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Finanzen: Deutsche Bank und Commerzbank sollten Geschäftsbereiche tauschen

Was wird aus den deutschen Großbanken? Zwei nationale Champions sind besser als gar keiner. Aber dafür muss etwas geschehen.
Laut unserem Gastautor sollte Deutsche-Bank-Chef John Cryan das Investmentbanking der Commerzbank kaufen, ... Bilder > Foto: Boris Roessler (dpa) Laut unserem Gastautor sollte Deutsche-Bank-Chef John Cryan das Investmentbanking der Commerzbank kaufen, ...
Frankfurt. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die deutschen und internationalen Banken angesichts der fortschreitenden Digitalisierung, des anhaltenden Niedrigzinsumfelds und der hohen regulatorischen Anforderungen seit geraumer Zeit in schwierigem Fahrwasser befinden. Mit den FinTechs steigender Wettbewerbsdruck bei gleichzeitig hohem Investitionsbedarf in veraltete IT-Systeme machen den deutschen Großbanken zu schaffen und drücken Ergebnisse und Kapitalrenditen. Gleichzeitig sind starke Banken, die in der Lage sind, auch im globalen Wettbewerb mitzuhalten, von großer Bedeutung für eine prosperierende Wirtschaft. Manch ein Bankmanager bringt immer mal wieder paneuropäische Fusionen ins Gespräch, um in eine Größenordnung hineinzuwachsen, mit der man den amerikanischen, europäischen und immer wichtiger werdenden chinesischen Wettbewerbern Paroli bieten kann.

Wie sieht es vor diesem Hintergrund mit der Perspektive der hiesigen Großbanken aus? Außer der DZ Bank – nach erfolgreicher Fusion mit der WGZ Bank im vergangenen Jahr inzwischen die zweitgrößte Bank in Deutschland – sind mit Deutscher Bank und Commerzbank in Deutschland gerade noch zwei private Großbanken übrig. Die traditionsreiche Dresdner Bank wurde nach Jahren des Missmanagements 2009 von der Commerzbank geschluckt. In München ist die HypoVereinsbank ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was den beiden Großbanken bei einer Übernahme durch ein ausländisches Institut drohen kann. Die aus der Fusion der traditionsreichen Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank und der Bayerischen Vereinsbank im Jahr 1998 hervorgegangene HypoVereinsbank wurde schließlich im Jahr 2005 von der italienischen Großbank Unicredit übernommen. Seither hat die HVB kaum eigenen Gestaltungsspielraum und muss über Dividendenausschüttungen die Verluste der kriselnden Unicredit mildern. So werden die Spielräume für eigene dringende Zukunftsinvestitionen immer enger.

Die Deutsche Bank, die mit dem Abbau zahlreicher Altlasten beschäftigt ist, steckt mitten in einem Konzernumbau. Die Commerzbank hat sich ebenfalls eine Schlankheitskur verordnet und nach einer Konsolidierung nur noch zwei Unternehmensbereiche, nämlich das Segment Privat- und Unternehmerkunden und den Bereich Firmenkunden, in dem das Kapitalmarkt- und Großkundengeschäft gebündelt ist.

Beide Banken stehen im internationalen Vergleich schwach da. Die Commerzbank, immer noch zu rund 15 Prozent im Bundesbesitz, konnte zwar in den letzten zwölf Monaten deutlich zulegen, kommt aber gemessen am Börsenwert immer noch auf nur knapp zehn Prozent des Wertes vor der Finanzkrise. Nicht viel besser sieht es bei der Deutschen Bank aus, die zwar Fortschritte beim Abbau der Altlasten macht, aber im operativen Geschäft die Erwartungen seit geraumer Zeit nicht erfüllt.

Übernahme-Gerüchte

Um die Commerzbank ranken sich immer mal wieder Übernahme-Gerüchte. Einigen europäischen Wettbewerbern wird ein Interesse an der Bundesbeteiligung nachgesagt. Noch ist der Aktienkurs zu niedrig für einen verlustfreien Verkauf dieses Paketes, selbst wenn man eine kräftige Übernahmeprämie einkalkulieren würde. Die sprudelnden Steuereinnahmen im Bundeshaushalt, gepaart mit Einsparungen durch niedrige Zinsen, gewähren der Commerzbank einen Aufschub.

