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Frankfurt Digital: Dieses Frankfurter Start-up "myPension" hilft bei der Altersvorsorge

Von Nachdem der digitale Wandel die Musik- und Verlagswelt ebenso erfasst hat wie die Bankenwelt, machen sich Start-ups nun daran, im Mausklick-Tempo auch die Versicherungsbranche aufzumischen. Dabei ist myPension einer der wenigen „Insurtechs“, die ein Altersvorsorge-Produkt anbieten.
Rogier Minderhout, Gründer und Geschäftsführer von myPension in der Chill-out-Lounge des Tech Quartiers im Frankfurter Pollux. Foto: Salome Roessler Rogier Minderhout, Gründer und Geschäftsführer von myPension in der Chill-out-Lounge des Tech Quartiers im Frankfurter Pollux.
Frankfurt. 

Rogier Minderhout muss gleich los. Er muss zur Schule. Nicht als Lehrer. Auch nicht als Vater. Und nein, schon gar nicht als Schüler. Der 49-Jährige, der sein Studium an der renommierten Stanford University in Kalifornien mit Auszeichnung abgeschlossen hat, soll eine Rede halten – vor den Absolventen der International School Frankfurt-Rhein-Main in Sindlingen. Die Jugendlichen erhalten heute Nachmittag ihr „International Baccalaurate“, das mit dem deutschen Abitur vergleichbar ist. Was er den Teens erzählen will? „Dass jeder Mensch stolz darauf sein sollte, anders zu sein als die große Masse, dass jeder stolz darauf sein sollte, ausgetretene Pfade zu verlassen“, sagt Minderhout. „Man muss sich selbst finden, um Erfüllung zu finden“, so der Niederländer „und ich habe mich hier selbst gefunden.“

Hier – das ist die zweite Etage des Frankfurter Büroturms „Pollux“, nahe des Messe-Turms. Hier hat das Land Hessen Ende vergangenen Jahres mit Partnern aus der Wirtschaft für die wachsende Community von jungen Finanztechnologie-Firmen eine Heimat mit dem Namen „Tech Quartier“ geschaffen. Und hier hat Minderhout sein Büro: als Gründer und Geschäftsführer des Mitte 2016 gegründeten Start-ups myPension, zu deutsch „Meine Rente“.

Ex-Investmentbanker

Als Start-up-Unternehmer weiß er, was es heißt, ausgetretene Pfade zu verlassen. Lange Jahre hat er bei der US-Gesellschaft Goldman Sachs – eine der weltweit führenden Investmentbanken – milliardenschwere Übernahmen und Börsengänge mit eingefädelt. Zunächst in London, später in Frankfurt. „Natürlich war ich damals stolz darauf, im Konzert der ganz Großen mitzuspielen“, erinnert sich Minderhout. Aber nach 15 Jahren hatte er genug davon. „Ich wollte etwas Eigenes schaffen, bei einem weißen Blatt Papier anfangen und Schritt für Schritt eine Unternehmung formen, für die ich selbst die Verantwortung trage.“

Nach einer Geschäftsidee musste Minderhout nach eigener Aussage nicht lange suchen: „Die Schwächen der herkömmlichen Altersvorsorge-Produkte sind doch offensichtlich“, meint er, „die Produkte sind intransparent, überteuert, und das Geld wird auch noch falsch angelegt. Das wollte ich besser machen.“ Also beschloss er mit Internet und Indexfonds (ETFs) eine Alternative zu schaffen, die transparent, flexibel und renditestark sein sollte. Das Ergebnis: eine digitalisierte Altersvorsorge in Form eines ETF-Sparplans, der in einem Versicherungsmantel steckt. Deshalb gilt myPension als „Insurtech“ – das Wort ist eine Kombination aus den Begriffen „Insurance“ für Versicherung und „Technology“ für den digitalen Vertriebsweg.

