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Erträge und Aktienkurs sacken ab: Deutsche Bank spart sich aus der Krise

Mit einem radikalen Sparprogramm steigert die Deutsche Bank ihren Gewinn. Doch das Tagesgeschäft läuft nicht wie erhofft, das Handelsgeschäft muss Federn lassen.
Vorstandschef John Cryan sieht die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg. Foto: FABRICE COFFRINI (AFP) Vorstandschef John Cryan sieht die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg.
Frankfurt. 

John Cryan versucht den Befreiungsschlag: Nach heftiger Kritik einiger Großaktionäre an seiner Person präsentierte der Deutsche-Bank-Chef für das Sommerquartal einen überraschend hohen Gewinn. Zwar brachen die Erträge der Investmentbank und im Wertpapierhandel abermals ein, dafür sorgten aber geringere Kosten für Rechtsstreitigkeiten und der laufende Personal- und Filialabbau für mehr Geld in der Kasse. Deshalb schlug Cryan optimistischere Töne an: „Wir sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit in den kommenden Jahren Schritt für Schritt sichtbarer werden.“

An der Börse wurde Cryans Botschaft allerdings ignoriert: Die Deutsche-Bank-Aktie verlor zeitweise fast drei Prozent und war damit einer der größten Dax-Verlierer. „Der Gewinnschub ist eine reine Kostengeschichte, operativ läuft es gar nicht gut“, sagte ein Händler in Frankfurt. „Die Marke Deutsche Bank scheint nicht mehr zu ziehen.“ Cryan hielt dagegen: „Wir waren selten zuvor in einem Quartal so erfolgreich darin, uns künftiges Geschäft zu sichern“, so der Brite.

Höherer Quartalsgewinn

Das Vorsteuerergebnis stieg im dritten Quartal trotz eines zehnprozentigen Ertragsrückgangs auf 933 Millionen Euro – ein Plus von 51 Prozent. Unter dem Strich standen 649 Millionen Euro zu Buche – mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Ein Grund war, dass die Bank weniger Geld für Skandale der Vergangenheit zurückstellen musste. Die größten Rechtsstreitigkeiten sind mittlerweile zu den Akten gelegt. Erst am Mittwoch war ein weiterer Vergleich in der Affäre um manipulierte Referenzzinssätze bekanntgeworden, für den das Institut 220 Millionen Dollar zahlt.

Im Investmentbanking sanken die Erträge um 23 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Im Handel mit Anleihen und Währungen brachen die Erträge wegen der Zurückhaltung vieler Anleger gar um 36 Prozent ein. US-Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley hatten hier zwar ebenfalls Federn lassen müssen, allerdings weniger als die Deutsche Bank, die noch vor wenigen Jahren das Geschäft dominiert hatte. Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment, einem der 20 größten Aktionäre: „Die anderen Bereiche der Bank sehen stabiler aus.“

Sal. Oppenheim fällt weg

Insgesamt gelang es Cryan, die Kosten im Quartal um 14 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro zu drücken. Dazu trugen nicht zuletzt der weitere Abbau von Personal und die Schließung von Filialen sowie der Rückzug aus einigen Märkten bei. Insgesamt hat die Deutsche Bank heute 4000 Mitarbeiter weniger als vor einem Jahr. Die verbleibende Mannschaft kann darauf hoffen, nach der erzwungenen Pause im vergangenen Geschäftsjahr nun wieder einen Bonus zu bekommen. Die Bank habe für die variable Vergütung mehr Geld zurückgelegt, schrieb Cryan den Mitarbeitern. Ob es für 2017 wieder eine Dividende geben wird, hatte die Bank zuletzt noch offengelassen.

In der Privat- und Firmenkundenbank steht nun die Integration der Postbank an. Ein Eckpunktepapier mit den Gewerkschaften und die lange erwartete Tarifeinigung bei der Postbank (4,9 Prozent mehr in drei Schritten) machen den Weg dafür frei. Für die Beschäftigten im gesamten „gelben“ und „blauen“ Privatkundengeschäft gibt es Kündigungsschutz bis Mitte 2021 – allerdings ist der geplante Stellenabbau damit nicht vom Tisch, er soll lediglich möglichst sozialverträglich laufen und auf freiwilligen Abfindungs-Lösungen basieren. Die Gespräche beginnen in Kürze.

Die Deutsche Bank hatte Anfang dieses Jahres ihre Verkaufspläne für die Postbank überraschend gekippt und mit einer Kapitalerhöhung die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die frühere Staatsbank voll in den Konzern integriert werden kann. Es entsteht ein neuer Marktführer mit anfangs über 1500 Filialen und mehr als 20 Millionen Kunden im Heimatmarkt. Viel mehr als die Marke und einige Filialen werden letztlich wohl nicht von der Postbank übrig bleiben.

Der geplante Börsengang der Vermögensverwaltungssparte hingegen nimmt konkrete Formen an. Er bedeutet auch das Ende der Marke Sal. Oppenheim. Die 2009 übernommene, ehemals höchst renommierte Privatbank wird zerschlagen. Ihre Vermögensverwaltung wird nächstes Jahr der Deutschen Asset Management zugeschlagen, zu der auch die Fondsgesellschaft DWS gehört. Diese wird damit für den Börsengang, der zwei Milliarden Euro in die Kasse spülen soll, aufgehübscht. Das Listing wird im Frühjahr 2018 erwartet.

(rtr,tba)
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