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Automarkt: Diesel-Verkäufe im freien Fall

Von Dem Diesel-Dilemma zum Trotz ist der deutsche Pkw-Markt stark ins Jahr gestartet und hat im Januar und Februar sein bestes Zulassungsergebnis seit 2009 erzielt. Unter den Automarken hat Opel einen eher bescheidenen Jahresstart hingelegt.
Unter den fabrikneuen Fahrzeugen, die auf einem Gelände im hessischen Biebesheim zur Abholung geparkt sind, sind immer weniger Diesel. Foto: Boris Roessler (dpa) Unter den fabrikneuen Fahrzeugen, die auf einem Gelände im hessischen Biebesheim zur Abholung geparkt sind, sind immer weniger Diesel.
Frankfurt. 

Deutschlands Autofahrer sind in Aufruhr. Das drohende Fahrverbot für altere Dieselfahrzeuge – auch in hessischen Städten wie Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden oder Limburg – bringt sie auf die Palme. Viele fühlen sich von den Autobauern betrogen und von der Politik im Stich gelassen. Die Empörung ist groß, doch von Kaufzurückhaltung keine Spur. In den beiden ersten Monaten des neuen Jahres sind bundesweit knapp zehn Prozent mehr Neuwagen auf die Straßen gerollt als im Vorjahr. Dennoch hat diese Nachricht, die die Lobbyverbände der Automobilindustrie als Rekordergebnisse feiern, auch eine Schattenseite. Denn der Diesel-Absatz bricht weiter ein. Deutschlands Autokäufer zeigen den Selbstzündern die kalte Schulter. Sie fürchten Fahrverbote, Wertverluste und Imageschaden, wie es ein ADAC-Vertreter nannte. „Die Kunden wenden sich derzeit in Scharen vom Diesel ab, weil sie zutiefst verunsichert sind“, erklärte Auto-Experte Peter Fuß von Ernst & Young. Und nun droht der Branche weiteres Ungemach durch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Autoimporte mit Strafzöllen zu verteuern.

Hoher Wertverlust

Der Absatz dieselangetriebener Pkw befindet sich im freien Fall und ist im Februar um ein Fünftel eingebrochen. Benziner legten um ein Viertel zu. Damit sind zwei Drittel aller Neuwagen Benziner. Gut 2500 Elektroautos wurden neu zugelassen, dazu 8300 Hybrid-Pkw.

Nach Erkenntnissen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) prägt die Diesel-Diskussion inzwischen ganz entscheidend den Autokauf. Für ein Viertel aller Neuwagen- und für 15 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufer ist die Frage nach der Motorisierung das ausschlaggebende Argument geworden, heißt es im aktuellen „Diesel-Barometer“.

Darin wird auch aufgezeigt, welchen Wertverlust Diesel-Besitzer inzwischen hinnehmen müssen. Am Beispiel eines drei Jahre alten Gebrauchtwagens, der jährlich 15 000 bis 20 000 Kilometer fährt, hat die DAT ermittelt, dass sich die Preisschere zwischen Benzinern und Diesel im vergangenen Jahr weit geöffnet hat. Im Januar 2017 erzielten Verkäufer beider Antriebsarten für ihr Fahrzeug nahezu identische 56 Prozent vom Listenpreis. Am Jahresende gab es für den Benziner etwas mehr (57,2 Prozent), für den Diesel aber nur noch 52,6 Prozent des ehemaligen Listenpreises. Diese Tendenz ist ungebrochen, wie Gebrauchtwagenhändler beklagen.

Knapp 262 000 Neuwagen wurden im Februar neu zugelassen. Das war ein deutliches Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Noch besser sieht die Zweimonatsbilanz aus: Rund 532 000 Neuwagen haben die Kfz-Zulassungsstellen bearbeitet. Das sind fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Wie haben sich die Marken im Wettbewerb geschlagen?

Opel jubelt – warum?

Unangefochtener Marktführer in Deutschland bleibt Volkswagen. Die kritische Schwächephase nach dem Auffliegen des Diesel-Betrugs in den USA ist inzwischen auf dem deutschen Markt überwunden. VW kann wieder überdurchschnittlich viele Käufer überzeugen und erobert sich verloren gegangene Marktanteile Schritt für Schritt zurück. Der Marktanteil von gut 19 Prozent ist allerdings noch ein gutes Stück von früheren Glanzzeiten entfernt.

Und die hessische Marke mit dem Blitz-Logo? Im Februar hat sich Opel in etwa marktkonform entwickelt und einen schönen Zuwachs von knapp sieben Prozent eingefahren. Die beiden Monate Januar und Februar zusammen betrachtet, fällt das Urteil bescheidener aus. 3,6 Prozent mehr Opel als im Vorjahr sind neu auf Deutschlands Straßen gerollt. Das ist weit unter dem Marktwachstum. Damit verliert Opel Marktanteile. Da klingen auch die Jubel-Arien der Opel-Pressestelle wenig überzeugend: „Angetrieben von den Verkäufen der SUVs Mokka X, Grandland X und Crossland X hat der Autobauer aus Rüsselsheim im Januar und Februar 2018 in Deutschland insgesamt knapp 36 600 Pkw verkauft – ein Plus von rund 1300 Fahrzeugen und der beste Wert in diesem Zeitraum seit zehn Jahren.“ Welche Superlative soll Opel-Rivale Ford da gebrauchen? Der deutsche Ableger des US-Autoriesen hat ein Plus von fast zwölf Prozent auf der Habenseite verbucht und zeigt den Rüsselsheimern die Auspuffrohre. Platz zwei auf dem deutschen Markt hat Mercedes verteidigt, gefolgt von Audi und den schwächelnden Bayerischen Motorenwerken.

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