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„Operation Gold“ erfolgreich beendet: Deutsche Bundesbank hat 674 Tonnen Gold nach Frankfurt geholt

Von 3378 Tonnen Gold gehören dem deutschen Staat – es sind die weltweit zweithöchsten Goldreserven eines Landes nach den USA. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts sollte mindestens die Hälfte davon in Frankfurt lagern, hatte die Bundesbank 2013 versprochen. Doch es ging schneller als geplant.
Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele strahlte gestern mit den Goldbarren um die Wette. Foto: Arne Dedert (dpa) Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele strahlte gestern mit den Goldbarren um die Wette.
Frankfurt. 

Mein lieber Scholli, der ist wirklich schwer – mit einer Hand kann ich den nicht heben! Dabei ist der Barren, den mir Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele mit den Worten „Seien Sie vorsichtig!“ gerade über den Tisch gereicht hat, kaum größer als eine Milchtüte. Aber er hat’s in sich: Mit einem Goldgehalt von 99,9 Prozent bringt er es auf 12,5 Kilo. Noch beeindruckender ist sein Wert: 454 802 Euro würde man für diesen Barren mit der Inventarnummer 136449 theoretisch erhalten. Aber dieser Gedanke verbietet sich nicht nur aus moralischen Gründen – zwei Meter weiter wacht ein Bundespolizist mit einer Neun-Millimeter-Maschinenpistole darüber, dass die 18 Goldbarren, die die Bundesbank in der 13. Etage ihres Frankfurter Hauptgebäudes den zahlreichen Journalisten präsentiert, den Raum nicht verlassen.

1710 Tonnen in Frankfurt

Es sind 18 von insgesamt 53 780 Goldbarren, die die Bundesbank in den vergangenen viereinhalb Jahren von ausländischen Lagerstätten nach Frankfurt geholt hat. 24 000 davon hat Deutschlands Zentralbank aus New York in die hessische Finanzmetropole transportieren lassen, der Rest ist aus Paris gekommen. 674 Tonnen bringen sie zusammen auf die Waage. Damit liegen nun insgesamt 1710 Tonnen des Edelmetalls im unterirdischen Tresor des Bundesbank-Geländes in der Wilhelm-Epstein-Straße. „Das sind 50,6 Prozent der deutschen Goldreserven“, sagte Thiele. Gerade mal 31 Prozent waren es gewesen, als die Bundesbank auf öffentlichen Druck hin Anfang 2013 beschloss, den heimischen Goldtresor aufzufüllen. Damals hatten sich die Währungshüter bis Ende 2020 Zeit gegeben, um etwas mehr als die Hälfte des deutschen Goldschatzes von derzeit 3378 Tonnen auf dem eigenen Gelände zu horten. „Nun haben wir unser Lagerstellen-Konzept rund drei Jahre vor dem geplanten Termin umgesetzt“, unterstrich der Bundesbank-Vorstand. „Ein voller Erfolg!“ Zumal die Bundesbank nach Aussage Thieles an der Qualität der aus dem Ausland heimgeholten Barren nichts zu beanstanden hatte. Alle Barren seien in Frankfurt auf Gewicht und Goldgehalt geprüft worden. Von dem aus New York verlagerten Edelmetall seien zudem rund 55 Tonnen in der Schweiz umgegossen worden, um die Qualität zu überprüfen. „Nie hat es Ungereimtheiten gegeben“, betonte Thiele mit Blick auf die Diskussionen, die zur Verlagerung geführt hatten.

Verschwörungstheorien

Anlass war im Herbst 2012 ein Bericht des Bundesrechnungshofes gewesen, in dem dieser monierte, dass das Auslandsgold kaum kontrolliert werde, und mehr Transparenz sowie regelmäßige Stichproben forderte. Zuvor hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, das im Ausland gehortete Gold existiere gar nicht mehr oder sei von minderer Qualität. Und so entbrannte eine von Verschwörungstheoretikern angefachte öffentliche Debatte, die in der Forderung mündete, den Schatz in heimische Gefilde „zurückzubringen“. Dass das Auslandsgold nie in Deutschland gewesen war, schien außerhalb der Bundesbank niemanden zu interessieren. „Die Goldreserven sind erst im Ausland entstanden“, bekräftigte Thiele gestern, deshalb könne von „zurückbringen“ keine Rede sein. Er erinnerte daran, dass die Bundesbank vor 1951 überhaupt kein Gold besessen hatte.

