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Deutsche Wirtschaft blickt gelassen auf den Brexit

Alles halb so schlimm mit dem für 2019 anvisierten EU-Austritt Großbritanniens? So schätzen es die meisten deutschen Unternehmen derzeit ein. Es ist allerdings eine Gleichung mit vielen Unbekannten.
Die Briten stimmten im Juni 2016 für den Brexit, wollen ihn aber erst bis Ende März offiziell bei der EU anmelden und zweijährige Verhandlungen beginnen. Foto: Michael Kappeler Die Briten stimmten im Juni 2016 für den Brexit, wollen ihn aber erst bis Ende März offiziell bei der EU anmelden und zweijährige Verhandlungen beginnen. Foto: Michael Kappeler
Brüssel. 

Der drohende Brexit lässt die deutsche Wirtschaft weitgehend kalt. Neun von zehn Unternehmen erwarten vom angekündigten EU-Austritt Großbritanniens in nächster Zukunft keine starken Auswirkungen auf ihre Geschäfte, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelte.

Auch Arbeitnehmer in Deutschland müssen wegen des Brexits vorerst wohl keinen Jobabbau fürchten.

Das IW hatte 2900 Unternehmen befragt und veröffentlichte die Ergebnisse am Mittwoch in Brüssel. Die Briten stimmten im Juni 2016 für den Brexit, wollen ihn aber erst bis Ende März offiziell bei der EU anmelden und zweijährige Verhandlungen beginnen. Die künftigen Beziehungen und Geschäftsbedingungen sind deshalb kaum abzuschätzen.

Wegen der Unsicherheit unterscheiden sich die Erwartungen der befragten Firmen zu Auswirkungen auf Investitionen, Beschäftigung und Produktion für 2017 und 2018 auch kaum, wie IW-Studienautor Jürgen Matthes sagte. Unter dem Strich gelte aber: „Nur ein winziger Anteil von zwei bis drei Prozent der Firmen sieht starke negative Konsequenzen für ihre Investitionen und Beschäftigung.”

Auch die ersten spürbaren Folgen der Brexit-Entscheidung - etwa der Rückgang der deutschen Exporte nach Großbritannien im dritten Quartal 2016 um acht Prozent - trübt den weitgehend positiven Ausblick kaum, wie Matthes sagte.

Das IW unterschied bei der Befragung zwischen der Erwartung „begrenzter” und „starker” Effekte. Immerhin rund 37 Prozent der befragten Unternehmen befürchten Dämpfer für ihre Exporte durch den Absturz des britischen Pfunds, allerdings erwarten davon nur 9,9 Prozent einen starken Rückgang und 27 Prozent begrenzte Effekte.

Ihre Personalplanung sehen insgesamt 15,5 Prozent von möglichen Unsicherheiten im Großbritanniengeschäft berührt - nur 1,5 Prozent befürchten indes einen starken Einfluss. 15 Prozent sehen begrenzte Folgen für ihre Produktionsprozesse - etwa wenn sie mit britischen Partnern zusammenarbeiten -, nur zwei Prozent starke Auswirkungen. 21 Prozent gehen von begrenzten Folgen der Brexit-Verunsicherung auf ihre Investitionen aus, lediglich 2,8 Prozent von starken.

Ebenfalls fast ein Viertel der befragten Firmen hofft zumindest in begrenztem Umfang auf Auftrieb, weil Geschäfte aus Großbritannien in die EU verlagert werden könnten. Gut 18 Prozent können sich vorstellen, deshalb mehr zu investieren, knapp 15 Prozent halten positive Jobeffekte im eigenen Unternehmen für möglich.

Aus den Zahlen ergibt sich aus Sicht von IW-Experte Matthes eine politische Konsequenz: „Ein zentrales Ergebnis ist: Großbritannien hat weniger Druckmittel in den Brexit-Verhandlungen, als die Regierung zu erwarten scheint.” Die Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft aus Furcht vor einem harten Brexit auf Zugeständnisse an London dringe, gehe wohl nicht auf.

Jedoch geht nach seinen Worten eine Mehrzahl der befragten Firmen von einem „weichen” Brexit aus, also von nicht allzu großen Handelshemmnissen zwischen der Insel und dem Kontinent nach dem EU-Austritt. Aussagen der britischen Regierung legen aber nahe, dass das Vereinigte Königreich künftig keinen Zugang mehr zum EU-Binnenmarkt haben könnte, weil London die EU-Bedingungen dafür ablehnt.

(dpa)
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