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Autoindustrie: Die Opelaner wollen sich wehren

Von Opel kommt nicht zur Ruhe. Berichte über Partnerschaften oder einen (Teil-)Verkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim machen der Belegschaft Angst. Sie befürchtet einen Ausverkauf. Der Betriebsrat gibt sich kämpferisch. Auto-Experte Dudenhöffer sieht Opel auf dem Weg zu einer reinen Verkaufsabteilung.
Symbolkraft? Eine rote Ampel leuchtet vor dem Schriftzug von Opel. Foto: Andreas Arnold (dpa) Symbolkraft? Eine rote Ampel leuchtet vor dem Schriftzug von Opel.
Frankfurt. 

„Die Belegschaft glaubt diesem Vorstand und PSA kein Wort mehr.“ Mit diesen drastischen Worten brachte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug das gewachsene Misstrauen der Belegschaft gegen das Management zum Ausdruck. Die Stimmung im Opel-Stammwerk ist vergiftet, seit „Le Monde“ über PSA-Pläne für strategische Partnerschaften und Teilverkäufe des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim berichtet hatte. Eine kurzfristig anberaumte Betriebsversammlung konnte die Aufregung nicht dämpfen. Im Gegenteil, die Absage von Opel-Chef Michael Lohscheller goss weiteres Öl ins Feuer. „Die Belegschaft ist empört. Es gibt ein absolutes Unverständnis darüber, dass nicht offen und transparent Pläne dargelegt werden“, schimpfte Schäfer-Klug.

Die Entwicklung sei das Herzstück von Opel, bekräftigte der Arbeitnehmervertreter. Nun befürchtete mancher einen Ausverkauf. „Es gibt die Angst, dass die Marke Opel diese Operation, wenn sie denn kommen würde, nicht überleben würde.“ Bei den Verkaufsplänen gehe es um die Kernbereiche Fahrzeugentwicklung, Antriebsstrang, Prüfstände und Werkzeugbau. Die Pläne seien jetzt schon ziemlich konkret. „Es wird schwer werden, zu einer Einigung zu kommen“, sagte Schäfer-Klug. Er kündigte Protest an: „Die Belegschaft ist ziemlich kämpferisch aufgestellt. Sie wird sich wehren.“

Tarifvertrag ist fix

Der Betriebsrat werde sich mit der Frage der strategischen Partnerschaft nach den dreiwöchigen Werksferien und dem Abschluss des Tarifvertrags befassen, mit dem Eckpunkte eines Sanierungsplans festgezurrt werden sollen. Schäfer-Klug geht davon aus, dass der Vertrag noch diese Woche unterschrieben werde. Ein Opel-Sprecher sagte, eine Besiegelung des Tarifvertrags sei für Freitag anvisiert.

Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen befürchtet, dass die Marke mit dem Blitz nach einem Verkauf des Entwicklungszentrums ihre Eigenständigkeit verlieren werde. „Es sieht so aus, als verfährt PSA-Chef Carlos Tavares nach dem Motto: Der Wert von Opel liegt in den 1,2 Millionen Käufern von Fahrzeugen und nicht in der Entwicklung oder in der Produktion“, schreibt Dudenhöffer in einer aktuellen Analyse zu Opel. Der Verkauf großer Teile des Entwicklungszentrums sei daher für Tavares nur ein folgerichtiger Sanierungsschritt. Man müsse davon ausgehen, dass dies nicht die letzte Aktion zur Profitabilitätsverbesserung sein werde, so Dudenhöffer. „Opel entwickelt sich damit zu einer Art Verkaufsabteilung mit angeschlossener Produktion und Mini-Entwicklung.“

Die Treueschwüre von PSA-Chef Tavares auf die Qualität deutscher Autos klingen inzwischen recht hohl, meinten etliche Opelaner vor den Werkstoren. Der Franko-Portugiese habe die Samthandschuhe aus der Zeit der Übernahmegespräche ausgezogen und versuche nun bei Opel in der gleichen Art durchzuregieren, wie er es im Peugeot-Konzern praktiziere. Er hat ein starkes Argument dafür: Bei den französischen Konzernmarken Peugeot, Citroën und DS hat seine harte Sanierungsstrategie zum Erfolg geführt. Vor vier Jahren noch musste die PSA-Gruppe vom französischen Staat und dem chinesischen Hersteller Dongfeng vor dem Untergang gerettet werden. Heute verdient der Konzern wieder klotzig.

Rosskur als Blaupause

Obendrein sind die Absatzzahlen spektakulär gestiegen. In Frankreich hat Peugeot den Erzrivalen Renault fast eingeholt. Auf dem deutschen Markt hat Peugeot zuletzt kräftig aufgeholt. Im vergangenen Jahr verkaufte die Franzosen-Marke 25 Prozent mehr Autos, während Opel hierzulande stagnierte. Im ersten Halbjahr 2018 verbessert die Marke mit dem Löwen-Symbol den Absatz um gut 13 Prozent. Opel verliert gleichzeitig sieben Prozent:

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