Tatsächlich sind die immensen Reserven, die derzeit auf einen Wert von 120 Milliarden Euro kommen, so etwas wie das Sparbuch des deutschen Wirtschaftswunders. Als die Deutsche Mark 1948 startete, waren die Tresore leer. Aber schon 20 Jahre später besaß die Bundesbank den zweitgrößten Goldschatz der Welt. In den 50er und 60er Jahren verkauften die Deutschen ihren Nachbarn viel mehr Güter, als sie ihnen abkauften. Diese Überschüsse wurden von den europäischen Staaten zur Hälfte mit dem edlen Metall beglichen. Da die Barren meist in New York und London lagerten, wurden sie nur in deutsche Kammern umgeräumt. Als das System fester Wechselkurse 1973 zerbrach und damit das Gold als Anker für alle Währungen der Welt ausgedient hatte, hatte die Bundesbank Goldreserven von 3625 Tonnen. Die Bundesbank sah aber schon aus Kostengründen davon ab, Barren nach Deutschland zu holen, bis sie sich 2012 gezwungen sah, die Zweifel an der Echtheit des Goldschatzes zu beseitigen.

7,7 Millionen Euro hat es die Zentralbank gekostet, den Goldschatz auf streng geheimen Wegen Tonne für Tonne über den Atlantik und den Rhein nach Deutschland zu holen – und damit das Vertrauen der Bundesbürger in die Goldreserven zu erhöhen. Auf jeden Barren heruntergerechnet ergäben sich daraus Kosten von etwa 148 Euro, rechnete Thiele vor. „Angesichts eines durchschnittlichen Barrenwerts von 450 000 Euro ist dies also sehr kostengünstig.“ Ob das Gold per Schiff oder Flugzeug, per Zug oder Lkw nach Frankfurt gelangt ist, darüber wollte sich Thiele auch gestern nicht auslassen. Da hält sich die Bundesbank streng an das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“

Pariser Lager aufgelöst

Ansonsten wird die Zentralbank-Führung ihrem Anspruch auf größtmögliche Transparenz aber gerecht. 1236 Tonnen bzw. 36 Prozent der deutschen Goldreserven sind ihren Angaben nach noch im „Big Apple“ gelagert. Und bei dieser Menge soll es auch bleiben. „Die USA haben mit dem US-Dollar die wichtigste Reservewährung der Welt“, sagte Thiele zur Begründung. Sollte es einmal zu einer schweren Krise kommen, könnte das Gold in New York schnell beliehen oder veräußert werden, ohne dass ein Transport nötig wäre.

Das gleiche Argument führte Thiele für das deutsche Goldlager in London ins Feld, wo die „Bank of England“ für die Bundesbank unverändert 432 Tonnen und damit 13 Prozent der Krisenwährung hütet. London sei der größte Handelsplatz für Gold, sagte Thiele, „daran wird auch der Brexit nichts ändern“. Der dortige Bestand verringert sich lediglich um vier bis fünf Tonnen im Jahr. Das ist die Menge an Gold, die die Bundesbank an das Bundesfinanzministerium zur Prägung der Euro-Goldmünzen verkauft. „Darüber hinaus tätigt die Bundesbank keine Goldverkäufe“, versicherte Thiele.

Aufgelöst worden ist nun dagegen die Lagerstelle in Paris, wo die „Banque de France“ elf Prozent des deutschen Goldschatzes hütete. Das Argument, dass man das auswärtig gelagerte Gold im Krisenfall besonders rasch in Devisen umtauschen könne, sei mit der Einführung des Euro im Jahr 1999 für den Standort Paris hinfällig geworden, so Thiele.

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