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Staatsbank: Die KfW will bescheidener werden

Von Im Auftrag der Bundesregierung hat die KfW in den vergangenen Jahren privaten Haushalten, Unternehmen, Kommunen und auch Entwicklungländern immer mehr günstiges Geld zur Verfügung gestellt. So ist die einst als verstaubte Beamten-Stube belächelte Förderbank zur drittgrößten deutschen Bank aufgestiegen. Nun soll mit dem rasanten Wachstum Schluss ein, sagt der neue Vorstandschef.
Günther Bräunig geht in punkto Bescheidenheit mit gutem Beispiel voran: Er verzichtet darauf, in die bislang für den Vorstandschef reservierte oberste Etage der KfW-Zentrale umzuziehen. Foto: Rüdiger Nehmzow Günther Bräunig geht in punkto Bescheidenheit mit gutem Beispiel voran: Er verzichtet darauf, in die bislang für den Vorstandschef reservierte oberste Etage der KfW-Zentrale umzuziehen.
Frankfurt. 

Erschwingliche Studentenbuden gibt es in Städten kaum noch – zugleich bekommen immer weniger Studenten Bafög. Was kann die Politik, um den akademischen Nachwuchs zu sichern? Sie lässt die KfW günstige Studenten-Kredite vergeben. Die Energiewende stockt? Im Auftrag der Politik verleiht die Staatsbank nicht nur günstiges Geld an Bürger, die ein energieeffizientes Haus bauen oder ihre Wohnung energetisch sanieren lassen – das Frankfurter Institut hilft auch Unternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen. Sie kann es sich leisten. Denn als Eigentum des überaus solventen deutschen Staates verfügt die KfW über das heiß begehrte AAA-Rating, das ihr äußerst gute Refinanzierungsbedingungen ermöglicht – zum Teil kann sie sich an den internationalen Kapitalmärkten Geld zu Negativzinsen leihen; diese gibt sie in Form konkurrenzlos günstiger Kredite weiter. Auf Gewinnmaximierung ist die Bank ohnehin nicht aus.

Krisengewinner

Und so ist die KfW ebenfalls zur Stelle, wenn die Kommunen unter der Last der Flüchtlinge ächzen: mit milliardenschweren, zinslosen Krediten für den Bau von Flüchtlingsheimen. Rund um den Globus pumpt die Staatsbank ohnehin seit vielen Jahren Milliarden-Summen in Projekte, die dazu dienen, der Wirtschaft in Entwicklungsländern auf die Beine zu helfen – damit im Idealfall erst gar keine Flüchtlingsströme entstehen. Hierzulande hilft sie auch noch vielversprechenden Start-ups auf die Beine. Sogar wenn die Bundesbürger Angst vor Einbrechern haben, schreitet die KfW im öffentlichen Auftrag zur Tat – und vergünstigt den Hausbesitzern die Alarmanlagen.

Immer mehr Aufgaben hat die Politik in den vergangenen Jahren ihrer Bank anvertraut, die ab 1948 als „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ die wirtschaftliche Gesundung des kriegszerstörten Deutschlands vorangetrieben hatte. Entsprechend gewachsen ist das Institut, das heute als „KfW Bankengruppe“ firmiert, zu vier Fünfteln dem Bund und zu einem Fünftel den Ländern gehört. Und weil sich die privaten Geschäftsbanken nach der Finanzkrise gesundschrumpfen mussten, ist die einst als verstaubte Beamten-Stube belächelte Kreditanstalt vielen von ihnen längst enteilt: Mit einer zuletzt ausgewiesenen Bilanzsumme von rund 500 Milliarden Euro steht sie in der Rangfolge der größten deutschen Banken knapp hinter der genossenschaftlichen DZ Bank auf Platz zwei. Und das nun in einer Zeit, in der das Gros der hiesigen Geschäftsbanken händeringend nach Möglichkeiten sucht, das Geld ihrer Anleger halbwegs ordentlich verzinst auszugeben.

