die Spekulationen um eine Kapitalerhöhung an. Befeuert werden die Gerüchte zum Teil aus den USA, doch angeblich stehen auch deutsche Großkonzerne oder der umstrittene Großaktionär Katar für eine Nothilfe bereit. Vorstände einiger der 30 Konzerne im Leitindex Dax hätten kürzlich Gespräche geführt, ob eine symbolische Kapitalbeteiligung der Bank helfen könnte, hieß es. Laut „Handelsblatt“ ist ein niedriger einstelliger Milliardenbetrag in der Diskussion, ein Konsortium könnte sich nach dem Vorbild der früheren „Deutschland AG“ zu Marktkonditionen an einer Kapitalerhöhung beteiligen.

Dabei ist klar, dass die Aufnahme frischen Geldes zum jetzigen Zeitpunkt lediglich einer Einladung an die US-Behörden gleichkäme, auf einer hohen Strafzahlung zu beharren. Seit vor drei Wochen die 14-Milliarden-Dollar-Forderung des Finanzministeriums (als Buße für umstrittene Hypothekendeals in den Jahren vor der Finanzkrise) gezielt an die Medien durchgestochen wurde, ist die Bank zum Spielball von Hedgefonds geworden; zeitweise notierte die Aktie der größten deutschen Bank unter 10,00 Euro. Denn sollte die US-Strafe auch nur annähernd so hoch ausfallen, reichen die rund 5,5 Milliarden Euro bisher gebildeter Rückstellungen auf keinen Fall aus; wegen Geldwäsche-Verstößen in Russland steht noch eine weitere hohe Strafe an.

Schon bisher ist die Deutsche Bank im Vergleich zu Wettbewerbern relativ schwach kapitalisiert. Nach unerwarteten Verlusten müsste neues Eigenkapital in Milliardenhöhe dringend her, ist Konsens am Markt – auch wenn sich Vorstandschef John Cryan nach Kräften bemüht, solche Sorgen zu zerstreuen. Die Frage nach einer Kapitalerhöhung – die beim aktuell niedrigen Aktienkurs die Anteile der Alteigentümer stark verwässern würde – stelle sich „derzeit“ nicht, auch habe er die Bundesregierung nicht um Hilfe gebeten, sagte er der „Bild“-Zeitung. Die Bank habe weniger Risiken in den Büchern als früher und sei „komfortabel mit Liquidität ausgestattet“. Die Mitarbeiter versuchte er mit einem Brief zu beruhigen, in dem er eine „verzerrte Außenwahrnehmung“ beklagte: „Die Deutsche Bank verfügt über ein starkes Fundament.“

Doch werden die Gewinne angesichts von Nullzins-Umfeld, strengerer Regulierung und Herausforderungen durch die Digitalisierung auf keinen Fall ausreichen, um die Kapitaldecke aus eigener Kraft um viele Milliarden aufzupolstern. Daher wurde sogar schon eine Rettung durch den Steuerzahler ins Gespräch gebracht; angeblich arbeite das Bundesfinanzministerium bereits an Notfallplänen, berichteten die von Nachrichtenagenturen gern zitierten, anonymen „Insider“.

Und die Politik feuert die Spekulationen, ob mit Absicht oder unbeabsichtigt, noch an. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel verriss kürzlich von Teheran aus Cryans Erklärungsversuch für den Kurssturz der Aktie: „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt.“ Gestern ruderte der SPD-Politiker ein wenig zurück: „Ich halte nichts von Spekulationen über Dinge, die nicht anstehen. Aber dass wir ein Interesse daran haben, dass die Deutsche Bank wieder ein stabiles Kreditinstitut wird, das national und international erfolgreich ist, das ist doch völlig klar.“

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gab ebenfalls alle Zurückhaltung auf. Die Deutsche Bank müsse langfristig ihre Ertragsstärke sichern, mahnte IWF-Chefin Christine Lagarde: „Ich glaube, dass die Deutsche Bank wie viele Banken auch, auf ihr Geschäftsmodell schauen muss.“ IWF-Experte Peter Dattels hatte zuvor gemeint, die Deutsche Bank gehöre zu den Instituten, die weiter Anpassungen vornehmen müssten, um Investoren zu überzeugen. Das brachte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf die Palme: Für Aufsicht, Regulierung und Restrukturierung europäischer Banken gebe es viele zuständige Institutionen, sagte Schäuble in Washington. Es sei nicht Sache der Weltbank oder anderer internationaler Institutionen, Banken zu beaufsichtigen.

Großaktionär Katar steht bereit

Der Kurs der Aktie hat sich zuletzt ein wenig erholt, das Papier notierte gestern zeitweise über 12,30 Euro. Umso wichtiger wäre eine rasche Einigung mit den US-Behörden – doch die können in Ruhe pokern und abwarten, ob entweder die EU bei den Steuernachforderungen an den US-Konzern Apple nachgibt oder die Bank dem Drängen der Börsianer folgen muss.

Die überschlagen sich derweil mit Mutmaßungen: Die lukrative Vermögensverwaltung könnte an die Börse gebracht werden, ist solch ein – längst dementiertes – Gerücht, das die „Financial Times“ gestern verbreitete. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, große Wall-Street-Banken hätten angeboten, bei einer Kapitalerhöhung zu helfen. Der mit knapp zehn Prozent der Anteile größte Aktionär, Katars Herrscherfamilie Al-Thani, halte sich die Möglichkeit offen, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen, sagten angeblich mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Solche Spekulationen dürften über das Wochenende anhalten.

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