Am liebsten hätte Minderhout dafür seine eigene Versicherung gegründet. „Aber laut Finanzaufsicht BaFin hätte ich für den Vermögensschutz vier bis fünf Millionen Euro vorhalten müssen. Und so viel Geld hatte ich nicht.“ Deshalb kooperiert myPension mit der Göttinger Versicherung Mylife, die sich als einziger deutscher Lebensversicherer mit Netto-Tarifen einen Namen gemacht hat und natürlich der BaFin untersteht. Sie bewahrt die Guthaben der myPension-Kunden auf, trägt sowohl in der Ansparphase als auch in der Rentenphase das zu versichernde Risiko. Weiterer Partner von myPension ist der US-Vermögensverwalter Vanguard; der ETF-Spezialist ist der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt. Zunächst bildet das Lebenszyklus-Portfolio von myPension mit fünf Vanguard-ETFs die Wertentwicklung von rund 3000 Unternehmenstiteln aus Europa, Nordamerika, Japan und den Schwellenstaaten ab – und ist damit sehr breit gestreut. Wie bei Lebenszyklus-Modellen üblich, wird das Portfolio mit steigendem Kunden-Alter zunehmend in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet, um das Risiko zu minimieren.

Wie die Kosten sinken

Seine ETF-Rentenversicherung biete die niedrigsten Kosten, verspricht Minderhout. „Bei der klassischen Rentenversicherung ist doch das Vermittler-Modell noch immer der gängige Vertriebsweg. Aber die typische Abschluss-Provision des Vermittlers beträgt vier Prozent der Beiträge. Und die bezahlt der Kunde über die gesamte Laufzeit seines Versicherungsvertrags“, gibt Minderhout zu bedenken. „Unsere Altersvorsorge gibt es dagegen nur im Internet. Deshalb bezahlen wir keine Vermittler-Provision. Vertriebliche Abschlusskosten, Ausgabe-Aufschläge und Kündigungskosten fallen bei uns auch nicht an“, verspricht er. Außerdem investieren wir ja nur in kostengünstige Indexfonds, die viel günstiger sind als aktiv gemanagte Fonds.“ Entsprechend groß seien die Chancen, eine höhere Rendite zu erzielen. Die Proforma-Rendite seines Portfolios für die vergangenen 30 Jahre beziffert Minderhout auf sechs Prozent.

Wie viele Kunden myPension seit dem Markteinstieg im Oktober vergangenen Jahres gewonnen hat? Die Frage möchte Minderhout nicht direkt beantworten. Aber soviel verrät er: „Wir sind mit dem bisherigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Allerdings sind es noch zu wenige Kunden, als dass das Unternehmen schon Gewinn abwerfen würde. Wir haben ja auch sehr knapp kalkuliert“, so der Gründer, der die Firma samt seiner zwölf Mitarbeiter selbst finanziert.

Telefon bleibt wichtig

Das Gros seiner Kunden sei männlich und investiere im Durchschnitt knapp 250 Euro im Monat, berichtet Minderhout. Die meisten von ihnen seien sehr gut mit der Materie vertraut. Woher er das wisse? „Weil auch unsere Kunden selten einen Vertrag abschließen, ohne uns vorher telefonisch kontaktiert zu haben.“ Sieben seiner zwölf Mitarbeiter sind in der Kunden-Betreuung tätig, beantworten geduldig per Telefon oder Mail die Fragen von Interessenten. Die reichen von „Was bringt der Versicherungsmantel?“ über „Sind die ETFs synthetisiert?“ bis hin zu „Kann ich Ihnen mein Geld wirklich anvertraen?“

„Natürlich müssen wir hier ein dickes Brett bohren, um Vertrauen zu schaffen“, sagt Minderhout. „Deshalb bieten wir höchste Transparenz über das, was wir tun.“ Erst wenn dieses Vertrauen geschaffen sei, habe es Sinn, Werbekampagnen zu fahren. So konzentriert sich Minderhout zunächst darauf, möglichst viele Tagungen und Kongresse zu besuchen und mit Bloggern und Journalisten zu sprechen, um auf sein myPension-Konzept aufmerksam zu machen. Und Kunden, die mit dem Angebot zufrieden sind, erhalten eine Geld-Prämie, wenn sie Freunde und Bekannte für myPension gewinnen. „Das klappt sehr gut“, sagt Minderhout.

Dass er es auf diesem Wege nicht in den Massenmarkt schafft, ist Miderhout bewusst. „Früher oder später wird es Sinn machen, Investoren an Bord zu holen, die uns mit ihrem Netzwerk oder bei der Vermarktung unterstützen können“, weiß der Niederländer. Zumal er schon an dem nächsten Produkt arbeitet: Er möchte bald auch eine betriebliche Altersvorsorge anbieten.

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