Aber mit diesem unbekümmerten Wachstum soll nun Schluss sein. „Unser Fördervolumen soll nicht auf Wachstum ausgerichtet sein“, verkündete gestern Günther Bräunig, der als Nachfolger des schwer erkrankten Ulrich Schröder die KfW seit dem 1. Januar leitet. „Es wird alles wieder ein bisschen bescheidener. Das werden Sie auch in den kommenden Jahren sehen“, versicherte der 62-Jährige mit Blick darauf, dass das Gesamtfördervolumen im vergangenen Jahr nach langer Zeit erstmals gesunken ist: von 81 auf 76,5 Milliarden Euro.

Verschiedene Charaktere

Soll man dem promovierten Juristen, der seit fast 29 Jahren für die Förderbank arbeitet, seine Ankündigung abnehmen? Schon sein Vorgänger hatte davon gesprochen, dass „die KfW eine Bedeutung erlangt hat, die wir eigentlich gar nicht wollen“ – und damit kokettiert, dass er sich eine KfW vorstellen könne, „die viel kleiner ist“. Andererseits verteidigte Schröder stets das rasante Wachstum seines Instituts und ließ seine Mitarbeiter begeistert an neuen Finanzierungsprodukten basteln. Die Finanzkrise sei „von der Einschnittsintensität her der Zeit des Wiederaufbaus, in der die KfW entstand, ähnlich“, hatte er öfter argumentiert. Wenn sich die Privatbanken immer mehr aus der Langfrist-Finanzierung zurückzögen, müsse die KfW da nun mal in die Bresche springen.

Altes Büro reicht

Wobei persönliche Bescheidenheit nicht unbedingt zu den offensichtlichen Eigenschaften des groß gewachsenen, braun gebrannten und stets besonders gut gekleideten Managers gehörte – weder bei öffentlichen Auftritten noch bei seiner Arbeit hinter den Kulissen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Bräunig augenfällig von seinem langjährigen Vorgänger. Der gebürtige Wiesbadener, der eher von zierlicher Statur ist, tritt nicht nur äußerst zurückhaltend auf. Er geht in punkto Bescheidenheit auch mit gutem Beispiel voran: Er bleibt in seinem bisherigen Büro, verzichtet darauf, in die weitläufige zehnte Etage der KfW-Zentrale am Frankfurter Palmengarten zu ziehen, in der Schröder früher residierte. „Die Etage ist für mich viel zu groß und weist im Vergleich zu meinem bisherigen Büro keine besonderen Vorteile auf“, so Bräunig auf Nachfrage. „Wir werden dort stattdessen eine zweite Digital-Werkstatt einrichten.“

Klimaschutz

Zusammen mit dem Thema „Klimaschutz“ steht für das Inlandsgeschäft die fortschreitende Digitalisierung laut Bräunig ganz oben auf der Prioritäten-Liste der KfW. Vor allem die Klein- und Mittelständler hierzulande wollen die Frankfurter dabei nach eigenem Bekunden noch mehr bei der Realisierung der Industrie 4.0 unterstützen. Aus einem neuen entsprechenden Programm wurden im vergangenen Jahr bereits 1,5 Milliarden Euro abgerufen. „Statt unser Fördervolumen insgesamt immer weiter steigen zu lassen, wollen wir uns stärker auf die Felder mit besonderer Zukunftsrelevanz konzentrieren“, betonte der Familienvater. „Gerade angesichts des insgesamt wieder guten Finanzierungsumfelds in Deutschland geht es mir darum, dass unser Förderauftrag möglichst nachhaltig ist.“

Beim Klimaschutz ist die KfW da schon sehr weit: Für erneuerbare Energien und Energieeffizienz gilt sie als die größte Förderbank weltweit. Rund die Hälfte aller in Deutschland errichteten Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien sind von der KfW mitfinanziert. Stolze 43 Prozent des Neugeschäfts sind im vergangenen Jahr auf die Förderung des Klimaschutzes entfallen. 50 Prozent sollen es künftig werden.

An diesem Ziel wird auch die neue Bundesregierung nicht rütteln wollen. Ob die Politik es der KfW aber tatsächlich erlauben wird, zu schrumpfen, ist offen. Allzu gerne haben die Politiker die Bank zur Feuerwehr gemacht, wenn es irgendwo im Lande brannte, oder sie genutzt, um ihr Wahlvolk zu beglücken.

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