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Frankfurter Vergleichsportal Fintura ist seit 2015 online: Die Zukunft: Geld aus dem Netz

Nach dem Privatkundengeschäft greifen junge Technologie-Unternehmen die nächste Bankendomäne an: Firmenkunden. Ein Vertreter dieser Gattung ist ein Frankfurter Vergleichsportal: Fintura will Mittelständlern die richtige Finanzierungsform für ihre Investition vermitteln.
Schätzen den Fintech-Standort Frankfurt: Thomas Becher (37) und Gernot Overbeck (52). Schätzen den Fintech-Standort Frankfurt: Thomas Becher (37) und Gernot Overbeck (52).
Frankfurt. 

Der Mittelstand gilt als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Doch besonders kleine und mittlere Unternehmen haben es oft schwer, eine Finanzierung für ihre Investitionen (Fahrzeuge, Maschinen, Lagerhallen, IT-Komponenten) zu bekommen. Das Vergleichsportal Fintura will an dieser Stelle mit einem Online-Angebot helfen. Das Frankfurter Fintech aus Bank- und Risikoexperten, Produkt- und IT-Spezialisten verspricht innerhalb von 15 Minuten einen Konditionenvergleich für eine angefragte Finanzierung. Innerhalb von 72 Stunden erfolge die Zusage des ausgewählten Finanzpartners – Bonität vorausgesetzt.

Warum Frankfurt ein idealer Standort für diese sogenannten Fintechs ist, erklärt Fintura-Gründer Gernot Overbeck: Das „Setting“ sei extrem gut. „Man kann sich in Frankfurt mit den Bankern zum Kaffee treffen und prima fachsimpeln.“ Besonders die positive Entwicklung des aufstrebenden Fintech-Standortes am Main schätzen Overbeck (52) und sein Kompagnon Thomas Becher (37). In der deutschen Finanzhauptstadt bilde sich langsam ein Ökosystem für junge Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologie heraus, das Deutschlands Start-up-Hochburg Berlin Konkurrenz machen könne.

Im Schatten der EZB

Fintura hat sich in Räumlichkeiten im Frankfurter Sandweg eingerichtet. Die dortige Location im Schatten der mächtigen Europäischen Zentralbank wird von der Deutschen Börse für eine Handvoll Start-ups zur Verfügung gestellt. Dort findet auch Fintura gute Arbeitsbedingungen vor. Seit Juli 2015 ist das Unternehmen online.

Overbeck, studierter Physiker, hat schon Erfahrung mit Start-ups gesammelt. Er hatte bereits während der Promotion ein eigenes Unternehmen gegründet, damals eines, das Lasermikroskope herstellte. Seine zweite Gründung war ein Software-Unternehmen. Fintura, eine Kreation aus „Futura“ für Zukunft und dem Wort „Finanzen“ ist seine dritte Gründung. Davor war er lange im Private-Equity-Geschäft als Berater für international tätige Unternehmen wie Oliver Wyman und McKinsey tätig. Dabei lernte er auch Thomas Becher kennen, damals Direktor bei der Deutschen Bank. Beide wollten dasselbe. „Die kleinen und mittleren Unternehmen bilden 80 Prozent der Auszubildenden aus, erwirtschaften über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts“, erklärt Overbeck.

Den Banken ausgeliefert

„Sie sind das Herz der deutschen Wirtschaft und sind eigentlich ihren Banken ausgeliefert.“ Man wolle mehr Wettbewerb in die Branche bringen. Und einen volkswirtschaftlichen Nutzen solle das Ganze schon haben: „Wenn es uns gelingt, den Zinssatz nur um einen Prozentpunkt zu senken, hätten wir 3,5 Milliarden Ersparnis für Deutschlands Volkswirtschaft“, sagt Overbeck ehrgeizig.

Für kleine und mittlere Unternehmen sind Bankkredite oft nicht das Optimale. Fintura bietet deshalb verschiedene Finanzierungswege an. Auch arbeite man mit Mikrokreditfonds des Bundes zusammen, denn wenn es um 15 000 Euro für eine Maschine geht, sei das mancher Bank zu piefig. Die Provision, die Fintura bekommt, sei für alle Finanzierungsarten gleich hoch, versichert Overbeck.

Um eine Finanzierung zu erhalten, müssen die Firmen Dokumente wie Jahresabschlüsse hochladen. Nach 15 Minuten, so verspricht es Fintura, bekommen sie online einen automatisierten, an der eigenen Bonität orientierten Vergleich der günstigsten Finanzierungsarten. Der Abschluss findet dann zwischen dem Unternehmen und dem Finanzierungspartner statt. Das Gros der Abschlüsse bewege sich unter 250 000 Euro.

Vorbild Interhyp

Becher war zur Deutschen Bank gekommen, weil er Unternehmenskunden beraten wollte. „Für Dax-Konzerne ist das die perfekte Bank“, so Becher. Er aber wollte „näher an den Kunden und selbst ein guter Unternehmer sein.“ Die Geschichte des Immobilienfinanzierers Interhyp ist für ihn ein Vorbild.

Becher sieht auch einen großen Vorteil für die beteiligten Banken, denn man nehme diesen den größten Teil der Vorarbeit ab. „Das senkt deren Prozesskosten.“ Dass Fintura jede fünfte Anfrage ablehnen müsse, liege meist am fehlenden Eigenkapital. Nur zehn Prozent aller Anfragen kommen zum Abschluss. 80 Millionen Euro an Krediten habe man weitervermittelt.

In den letzten zwei Jahren habe Fintura zwei Millionen Euro an Risikokapital aufgenommen, das heißt, Anteile am Unternehmen an interessierte Investoren verkauft. Fintura konnte sechs Unterstützer und Financiers – sogenannte Business-Angels – gewinnen. Darunter sind so namhafte Persönlichkeiten wie Heiner Gürtler, Ex-Vorstand von Wella, Sebastian Pape, Eigentümer des Software-Unternehmens PPI und Patrick Wegmann von Avanon. Fintura-Gründer Overbeck möchte aber diesen Kreis noch erweitern. „Wir haben Bedarf, denn wir wollen ein ganz großes Unternehmen aufbauen.“

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