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Deutsche Wirtschaft brummt - Wachstumstempo erhöht

Die deutsche Konjunktur ist so stark, dass Europas Klassenprimus erstmals seit Jahren schneller wächst, als die weltgrößte Volkswirtschaft USA. Zum Jahresende 2016 drehte die Wirtschaft noch einmal auf. Profiteur ist auch der Fiskus.
Gute Nachrichten kamen zuletzt vom Export. Foto: Frank Rumpenhorst Gute Nachrichten kamen zuletzt vom Export. Foto: Frank Rumpenhorst
Berlin/Wiesbaden. 

Die Verbraucher haben Deutschland mit ihrer Konsumfreude das stärkste Wirtschaftswachstum seit fünf Jahren beschert. Unter dem Strich legte die größte Volkswirtschaft Europas 2016 um 1,9 Prozent zu. Das berichtete das Statistische Bundesamt in Berlin anhand vorläufiger Zahlen.

Der entscheidende Wachstumsmotor liegt anders als in früheren Jahren im Inland, während der lange Zeit dominierende Außenhandel das Wachstum sogar leicht dämpfte, wie der Präsident der Behörde, Dieter Sarreither, feststellte. Das liegt daran, dass die Importe im Jahresverlauf stärker zunahmen als die Exporte. Die Kauflust der Verbraucher und die Ausgaben des Staates, auch für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge trugen maßgeblich zum Wachstum bei.

Ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum gab es zuletzt 2010 (plus 4,1 Prozent) und 2011 (plus 3,7 Prozent) - damals musste sich die deutsche Wirtschaft allerdings aus der tiefen Rezession des globalen Krisenjahres 2009 emporarbeiten. 2015 waren es 1,7 und 2014 immerhin 1,6 Prozent. Im vergangenen Jahr schnitt Deutschland voraussichtlich sowohl besser ab als der Durchschnitt der Eurozone (1,7 Prozent) als auch besser als die weltweit größte Ökonomie USA (1,6 Prozent).

Dank der robusten Konjunktur, florierender Einnahmen und der rückläufigen Arbeitslosigkeit kann der deutsche Staatshaushalt nun schon im dritten Jahr in Folge einen Überschuss verbuchen. Im Konzert der großen Länder der Eurozone steht die Bundesrepublik damit allein auf weiter Flur.

Einen Schwachpunkt bilden aus Sicht der deutschen Wirtschaft die Investitionen. „Der geringe Anstieg der Ausgaben für neue Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge ist angesichts der niedrigen Zinsen ernüchternd”, stellte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, fest. „Die Politik muss dringend die Investitionsbedingungen verbessern, zum Beispiel durch eine Vereinfachung des komplexen Steuersystems und attraktivere Abschreibungsregelungen.”

Zum Jahresende gewann die deutsche Wirtschaft noch einmal an Tempo. Nach ersten Schätzungen der Wiesbadener Statistiker stieg das BIP in den letzten drei Monaten 2016 im Vergleich zum Vorquartal um ungefähr ein halbes Prozent. Die Vorquartale waren schwächer ausgefallen. Genauere Angaben zum Zeitraum Oktober bis Dezember sollen am 14. Februar veröffentlicht werden.

Als entscheidende konjunkturelle Stütze - mit mehr als der Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung - erwies sich abermals der Konsum der privaten Haushalte, der 2016 wie im Vorjahr um 2,0 Prozent zulegte. Vielen Verbrauchern sitzt das Geld locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird. Die niedrige Inflation erhöht die Kaufkraft zusätzlich - auch wenn die Teuerung im Dezember wegen gestiegener Energiepreise anzog.

Zudem ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt historisch günstig. 2016 wurde die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahresschnitt von knapp 43,5 Millionen Erwerbstätigen erbracht, rund 429 000 mehr als im Jahr davor. „Das ist der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung”, sagte Sarreither.

Verantwortlich für den Trend sind den Statistikern zufolge zwei Faktoren: Eine höhere Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung sowie die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland. Volkswirte gehen davon aus, dass der Konsum auch im laufenden Jahr die Hauptstütze des deutschen Wirtschaftsaufschwungs bleiben wird.

Auch der staatliche Konsum trug 2016 mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent zum Wachstum bei. „Dieser kräftige Anstieg ist unter anderem auf die hohe Zuwanderung von Schutzsuchenden und die daraus resultierenden Kosten zurückzuführen”, sagte Sarreither. Ein stärkeres Plus hatte es zuletzt 1992 aufgrund der Ausgaben für die deutsche Einheit gegeben.

Der anhaltende Immobilienboom sorgte zusätzlich für Schwung. Keine Wachstumsimpulse kamen dagegen vom Außenhandel - obwohl Deutschlands Exporteure nach jüngsten Berechnungen des Bundesamtes für das Gesamtjahr 2016 auf ein Rekordergebnis zusteuern. Allerdings legten die Importe im vergangenen Jahr stärker zu als die Ausfuhren.

Die gute Konjunktur füllte auch die öffentlichen Kassen. Der deutsche Staat nahm nach Berechnungen der Statistiker 2016 erneut mehr Geld ein als er ausgab. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 19,2 Milliarden Euro aus. Das entspricht 0,6 Prozent des BIP, nach 0,7 und 0,3 Prozent in den beiden Vorjahren. Ein wenn auch minimales Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

(Von Thomas Kaufner, dpa)
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