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Börsengang: Deutsche Bank macht ihre Vermögensverwaltung hübsch für die Börse

Die Deutsche Bank macht ihre Vermögensverwaltung hübsch für den geplanten Börsengang. Aber ein Detail sorgt für Kritik.
Die Deutsche Bank sichert sich mit einer neuen Rechtsform langfristig Einfluss auf die Sparte – von Investorenseite kam deshalb Kritik. Foto: Andreas Arnold (dpa) Die Deutsche Bank sichert sich mit einer neuen Rechtsform langfristig Einfluss auf die Sparte – von Investorenseite kam deshalb Kritik.
Frankfurt. 

Das größte deutsche Geldhaus benennt seinen als Deutsche Asset Management firmierenden Unternehmensteil um und gibt ihm eine neue Rechtsform, um sich langfristig Einfluss zu sichern. Die milliardenschwere Aktienplatzierung ist ein zentraler Baustein in der Strategie von Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

Wie das Institut mitteilte, soll die Vermögensverwaltung noch vor dem Börsengang in DWS umgetauft werden. Bislang traten nur die Publikumsfonds für Privatkunden unter diesem Namen an – einer Abkürzung der 1956 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen, die später in der Deutschen Bank aufging. „Unsere globale Marke DWS baut auf unseren über 60 Jahre zurückreichenden Wurzeln im deutschen Markt auf, und einem Namen, der in unserer Branche weltweit Anklang findet“, sagte Nicolas Moreau, der die Vermögensverwaltung auch nach dem im ersten Halbjahr 2018 erwarteten Börsengang leiten wird.

Analysten bewerten die gesamte Vermögensverwaltung mit rund acht Milliarden Euro – die Deutsche Bank dürfte rund ein Viertel der Anteile an die Börse bringen. Vor dem Börsendebüt wird noch die Rechtsform der Sparte geändert: Sie ist künftig eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA) mit dem Kommanditisten Deutsche Bank und einer Gesellschaft unter Leitung von Moreau als Komplementär.

Einfluss gesichert

Mit dieser Umwandlung sichert die Deutsche Bank ihren Einfluss auf die Strategie und wichtige Personalentscheidungen. Das gilt auch für den Fall, dass ihr Anteil unter 75 Prozent sinkt. Fällt der Anteil der Bank unter eine noch nicht näher spezifizierte Schwelle – 50 Prozent erscheinen realistisch –, wird die KGaA automatisch in eine normale Aktiengesellschaft umgewandelt. Eine KGaA wird gerne von Unternehmen im Eigentum von Familiendynastien benutzt, um ihnen Durchgriff zu sichern. Ingo Speich von Union Investment sieht die gewählte Rechtsform kritisch: „Die KGaA-Struktur erhöht die Komplexität und könnte zu einem Abschlag bei der Bewertung führen.“ Ein anderer großer Anteilseigner bezifferte diesen Abschlag auf bis zu zehn Prozent.

Schwerpunkt des Geschäfts der Deutschen Asset Management sind Deutschland und Europa, gut ein Drittel des verwalteten Geldes stammt aus Amerika und Asien. 900 der weltweit 3800 Mitarbeiter kümmern sich direkt um die rund 600 geschlossenen und offenen Fonds. Die Deutsche Asset Management ist mit der Marke DWS Marktführer bei deutschen Privatkunden und Nummer vier in Europa. Mehr als die Hälfte des Geschäfts macht sie aber mit Profi-Investoren. 2016 lieferte die Sparte einen Vorsteuergewinn von 700 Millionen ab, während der Konzern einen Milliardenverlust verbuchte.

Mehr Vermögen angepeilt

Moreau, der vor gut einem Jahr zur Deutschen Bank kam, peilt eine Ausweitung des verwalteten Vermögens um drei bis fünf Prozent pro Jahr an. Als die Deutsche Bank im Herbst 2016 wegen der Androhung einer hohen Strafe in den USA ins Schlingern geriet, entzogen viele Kunden dem Institut ihr Vertrauen und ihr Geld – im vergangenen Jahr sank das verwaltete Vermögen um 5,5 Prozent. Potenzielle Aktionäre will der 52-jährige Franzose mit einer satten Dividende locken und jährlich 65 bis 75 Prozent des Nettoergebnisses ausschütten. Künftige Anteilseigner sollen vom Wachstum in ausgewählten Ländern profitieren – vor allem in Asien und Europa. In China will Moreau Geld einsammeln, aber nicht vor Ort investieren. In den USA wird er nicht mehr als Vollsortimenter gegen die starke heimische Konkurrenz antreten.

Die neuen Aktien sieht Moreau auch als Währung für mögliche Zukäufe. Dabei zielt er aber nicht auf große Übernahmen, sondern auf kleine, ausgewählte Ergänzungen – etwa bei Immobilienfonds und alternativen Anlageformen. „Ich werde nicht mit meinem Scheckbuch um die Welt reisen.“

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