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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach dem Schock durch den überraschenden Abbruch der Gespräche zu Kaiser’s Tengelmann wird hinter den Kulissen bereits wieder an einem allerletzten Rettungsversuch gearbeitet. Doch der Zeitdruck ist hoch, und die Chancen sind ungewiss.
Vorstandschef Markus Mosa will Edekas Marktführerschaft ausbauen. Bilder > Foto: Daniel Bockwoldt (dpa) Vorstandschef Markus Mosa will Edekas Marktführerschaft ausbauen.
Düsseldorf. 

Rewe-Chef Alain Caparros ist zu einem letzten Anlauf zur Rettung der von der Zerschlagung bedrohten Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann bereit. Dabei solle es auch einen neutralen Vermittler geben, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sei ein Kandidat, sagte Caparros am Freitag. Gabriel sprach sich ebenfalls für einen erneuten Einigungsversuch aus. Auch die Gewerkschaft Verdi will Kaiser’s Tengelmann nicht verloren geben und spricht weiter mit den zerstrittenen Supermarktketten. Am Vortag waren die Spitzengespräche über die Zukunft der Kette von Rewe, Edeka und Tengelmann für gescheitert erklärt worden. Caparros hatte zudem eine erneute Übernahmeofferte für das gesamte Geschäft vorgelegt, Tengelmann wies diese jedoch als „unseriös“ zurück.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte angekündigt, in der kommenden Woche erste Interessensbekundungen für Teile der Kette mit insgesamt über 15 000 Beschäftigten einzuholen. Haub hatte vorgerechnet, im Falle einer Zerschlagung stünden rund 8000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Eigentlich will Haub Kaiser’s Tengelmann an Edeka verkaufen – dies wird aber durch unter anderem von Rewe eingebrachte Klagen gegen Gabriels Ministererlaubnis für die Transaktion vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhindert.

Neutraler Vermittler gesucht

„Wir sind zu einem letzten Versuch einer Einigung bereit“, sagte Caparros Reuters nun. An einer solchen Verhandlungsrunde könnten Verhandlungsteams der Handelsriesen teilnehmen. Zudem solle es einen neutralen Vermittler geben: „Es muss ein Mediator dabei sein, der Kompetenz sowie Autorität hat und neutral ist“, forderte der Rewe-Chef. „Das könnte zum Beispiel Bundeswirtschaftsminister Gabriel sein.“ Die Rolle könnte aber auch eine andere Person übernehmen. „Dann könnten wir einen letzten Einigungsversuch unternehmen“, sagte der Rewe-Chef. „Ich finde, man muss auch noch einmal die Idee erörtern, ob nicht ein Schlichter helfen kann“, sagte Gabriel.

Die Unternehmenschefs hatten nach dem Ende der letzten Spitzenrunde tiefe Differenzen erkennen lassen. Caparros warf Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub vor, die Gespräche seien an ihnen gescheitert. Bei einem Gipfeltreffen der Supermarkt-Chefs am 6. Oktober seien Grundzüge eines Kompromisses für Kaiser’s Tengelmann vereinbart worden, sagte er. Dazu zählten Entschädigungen und die Übertragung von Filialen.

„Seriöse Bewertung“ war nicht möglich

Rewe habe etwa Zugriff auf Berlin und Nordrhein-Westfalen, Edeka auf die Märkte in Bayern erhalten sollen. Rewe habe aber nicht die nötigen Daten erhalten, um eine „seriöse Bewertung“ vornehmen zu können: „Diese sind noch immer nicht eingetroffen.“ Aber er sei zu einem neuen Gespräch bereit. Caparros will Kaiser’s Tengelmann ganz oder in Teilen übernehmen – damit würde er die Kette Edeka abjagen. Dem Kartellamt käme bei einem Verkauf von Kaiser’s Tengelmann als Ganzes an den Edeka-Rivalen oder bei einer Zerschlagung und Übernahme durch Konkurrenten erneut eine Schlüsselrolle zu. Die Wettbewerbshüter hatten bereits den von Haub seit zwei Jahren angestrebten Verkauf an Branchenprimus Edeka untersagt. Auch wenn Rewe Zugriff bekäme, würden die Kartellwächter die Transaktion prüfen.

Tiefes Misstrauen zwischen den Rivalen

Haub schmetterte die neue Rewe-Offerte aber bereits ab. „Das Angebot ist unseriös wie alle bisherigen Angebote von Rewe“, sagte eine Tengelmann-Sprecherin. Es lasse sich nicht umsetzen: „Auch Rewe kommt nicht am Kartellamt vorbei.“ Für Tengelmann brächte eine Transaktion keine rechtliche Sicherheit. Die Rivalen begegnen einander mit tiefem Misstrauen. Dies habe auch die gescheiterten Gespräche der Supermarkt-Chefs belastet. Haub geht jedoch angesichts der anhaltenden Verluste bei Kaiser’s Tengelmann die Zeit für eine Lösung aus: „Das Ende meiner Geduld ist erreicht“, heißt es in einem Schreiben Haubs an Verdi-Chef Frank Bsirske. „Rewe hat den Verhandlungsprozess von Anfang an torpediert.“ Aber auch die Gewerkschaft gibt nicht auf: „Verdi wird auch jetzt noch alles daran setzen, eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern“, erklärte Stefanie Nutzenberger. „Es laufen noch Gespräche zwischen uns und den beteiligten Unternehmen.“

(rtr)
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