Kein Wunder, dass sich der aggressive Finanzinvestor Cerberus kürzlich mit gut drei Prozent an der Deutschen Bank und im Juli mit fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt hat. Investoren wie Cerberus sind als aktiv oder gar aktivistisch einzustufen. Dass Cerberus auch schwierigste Aufgaben nicht abschrecken, verdeutlicht die Übernahme von Chrysler im Jahr 2007. Von solchen Investoren ist nicht zu erwarten, dass sie schlicht abwarten und auf Kurssteigerungen hoffen, um bei passender Gelegenheit wieder geräuschlos auszusteigen. Was beutetet das für die Politik, die zurzeit aufgrund der bekannten politischen Situation anderweitig beschäftigt ist?

In jedem Fall sind beide deutsche Großbanken latent übernahmegefährdet. Keine Frage, dass hier in erster Linie das Management gefordert ist, Wege aus der Krise zu finden und für eine nachhaltig positive Unternehmensentwicklung zu sorgen. Allerdings ist, aufgrund der besonderen Bedeutung des Bankensektors für eine Volkswirtschaft und nicht zuletzt der Beteiligung des Bundes an der Commerzbank, auch die Politik gefordert, einem drohenden Ausverkauf deutscher Banken entgegenzuwirken. Eine vielfach schon ins Spiel gebrachte Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist hier keine sinnvolle Lösung. Zum einen könnte man bei den bestehenden Größenunterschieden nicht vor einer Fusion sprechen, sondern von einer Übernahme. Denn derzeit liegt der Börsenwert der Commerzbank bei 15 Milliarden Euro, der der Deutschen Bank immerhin bei 33 Milliarden. Zum anderen spricht einiges gegen einen solchen Zusammenschluss. Zu groß wären aufgrund der vielfältigen Überlappungen die Restrukturierungskosten, zu unterschiedlich die Kulturen. Außerdem zeigt die nicht wirklich erfolgreiche Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, welche Herkulesaufgabe die Integration zweier Großbanken ist. Auch die Fokussierung auf eine Marke ist nicht immer eine gute Idee. Denn die markenbasierte Kundenbindung gerade im Privatkundengeschäft ist nicht zu unterschätzen.

Problem Postbank

Nein, man sollte einmal über eine andere Idee ernsthaft nachdenken, nämlich in Deutschland zwei nationale Champions mit komplementären Geschäften zu schaffen: eine auf das Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft konzentrierte Deutsche Bank und eine auf das Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft fokussierte Privatkundenbank, die Commerzbank. Eine solche Aufspaltung könnte dergestalt erfolgen, dass die Deutsche Bank ihr Privat- und Geschäftskundensegment an die Commerzbank abgibt und umgekehrt die Commerzbank ihr Großkundengeschäft einschließlich des Investmentbanking an die Deutsche Bank verkauft. Damit würden sich beide Häuser auf ihre erkennbaren Stärken konzentrieren. Denn die Commerzbank hat schon seit Jahren Probleme mit dem Kapitalmarktgeschäft, während die Deutsche Bank nicht wirklich erfolgreich im klassischen Privatkundengeschäft ist. Außer dem Geschäft mit vermögenden Privatkunden ist die Erfolgsgeschichte der Deutschen Bank in diesem Geschäft überschaubar. Dies belegt nicht nur das immer noch ungelöste Problem Postbank. Ein weiterer Vorteil bestünde darin, dass sich die beiden deutschen Häuser nicht bei jedem Groß- oder Mittelstandskunden im scharfen Wettbewerb die Margen kaputtmachen.

Zwar ist die Deutsche Bank gemessen am Börsenwert immer noch mehr als doppelt so groß wie die Commerzbank. Vergleicht man jedoch die jeweiligen Unternehmensbereiche Firmenkunden der Commerzbank bzw. „Private, Wealth and Commercial Clients“ der Deutschen Bank, so scheinen die Größenunterschiede überbrückbar. Natürlich ist dies eine holzschnittartige Betrachtung, die viele Fragen offen lässt: Würde das Geschäft mit vermögenden Privatkunden vielleicht doch besser bei der Deutschen Bank verbleiben, und ist das Kapitalmarktgeschäft der Commerzbank hinreichend attraktiv für die Deutsche Bank, was wird aus der Postbank und wie können Bewertungsunterschiede ausgeglichen werden? Nichtsdestoweniger sollte man eine solche Lösung durchaus einmal prüfen. Denn Deutschland würden zwei nationale Champions bei den Großbanken mit einer jeweils klaren strategischen Fokussierung auf ihre Stärken besser zu Gesicht stehen als keiner. Wenn nichts geschieht, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Commerzbank in ausländische Hände übergeht.

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