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ProCredit Holding: Die Osteuropa-Bank aus Frankfurt

Von Die ProCredit Banken machen Geschäfte vor allem in Südost- und Osteuropa, daher sind sie in Deutschland wenig bekannt – obwohl die Holding ihren Sitz in Frankfurt hat.
In Südost- und Osteuropa gehören die Filialen der ProCredit Bank zum Straßenbild, wie hier in Moldawiens Hauptstadt Chisinau. In Südost- und Osteuropa gehören die Filialen der ProCredit Bank zum Straßenbild, wie hier in Moldawiens Hauptstadt Chisinau.
Frankfurt. 

Es gibt nur wenige börsennotierte Banken mit Hauptsitz Frankfurt. Zwei sind bekannt wegen ihrer Größe – Deutsche Bank und Commerzbank. Aber wer kennt die ProCredit Holding? Seit Dezember vergangenen Jahres ist das Institut an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. „Wir wollen unsere Bekanntheit erhöhen und mehr gleichgesinnte Investoren an Bord holen“, erläutert Vorstand Borislav Kostadinov die Gründe für den Börsengang. Als Akquisitionswährung für Übernahmen sei die Aktie jedenfalls nicht gedacht. Der Kurs war nach der Erstnotiz zunächst stark gestiegen, zeitweise war die Bank an der Börse rund 1,2 Milliarden Euro wert; inzwischen ist der Preis allerdings wieder auf das Ausgangsniveau eingebrochen. Der Titel gilt als Kandidat für den SDax.

Borislav Kostadinov Bild-Zoom
Borislav Kostadinov

Die Bank hat mit Mikrokrediten begonnen und sich mittlerweile auf die Finanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen in Südost- und Osteuropa spezialisiert. Sie beschäftigt gut 4000 Mitarbeiter, 444 davon in Deutschland (die meisten in der Zentrale in Frankfurt). „Die Stadt kann stolz sein, dass solch eine Gruppe hier ihre Zentrale hat.“ Der Bulgare arbeitet seit 16 Jahren bei der Bank und sitzt seit 2014 im Vorstand.

Die Geschichte der ProCredit Bank begann 1997, unmittelbar nach dem Bürgerkrieg, in Bosnien-Herzegowina – als Initiative des auf Entwicklungsfinanzierung spezialisierten Frankfurter Beraters Claus Peter Zeitinger. Ziel war, den Menschen der Region überhaupt Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und Kleinkredite zu vergeben. Es folgten Institute im Kosovo, in Albanien oder Serbien; auch in Bulgarien, Georgien, der Ukraine und weiteren Staaten ist die Gruppe aktiv. Dagegen wurden Töchter in Armenien, in einigen afrikanischen Ländern, in Mexiko und Nicaragua verkauft, es bleiben Banken in Ecuador und Kolumbien.

Seit einigen Jahren bietet ProCredit auch in Deutschland Kredite an, zudem sitzen hier Abwicklungsfunktionen für die Gruppe (Treasury, Clearing, IT). Ankeraktionäre sind neben Zeitinger die staatliche KfW, eine Tochter der Weltbank sowie Förderbanken aus den Niederlanden und Belgien; beteiligt sind auch ein US-Pensionsfonds und Ebay-Gründer Pierre Omidyar.

„Wir möchten als Hausbank langfristiger und verantwortungsvoller Partner für kleine und mittlere Unternehmen sein“, sagt Kostadinov. 81 Prozent aller Darlehen machen inzwischen Unternehmenskredite – in der Regel bis zu drei Millionen Euro – aus. Auf Mikrokredite (bis 30 000 Euro) dagegen verzichte man, seit sie modern geworden seien und zu viel Geld angezogen hätten. Die Kritik, oft handle es sich eigentlich um Verbraucherkredite, die zur Überschuldung führen oder die Schattenwirtschaft finanzieren könnten, teilt der ProCredit-Vorstand: Die Frage sei doch, welche Entwicklungsperspektiven ein Kunde biete. Im laufenden Jahr will die Bank den Rückzug aus diesem Geschäftsfeld abschließen. Das Kreditportfolio von aktuell 3,63 Milliarden Euro ist fast vollständig durch Einlagen refinanziert. Fast ein Zehntel entfällt auf „green loans“ für Energieeffizienz- oder Erneuerbare-Energien-Vorhaben.

Wachstum angestrebt

Zuletzt hat die Bank an ihrer Effizienz gearbeitet (unter anderem durch die Schließung von Filialen und fortschreitende Digitalisierung) und die Risikovorsorge für faule Kredite reduziert.

Schwierige Märkte

Das Konzernergebnis blieb 2016 mit 61 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, ohne die verkauften Bereiche wäre es deutlich gestiegen. Die Eigenkapitalrendite lag damit bei 9,6 Prozent (nach Steuern), die Eigenkapitaldecke war mit einer harten Kernkapitalquote von 12,4 Prozent (bei voller Anwendung künftiger Regeln) solide.

Im laufenden Jahr soll das Kreditportfolio der Gruppe um fünf bis acht Prozent wachsen. Und die politischen Risiken in unruhigen Ländern wie der Ukraine? Kostadinov verweist auf die langjährige Geschichte der Bank, die schon mehrere Krisen in Osteuropa überstanden habe: „Man kann in unseren Märkten erfolgreich sein, wenn man die richtigen Kunden auswählt und sie richtig betreut.“ Auch sei wichtig, dass die Darlehen größtenteils in lokaler Währung vergeben wurden. Waffengeschäfte, Bergbau oder harter Alkohol sind übrigens von einer Finanzierung ausgeschlossen.

Noch gibt es bei ProCredit weiße Flecken in Osteuropa, beispielsweise in Polen oder Tschechien. Ein Einstieg dort sei jedoch nicht geplant, sagt Kostadinov: „Es gibt noch genug Wachstumspotenzial in den Ländern, in denen wir aktiv sind.“ Kürzlich hat ProCredit jedoch eine Filiale im griechischen Thessaloniki eröffnet.

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