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Die Zerschlagung hat begonnen

Bundeskanzlerin Merkel drängt noch auf einen Kompromiss zur Rettung der Arbeitsplätze bei der angeschlagenen Supermarktkette. Doch die Positionen von Tengelmann, Edeka und Rewe liegen weit auseinander.
Tengelmann bietet die ersten Filialen zum Verkauf an. Foto: Sven Hoppe (dpa) Tengelmann bietet die ersten Filialen zum Verkauf an.
Mülheim/Ruhr. 

Die Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann hat begonnen. Tengelmann habe die ersten Listen mit zum Verkauf stehenden Filialen in Nordrhein-Westfalen verschickt, sagte eine Unternehmenssprecherin. Der Verkauf der Geschäfte in Bayern und Berlin soll dagegen wahrscheinlich erst in einigen Monaten beginnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängte unterdessen weiter auf einen Kompromiss in dem nun schon sei zwei Jahren andauernden Streit zwischen Tengelmann, Edeka, Rewe und Co. Die beteiligten Unternehmen sollten nichts unversucht lassen, doch noch eine einvernehmliche Einigung herbeizuführen im Interesse der betroffenen Menschen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Darin seien sich die Kanzlerin und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) „vollkommen einig“. Konkurrent Rewe kündigte unterdessen an, sich um angebotene Filialen bewerben zu wollen.

Eine Rettung der bedrohten Arbeitsplätze durch einen Verhandlungskompromiss in letzter Minute ist durch den Versand der Filial-Listen noch nicht ausgeschlossen. Erst der tatsächliche Verkauf der ersten Filialen würde der Ministererlaubnis endgültig den Boden entziehen. Mit dieser Ministererlaubnis wollte Edeka Kaiser’s Tengelmann übernehmen, dies liegt aber nach einer Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf Antrag der Handelskonzerne Rewe, Markant und Norma auf Eis. Verhandlungen zwischen den Konzernen waren gescheitert.

NRW als Sorgenkind

Tengelmann betreibt in Nordrhein-Westfalen noch 107 Geschäfte mit rund 3500 Mitarbeitern. NRW gilt als größtes Sorgenkind im Unternehmen. Viele der Filialen gelten als unattraktiv. „Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Betreiber finden könnten“, sagte Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub. Das Verkaufsverfahren für die Geschäfte in Berlin und München soll Haub zufolge Anfang nächsten Jahres gestartet werden.

Bundesweit betreibt Tengelmann 418 Filialen (Stand: 31. August. Neben den 107 Geschäften in Nordrhein-Westfalen sind dies 124 Filialen im Großraum Berlin mit rund 5600 Mitarbeitern sowie 187 Niederlassungen in Oberbayern mit 5100 Beschäftigten. Insgesamt kommt das Unternehmen mit Fleischwerken, Logistik und Verwaltung auf 15 000 Mitarbeiter. Haub sieht bei der „Verwertung“ bis zu 8000 Stellen gefährdet, weil sich vermutlich nicht für alle Geschäfte ein Käufer findet. Die Aussichten auf eine Einigung in letzter Minute scheinen gering, Haub und Rewe-Chef Alain Caparros geben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen.

(dpa)
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