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Finanzbranche: Deutsche Bank und Postbank streichen 6000 Jobs

Das Zusammengehen beider Häuser und das gemeinsame Privat- und Firmenkundengeschäft kostet tausende Jobs. Vor allem die Zentralen dürften betroffen sein. Der Vorstand von Deutschlands Branchenprimus spart auch an anderer Stelle.
Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan Foto: Boris Roessler (dpa) Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan
Frankfurt/Berlin. 

Bei der Fusion der Deutschen Bank mit der Postbank fallen mehrere tausend Stellen weg. In den kommenden vier Jahren sollten jeweils 1500 Mitarbeiter über freiwillige Abfindungsprogramme und natürliche Fluktuation das Unternehmen verlassen, berichtete die „Welt am Sonntag“. Im Privat- und Firmenkundengeschäft beider Häuser mit derzeit rund 30 000 Beschäftigten würde damit jede fünfte Stelle wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Mitte 2021 ausgeschlossen.

Das Institut wollte dies auf Nachfrage nicht bestätigen, dementierte es aber auch nicht. Eine Sprecherin betonte auf Anfrage, es würden grundsätzlich keine Zahlen genannt oder kommentiert, bevor nicht ein mit den Sozialpartnern besprochenes und beschlossenes Konzept vorliege.

Vize-Vorstandschef Christian Sewing sagte der Zeitung: „Konkrete Maßnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben.“ Es sei aber klar, dass Doppelfunktionen abgebaut würden.

Die Bank hatte für ihr Privatkundengeschäft im Mutterkonzern und in der Postbank Ende Dezember ein Freiwilligen-Programm aufgelegt, mit dem bis zu 1000 Stellen eingespart werden sollten. Zuletzt haben sich Berichten zufolge mehr als jene 1000 Mitarbeiter gemeldet.

Synergien heben

Vor allem in den beiden Zentralen in Bonn und Frankfurt dürften Jobs wegfallen. Die Deutsche Bank hatte mit den Gewerkschaften im Oktober vereinbart, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2021 ausgeschlossen sind. Daher sind freiwillige Schritte wichtig.

Die Zusammenlegung des Geschäfts ist Teil eines größeren Umbaus der Deutschen Bank, mit dem Deutschlands größtes Geldhaus den Anschluss an die internationale Konkurrenz wiederfinden will. Ab 2022 soll der Zusammenschluss rund 900 Millionen Euro pro Jahr an Synergien bringen. Im Gegenzug fallen für Umbau und IT-Investitionen insgesamt 1,9 Milliarden Euro Kosten an. Mitarbeiter und Kunden müssen sich darauf einstellen, dass mittel- bis langfristig Filialen abgebaut werden.

Zwei Milliarden Euro Boni

Unterdessen wurde gestern bekannt, dass die Deutsche Bank trotz erneut roter Zahlen die Boni für ihre Mitarbeiter für das Jahr 2017 deutlich aufstockt. „Wir werden etwas unter der Größenordnung von 2015 liegen: Der Betrag für die variable Vergütung wird für die gesamte Bank etwas oberhalb von zwei Milliarden Euro liegen“, sagte Personalvorstand Karl von Rohr in Frankfurt. Für 2015 waren 2,4 Milliarden Euro variable Vergütung geflossen. „Wir hatten unseren Mitarbeitern versichert, dass wir zum regulären Vergütungssystem zurückkehren wollen. Es wäre nicht angemessen, den Mitarbeitern jetzt zu sagen, das wird nun nichts, weil kurz vor Weihnachten in den Vereinigten Staaten eine Steuerreform verkündet wurde“, sagte von Rohr. „Es handelt sich ja um einen negativen buchhalterischen Einmaleffekt, in dessen Folge wir nun höhere Gewinne erzielen.“

Deutschlands Branchenprimus hatte 2017 unter dem Strich erneut rote Zahlen erwirtschaftet. Knapp eine halbe Milliarde Euro Verlust (minus 497 Mio Euro) stand Ende 2017 in den Büchern. 2015 hatte die Bank ein Rekordminus von rund 6,8 Milliarden Euro verbucht, 2016 lag das Minus bei 1,4 Milliarden Euro.

2017 hatte die Deutsche Bank die Boni drastisch gekürzt. Der Bonuspool für 2016 nahm im Vergleich zum Vorjahr um fast 80 Prozent auf rund 500 Millionen Euro ab. Schon seit Jahren schrumpft der Topf für die variable Vergütung: Für 2013 waren es 3,2 Milliarden Euro, ein Jahr später 2,7 Milliarden, für 2015 flossen 2,4 Milliarden Euro.

Der Dax-Konzern veröffentlicht am 16. März seinen Geschäftsbericht für 2017, aus dem unter anderem auch Angaben zur Vorstandsvergütung hervorgehen.

Obwohl die Bank 2017 viele Erfolge erzielt habe, fühle sich der Vorstand dafür verantwortlich, nicht alle Ziele erreicht zu haben. Deshalb verzichte die Führung abermals auf die Bonuszahlungen, sagte Cryan laut „Zeit online“. Cryan will die Deutsche Bank nach drei Verlustjahren in Folge 2018 in die Gewinnzone zurückführen.

(dpa)

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