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Ende einer Ära: Die letzten Air Berlin Flugzeuge sind gelandet

Gestern landeten die letzten Flugzeuge in der Geschichte von Air Berlin. Den Piloten gelang in letzter Minute eine Einigung mit der Lufthansa.
Eine Air-Berlin-Maschine startet in München zum letzten Flug der Gesellschaft nach Berlin-Tegel. Foto: Alban Grosdidier (dpa) Eine Air-Berlin-Maschine startet in München zum letzten Flug der Gesellschaft nach Berlin-Tegel.
Berlin. 

Der Pilot des letzten Air-Berlin-Flugs geht mit mulmigem Gefühl an seinen letzten Start für die Airline. „Bittersüß“, sei ihm zumute, sagte David McCaleb: „Es ist schon komisch, so ein Ende zu erleben.“ Der 60-jährige Amerikaner ist ein Urgestein bei Air Berlin, seit 1977 Pilot und seit 27 Jahren für die rot-weißen Farben unterwegs. Er hat Aufstieg und Fall der 1978 gegründeten Airline erlebt und konstatiert nun nüchtern: Seit dem Börsengang 2006 und der verzögerten Eröffnung des geplanten Großflughafens BER sei Air Berlin in Schieflage geraten. „Operativ waren wir immer eine sehr sichere Airline. Unternehmerisch lief leider nicht immer alles gut.“ Seit dem Börsengang summierten sich die Verluste auf drei Milliarden Euro. Kapitän McCaleb sollte zusammen mit seinem Kollegen Roland Koch am Abend den Flug AB 6210 von München nach Berlin-Tegel steuern. Der ausgebuchte Airbus A320 mit der Registrierung D-ABNW sollte um 22.45 Uhr in der Hauptstadt landen und beendete eine Ära. Air Berlin stellt seinen Flugbetrieb in Eigenregie ein. Die 178 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder wurden am Airport von einer Wasserfontäne der Flughafenfeuerwehr begrüßt – wie bei solchen Ereignissen üblich.

Tarifabschlus mit VC

Eine Beschäftigungsgesellschaft war für die Piloten der Air Berlin nie eine Option. Die Jobaussichten der Frauen und Männer ganz vorne im Flugzeug sind ungleich besser als die vieler Verwaltungsmitarbeiter oder Flugzeugtechniker der nun untergehenden Fluggesellschaft. In den einschlägigen Portalen sind zahlreiche Stellenanzeigen für Airbus-Piloten zu finden – meistens, aber durchaus nicht nur bei Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns.

Bei den Piloten herrscht dennoch eine Mischung aus Enttäuschung, Wut – und Wehmut, erzählt ein junger Co-Pilot. „Es ist gerade sehr emotional. Uns wird bewusst, dass es nun zu Ende geht. Wir bedauern das alle sehr. Keiner weiß, wie es weitergeht.“ Man fühle sich im Stich gelassen. „Wir rechnen bis Montag mit der Kündigung.“

Bis zum bitteren Ende hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit den Air-Berlin-Flugzeugführern geraten, sich nicht auf die ausgeschriebenen Stellen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings zu bewerben, die mit 81 Flugzeugen den Großteil des Nachlasses übernehmen wird – sofern denn die Kartellbehörden mitspielen. Dies geschieht durch die Übernahme der nicht insolventen AB-Töchter Niki und LG Walter, deren rund 1700 Leute einfach zu den bisherigen Bedingungen weiter machen können. 1300 weitere, darunter auch 400 Piloten, sollten sich bei der Eurowings neu bewerben.

Anders als die für das Kabinenpersonal zuständigen Gewerkschaften Verdi und Ufo hat die VC es lange abgelehnt, mit der Eurowings eine Vereinbarung zu den Aufnahmeregeln zu treffen. Eigentlich hält man den ganzen Deal für einen Betriebsübergang, bei dem die Beschäftigten einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung hätten. Erst gestern hat sich die Lufthansa-Tochter mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf einen Tarifvertrag geeinigt, in dem die Einstellungsbedingungen für Air-Berlin-Piloten geregelt sind. Laut Mitteilung des Unternehmens sollen die Piloten bei der deutschen Teilgesellschaft Eurowings GmbH zu deren Tarifbedingungen eingestellt werden. Damit würde für die Beschäftigten weiterhin deutsches Tarifrecht gelten. Bislang waren Einstellungen bei der in Wien angesiedelten Eurowings Europe geplant. In dem Vertrag ist auch geregelt, wie sich die Neueinstellungen auf die Karrierechancen des bereits bei Eurowings tätigen Personals auswirken. Details sollen erst nach Zustimmung der Gremien bis 6. November bekannt gegeben werden.

„Fliegen ist mein Leben“

Je nach vorheriger Stellung müssten die AB-Piloten Gehaltseinbußen bei einem Wechsel hinnehmen. Die Angaben dazu schwanken zwischen 10 (Eurowings-Chef Thorsten Dirks) und 40 Prozent (VC). „Der Lufthansa-Konzern nutzt die Air Berlin-Pleite, um die Tarifbedingungen in breiter Front nach unten zu drücken“, sagt ein Langstrecken-Kapitän, der noch zu LTU-Tarifkonditionen eingestellt wurde. Auch Berufsjahre und Betriebsrenten stünden auf dem Spiel.

Aktuell hat die Eurowings noch ziemlich große Personallücken. Weil sie zu wenige eigene Crews und auch noch nicht genug fertig übertragene A320-Jets besitzt, mietet sie eine zweistellige Zahl von Flugzeugen samt Besatzungen auf dem freien Markt an. Außerdem setzt sie 17 kleine Propeller-Maschinen der von AB zu übernehmenden LG Walter auf Eurowings-Strecken ein, obwohl sie nur halb so viele Plätze bieten wie ein Airbus A 319. Damit wird ein Folge-Konkurs dieser einstigen AB-Tochter vermieden, die im übrigen ebenfalls händeringend neue Piloten sucht.

McCaleb würde am liebsten weitermachen. „Ich würde gern bis 65 fliegen. Fliegen ist mein Leben und meine Berufung.“ Aber in seinem Alter seien die Angebote eher rar. Er hatte sich für die Durchsage kurz vor der Landung schon ein paar Abschiedsworte zurechtgelegt: „Dies ist ein sehr emotionaler Moment für mich und meine Crew.“ Aber man werde sich sicher irgendwo wiedersehen. Zum Abschluss wollte McCaleb dann sagen: „Vielen Dank für alles und einen schönen und erfolgreichen Weiterflug durch Ihr persönliches Leben wünscht Ihnen Ihr Kapitän Dave und die ganze Crew.“

(rtr,dpa)
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