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Deutsche Luftfahrtbranche: Deutsche Fluggesellschaften fallen weiter zurück

Von Während ausländische Airlines in Deutschland ihre Passagierzahlen immer weiter steigern, gelingt es den heimischen Fluggesellschaften kaum, an Höhe zu gewinnen. Verantwortlich dafür machen sie vor allem die Belastungen, die ihnen der deutsche Gesetzgeber aufbürdet.
Frankfurt.  Wenn die deutsche Luftfahrtbranche über Wettbewerbsverzerrung klagt, blickt sie nicht nur auf den Persischen Golf, wo die Scheichs Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad mit ihren Petro-Dollars „pampern“. Dann schauen die Manager der Lufthansa-Gruppe, der Condor oder Tuifly auch verstimmt nach Berlin, wo die Bundesregierung mit nationalen Steuern und Abgaben ebenfalls den Wettbewerb verzerre – zu Lasten der heimischen Luftverkehrsunternehmen. Dieser politische Ballast ist ihrer Ansicht nach mit dafür verantwortlich, dass die deutschen Airlines hierzulande immer weiter hinter der ausländischen Konkurrenz zurückfalle.

Entsprechende Zahlen führte gestern der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) gegen die Politik ins Feld. Demnach ist es den heimischen Fluggesellschaften nach Jahren stetiger Rückgänge 2016 zwar gelungen, wieder leicht zu wachsen. Aber zum einen fiel dieses Wachstum bei den verkauften Personenkilometern mit einem Plus von 0,8 Prozent sehr bescheiden aus. Zum anderen legten die ausländischen Wettbewerber deutlich stärker zu – allen voran die Billigflieger wie Ryanair und Easyjet, die Steigerungsraten von insgesamt 22 Prozent auswiesen. Damit ist der hiesige Marktanteil der deutschen Branche weiter geschrumpft, auf 62,3 Prozent. 2012 hatten die deutschen Fluggesellschaften noch 68,3 Prozent des Marktes auf sich vereint.

Verbandspräsident Stefan Schulte Bild-Zoom
Verbandspräsident Stefan Schulte
„Wir sehen hier, wie massiv sich der Markt verändert“, sagte gestern in Frankfurt Stefan Schulte. Der Fraport-Vorstandschef ist seit vergangenem Juni ehrenamtlicher Präsident des Verbandes. „Natürlich sind wir für offene Märkte, so der 56-Jährige. Aber diese Entwicklung sei auch mit Blick auf die gesamte deutsche Wirtschaft bedenklich. Denn deutsche Fluggesellschaften flögen die Firmenmanager der Exportnation Deutschland direkt in alle Welt. Bei ausländischen Fluglinien müssten die Geschäftsleute hingegen immer zumindest einmal umsteigen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Airlines zu stärken, müsse die Bundesregierung „die Benachteiligung wieder beseitigen“, forderte Schulte. Konkret verlangt der BDL die Abschaffung der 2001 eingeführten Luftverkehrssteuer, die laut Verband in kaum einem anderen Land erhoben werde – und wenn, dann nicht in dieser Höhe. Darüber hinaus setzt sich der BDL dafür ein, dass die Sicherheitsgebühren für Airlines vom Bund übernommen werden.

Milliarden-Belastung

Nach Berechnungen des Verbandes hat die deutsche Luftverkehrssteuer die Branche allein im vergangenen Jahr 1,074 Milliarden Euro gekostet. Davon entfielen laut BDL 544 Millionen Euro auf vier deutsche Fluggesellschaften, während sich die restlichen 530 Millionen Euro auf mehr als 100 ausländische Gesellschaften verteilten. „Diese Zusatzbelastungen können die Airlines aufgrund des harten Wettbewerbs aber nun mal nicht 1:1 auf die Ticketpreise aufschlagen“, gab Schulte zu bedenken.

Die Gesamtbelastungen durch die Sicherheitsgebühren, die nach dem Anschlag vom 11. September 2001 für die ausgeweitete Passagier- und Gepäckkontrolle an deutschen Flughäfen eingeführt wurden, beziffert der Verband fürs vergangene Jahr auf 700 Millionen Euro. Davon hätten die deutschen Airlines 594 Millionen Euro zu schultern gehabt. Sie sehen sich auch hier benachteiligt, weil in anderen Ländern größtenteils Vater Staat, sprich, der Steuerzahler, für die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen aufkommt. In Spanien und Italien müssten die Airlines nur ein Viertel der Kosten tragen, in den USA ein Drittel, rechnete Schulte gestern vor.

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