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Kritik Macrons zurückgewiesen: Deutschland verteidigt Exportüberschüsse

Die hohen Exportüberschüsse Deutschlands entwickeln sich international zunehmend zu einem politischen Problem. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde ruft die Bundesrepublik auf, die Ungleichgewichte zu verringern.
Macron kritisiert die deutsche Wirtschaft für ihre Exportstärke. Foto: PHILIPPE WOJAZER (POOL) Macron kritisiert die deutsche Wirtschaft für ihre Exportstärke.
Berlin/Washington. 

Die deutsche Wirtschaft hat die Kritik des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron an ihrer Exportstärke zurückgewiesen. „Der Exportüberschuss ist vor allem ein Beleg für die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, am Dienstag. „Die Antwort kann aber nicht sein, dass wir die Starken schwächen. Ein wichtiger Hebel für eine Absenkung des deutschen Handelsüberschusses ist vielmehr eine Stärkung der Investitionen hierzulande.“

Bei besseren wirtschafts- und steuerpolitischen Rahmenbedingungen würden die Unternehmen mehr zum Beispiel in neue Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen investieren und damit die Importe stärken. Ähnlich argumentierte der Maschinenbauverband VDMA. Der Exportüberschuss sei vor allem Ausdruck der Stärke der deutschen Industrie, sagte VDMA-Ökonom Olaf Wortmann. Der Staat könnte allerdings mehr in Bildung und Infrastruktur investieren.

Nach Einschätzung von IW-Chef Michael Hüther ist Deutschland klarer Profiteur des Euro. Zugleich schaffe die Gemeinschaftswährung im Euroraum währungspolitische Stabilität, die letztlich Grundlage für nachhaltiges Wachstum sei. „Länder, die sich als Verlierer der Stärke Deutschlands sehen, sollten vielmehr ihre Chancen wahrnehmen, die ihnen das aktuelle Gerüst bietet“, sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

„Stärke ist untragbar“

Macron hatte gesagt, Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“. Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. „Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden“, sagte er, ohne aber konkreter zu werden.

IWF-Chefin Christine Lagarde forderte Deutschland in diesem Zusammenhang erneut auf, seine Exportüberschüsse für Investments in die Infrastruktur zu nutzen.

Es sei legitim für ein Land wie Deutschland mit alternder Bevölkerung, nach einem Überschuss zu trachten, sagte Lagarde. „Vier Prozent wären vielleicht gerechtfertigt, neun Prozent sind es nicht“, fügte die Exekutivdirektorin des Internationalen Währungsfonds hinzu. Der große deutsche Exportüberschuss wird seit längerer Zeit international angeprangert, unter anderem von US-Präsident Donald Trump.

„Die gute Nachricht ist: Deutschland hat bereits begonnen zu investieren, auch durch die Finanzierung von Flüchtlingen“, sagte Lagarde. Sie hob hervor, dass Deutschland sich als eines von wenigen Ländern zu einer Entwicklungsförderung in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bekenne. „Es ist aber ein langsamer Prozess und wir empfehlen noch immer mehr“, betonte Lagarde. „Wenn es zu exzessiven Ungleichgewichten kommt, wenn es ausufernde Ungleichheit gibt oder Instabilität im Finanzsystem, das alles ist schlecht für die Stabilität und für nachhaltiges Wachstum. Wir zögern nicht, das auch zu sagen“, erklärte Lagarde.

Die Französin wird am Donnerstag mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zusammentreffen. Dann startet der IWF in Washington seine Frühjahrstagung, in deren Rahmen auch ein Treffen der G-20-Finanzminister stattfinden soll.

(dpa)
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