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Sanierungsplan: Die fünf großen Baustellen von Opel

Die Opelaner in ganz Europa schwanken zwischen Hoffen und Bangen. 100 Tage nach der Übernahme durch die französische Peugeot-Automobilgruppe schlägt den 19 000 Beschäftigten an den deutschen Standorten die Stunde der Wahrheit.
Insignia-Fertigung im Opel-Werk Rüsselsheim. Foto: (Vollformat) Insignia-Fertigung im Opel-Werk Rüsselsheim.

Die Opelaner in ganz Europa schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Am Donnerstag präsentiert der neue Opel-Vorstandschef Michael Lohscheller an der Seite von PSA-Konzernlenker Carlos Tavares den mit Spannung erwarteten Sanierungsplan. 100 Tage nach der Übernahme durch die französische Peugeot-Automobilgruppe schlägt den 19 000 Beschäftigten an den deutschen Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern die Stunde der Wahrheit. Wir versuchen, die Situation des Autobauers anhand seiner fünf größten Baustellen aufzuzeigen.

1: Es fehlt ein Konzept für Elektromobilität

Beim Autosalon Paris (Mondial de l'Automobile) wird am 29.09.2016 in Paris (Frankreich) beim ersten Pressetag das Elektroauto Opel «Ampera e» präsentiert. Vom 01.10. bis zum 16.10.2016 steht die alle zwei Jahre stattfindenden Messe Auto-Interessierten offen. Foto: Uli Deck/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Mit dem Zukunftsauto Ampera hatte Opel die IAA 2011 elektrisiert. Basierend auf einer Technologie der amerikanischen Schwestermarke Chevrolet war es erstmals gelungen, ein Elektroauto in Serie zu produzieren. Opel nannte es ein „Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerer“ und bewarb den Ampera mit dem Slogan „Fahren Sie mit unserem Elektrofahrzeug in die Zukunft“. Kein anderer deutscher Autohersteller konnte damals mithalten. Doch Opel verspielte den Vorsprung, versäumte es, die Anerkennung der Fachwelt in Nachfrage umzumünzen. 2014 beendete die US-Mutter General Motors das Ampera-Abenteuer. 2016 kündigte Opel mit dem Ampera-e einen Nachfolger an. Doch wieder floppte das Projekt. Die wenigen, für den europäischen Markt bestimmten Fahrzeuge aus Detroit wurden fast ausnahmslos nach Norwegen exportiert. Deutschland ging leer aus – Opel stand in der Heimat blamiert da.

2: Opel produziert zu teuer

Insignia-Fertigung im Opel-Werk Rüsselsheim, Februar 2017

Nach der Überzeugung von PSA-Chef Tavares muss Opel seine Produktionsprozesse effizienter gestalten und die Kosten enorm drücken, um in zwei Jahren wieder profitabel zu sein. Denn klar ist: Tavares misst jedes Modell rücksichtslos an der Rendite. Damit hat er beim einst angeschlagenen PSA-Konzern mit den Marken Peugeot, Citroen und DS in kurzer Zeit großen Erfolg gehabt. Deren Sanierung könnte als Blaupause für Opel dienen. Der Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer bescheinigt Opel große Defizite im Effizienz-Vergleich mit PSA. Er sieht daher 6000 der insgesamt 38 000 Jobs gefährdet. Da nützt es wenig, wenn der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug die Schuld an aufgeblähten Prozessen bei der früheren Muttergesellschaft GM sucht. Opel muss wohl die Abläufe verschlanken, die Modellpalette straffen, Überkapazitäten in den Werken abbauen oder die Produktionszahlen in die Höhe treiben, wenn den Mitarbeitern ein Kahlschlag erspart bleiben soll und die drei deutschen Werke eine Zukunft haben sollen.

3: Das deutsch-französische Verhältnis

Die Geburt eines europäischen Champions: Opel und Vauxhall sind jetzt Teil der PSA-Gruppe / Handshake: Opel-Chef Michael Lohscheller und der Vorstandsvorsitzende von PSA, Carlos Tavares (rechts), vor dem neuen Insignia. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/59486 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Opel Automobile GmbH" Foto: Opel Automobile GmbH/Opel Automobile GmbH/obs

Bisher hat Tavares als neuer Konzern-Boss versucht, die Eigenständigkeit von Opel nicht zu untergraben. Er hat dem neuen Opel-Chef die Ausarbeitung des Zukunftsplanes aufgetragen und der Rüsselsheimer Marke größtmögliche Autonomie im PSA-Verbund zugesichert. Ob Tavares die deutsche Tochter weiter von Paris aus an der langen Leine führen kann, hängt auch von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ab. Einen lang anhaltenden Konfliktherd kann sich der PSA-Chef nicht leisten. Die Sanierung kann nur gelingen, wenn sie zügig angegangen und umgesetzt wird.

4: Das Internationale Technische Entwicklungszentrum (ITEZ) in Rüsselsheim

ARCHIV - Zwei Männer gehen am Donnerstag (21.10.2004) in Rüsselsheim am Gebäude der Internationalen Technischen Entwicklung des Opel-Werks vorbei. (Zu dpa «Erste Verzögerungen im Opel-Verkaufsprozess» vom 30.05.2017) Foto: Frank May/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Über 7000 Ingenieure sorgen dafür, dass sich das Opel-Gen in dieser Automobilschmiede fortpflanzt. Über Jahrzehnte bestimmten die Konstrukteure und Techniker dort die DNA der Marke. Das hat ihnen international eine hohe Reputation eingebracht. Doch die aktuellen Signale deuten darauf hin, dass die künftigen Modelle auf die Technik des neuen französischen Mutterhauses umgestellt werden sollen. Im Ergebnis führt das zu einer großen Zahl an Doppelfunktionen in den Entwicklungsabteilungen in Paris und Rüsselsheim. Wenn das ITEZ aber zu einer Unterabteilung der PSA-Konstrukteure degradiert werden sollte, sind dort jede Menge Ingenieure zu viel an Bord. Zudem dürfte es schwerer fallen, Top-Nachwuchskräfte für Opel zu rekrutieren.

5: Hohe Rabatte

Opel, Peugeot, Rüsselsheim

Die Marke Opel hat sich im laufenden Jahr einen guten Teil der Marktanteile auf dem deutschen Markt durch hohe Rabatte teuer erkauft. Fast jeder zweite neu zugelassene Astra, Mokka oder Corsa ist eine Eigenzulassung – also ein Fahrzeug, das etwa als Tageszulassungen oder Vorführwagen in den Markt gedrückt wurde. Das ist Spitze in Deutschland, wie Prof. Dudenhöffer feststellt. Damit schadet Opel nicht nur seinem Renommee, sondern schmälert unterm Strich seine Erlöse und produziert Verluste.

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