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Nichtraucherschutzgesetz zehn Jahre in Kraft: Die Zigarette zum Bier gibt’s nur vor der Tür

Von Seit zehn Jahren sind Gaststätten in Deutschland mehr oder weniger rauchfrei. Der Ärger über das Gesetz ist mittlerweile verflogen, die Umsatzeinbußen ausgeglichen. Doch das Sterben der Eckkneipen ist nicht aufzuhalten.
Geraucht werden darf in vielen Bundesländern nur vor der Tür. Foto: Frank Leonhardt (dpa) Geraucht werden darf in vielen Bundesländern nur vor der Tür.
Frankfurt. 

Kaum ein Thema spaltet die Gemüter der Deutschen so sehr wie das Rauchen. Jeder hat eine Meinung dazu, denn fast jeder ist betroffen, sobald er am sozialen Leben teilhaben will.

Besonders hoch kochte die Stimmung vor zehn Jahren. Denn im Juli 2007 beschloss die Bundesregierung ein neues Nichtraucherschutzgesetz. Darin hielt sie die Bundesländer an, Regeln für das Rauchen in Kneipen aufzustellen. Der Aufschrei in der Branche war damals riesig. „Das Argument war, dass ein Verbot vor allem den kleinen Eckkneipen den Rest geben werde“, erinnert sich Christopher Lück, Sprecher des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Nach und nach nahmen die Länder ihre Gaststätten beim Thema Rauchen dann aber doch an die Leine. Und in der Tat seien die Umsätze in der Gastronomie zunächst eingebrochen, da viele Gaststätten umbauen mussten, sagt Lück. Das Gesetz sah nämlich Raucherbereiche vor, die in vielen Räumlichkeiten durch eine Abtrennung erst geschaffen werden mussten. Doch diese Umsatzeinbrüche seien mittlerweile ausgeglichen.

Einige Ausnahmen

Da die Tabakindustrie durchgesetzt hat, dass die konkrete Ausgestaltung des Rauchverbots den Ländern überlassen wird, sind die Vorgaben auch mehr oder weniger strikt. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Saarland beispielsweise gilt ein absolutes Rauchverbot in allen Gaststätten – ohne Ausnahme.

In Hessen hingegen ist das Rauchverbot nicht ganz so streng. Die Gesetzgeber haben einige Ausnahmen benannt, damit nicht alle Kneipen zwingend rauchfrei bleiben müssen. So darf in Gaststätten mit einem Gastraum, der nicht größer als 75 Quadratmeter ist, weiter geraucht werden – wenn der Besitzer es so will.

Die Auflagen: Zutritt ab 18 Jahren, an der Tür muss gekennzeichnet sein, dass es sich um ein Raucherlokal handelt und es dürfen nur kleine und kalte oder einfach zubereitete warme Speisen wie ein Frikadellenbrötchen verkauft werden. „Aufgrund der Ausnahmeregelungen hat die hessische Gastronomie im Vergleich zu Ländern wie Bayern keine größeren Schäden davongetragen“, sagt Sebastian Maier, Sprecher des Dehoga Hessen.

Hier habe die Rückläufigkeit der Eckkneipen ganz andere Ursachen: „Die größten Probleme sind Nachfolgeregelungen und der demografische Wandel. Die Menschen ziehen weg vom Land, weshalb die Umsätze beziehungsweise Erträge kaum zur Existenzsicherung der Wirte ausreichen. Muss die Kneipe nicht aus Existenzgründen geschlossen werden, fehlen die Nachfolger“, sagt Maier.

Zahl der Bars gestiegen

Das Nichtrauchergesetz habe zumindest in Hessen nichts mit der rückläufigen Gastronomie zu tun. „Hin und wieder kann eine Schließung mit dem Rauchverbot in Verbindung gestanden haben, aber die Ausnahmeregelungen helfen den Gastronomen“, weiß Maier.

Doch trotz vieler Hilfestellungen ist das Gastronomiegewerbe in der gesamten Bundesrepublik rückläufig. Aktuellen Daten des Dehoga zufolge ist die Zahl der Schankwirtschaften zwischen 2008 und 2014 deutschlandweit um mehr als 7000 auf rund 32 000 gesunken. „Das Rauchverbot ist nur ein Grund von vielen“, sagt Christopher Lück von Dehoga Bundesverband.

„Die Eckkneipe stirbt auch deshalb, weil das kommunikative Element bei den jungen Leuten nicht mehr eine so wichtige Rolle spielt wie früher. Junge Menschen wollen Entertainment und Life-Style“, weiß Lück. Die Zahl der Bars stieg im selben Zeitraum deshalb um mehr als 200 auf insgesamt 2000. In Hessen gab es 2004 noch rund 5000 getränkegeprägte Kneipen – also Gaststätten, die kein oder nur wenig Essen vertreiben –, 2013 waren es noch knapp 4000.

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