Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 11°C

Lesertelefon: ETF als Sparbüchse für die Enkel

Wie legt man einen kleinen oder großen Geldbetrag am besten an? Wie sieht es mit Aktien aus? Steht ein Börsen-Crash kurz bevor? Sind ETF besser als aktiv gemanagte Fonds? Befreien Bitcoins aus der Renditefalle?
Unsere Anlage-Experten am Lesertelefon: (v.l.) Dieter Roth, Michael Schmidt und Apostolos Simoglu. Den Chat betreute Murray Halicilar. Foto: Rainer Rüffer Unsere Anlage-Experten am Lesertelefon: (v.l.) Dieter Roth, Michael Schmidt und Apostolos Simoglu. Den Chat betreute Murray Halicilar.

Wie legt man einen kleinen oder großen Geldbetrag am besten an? Wie sieht es mit Aktien aus? Steht ein Börsen-Crash kurz bevor? Sind ETF besser als aktiv gemanagte Fonds? Befreien Bitcoins aus der Renditefalle? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage in der aktuellen Nullzins-Phase beantworteten unseren Lesern vier Experten vom Bundesverband deutscher Banken am Telefon und im Live-Chat. Aus der zweistündigen Sitzung in unserem Verlagshaus ein kurzer Auszug an Fragen und Antworten:

FRAGE: Ich habe 100 000 Euro, davon benötige ich einen Teil für eine Hausreparatur, das übrige möchte ich so anlegen, dass es Rendite bringt. Was schlagen Sie mir vor?

ANTWORT: Das Geld für die Hausreparatur und vielleicht eine weitere Reserve für Notfälle sollten Sie sicher und schnell verfügbar zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto griffbereit haben. Wenn Sie für das übrige Geld Rendite haben möchten, kommen Aktien und Fonds in Betracht. Dafür benötigen Sie aber einen längeren Anlagehorizont und müssen bereit sein, Kursschwankungen auszuhalten. Ganz ohne Risiko gibt es keine Rendite.

Lohnt es sich, Geld in Aktien anzulegen, wenn man es in drei bis vier Jahren wieder benötigt?

Der Anlagehorizont für Aktienanlagen sollte länger sein, eher zehn Jahre und mehr. Denn auf Sicht weniger Jahre ist das Kursrisiko hoch. Die Erfahrung zeigt: Je länger der Anlagehorizont, desto geringer wird das Kursrisiko. Aktien sind ideal, wenn man für 15, 20 Jahre und länger investieren möchte.

Unsere Berater raten von Anlagen in die virtuelle Währung „Bitcoin“ ab. Bild-Zoom Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild)
Unsere Berater raten von Anlagen in die virtuelle Währung „Bitcoin“ ab.

Sind deutsche Aktien nach den jüngsten Börsenrekorden inzwischen zu teuer?

Legt man die großen deutschen Standardaktien aus dem Dax 30 zugrunde, kann man von einer Überteuerung eigentlich nicht sprechen, da auch die Gewinne der Unternehmen gestiegen sind. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis trotz der Rekordkurse beim Dax immer noch im Bereich des langfristigen historischen Durchschnitts. Solange die Wirtschaftsaussichten gut bleiben, bleiben auch die Börsenperspektiven positiv. Wenn Sie langfristig Rendite erzielen möchten, kommen Sie an Aktien kaum vorbei. Denn im verzinsten Bereich geht die Rendite gegen Null.

Kommt nach dem Börsen-Höhenflug bald der Crash?

Von einem Crash sind wir, wenn man die fundamentalen Wirtschaftsdaten betrachtet, weit entfernt. Externe Schocks durch politische Krisen oder Terror kann man natürlich nicht ausschließen. Von daher sind Kursrückschläge immer möglich.

Wir haben verschiedene Investmentfonds, die vor 2009 erworben wurden. Sollen wir die wegen der Steuerpflicht von Veräußerungsgewinnen ab 1. Januar 2018 besser vorher verkaufen?

Steuerpflichtig bei Altbeständen von Fonds, also vor 2009 erworbenen Fondsanteilen, sind nur die Kursgewinne, die ab 1.1.2018 entstehen. Bis dahin angefallene Kursgewinne bleiben weiterhin steuerfrei, über 2017 hinaus. Wegen der neuen steuerlichen Regelungen ab 1. Januar ist daher ein Verkauf Ihrer Fondsanteile noch in diesem Jahr nicht notwendig.

Leibrente oder Fonds

Ich bin 80 Jahre alt und möchte 70 000 Euro verrenten lassen. Oder gibt es bessere Alternativen?

Eine Sofortrente oder Leibrente bietet Ihnen eine lebenslang gesicherte Rentenzahlung. Die Verzinsung ist jedoch angesichts der anhaltenden Nullzinsphase niedrig. Ein Fonds-Auszahlplan könnte eine Alternative sein, bei der Sie die höheren Renditechancen von Fonds nutzen können. Aber dann sind Sie abhängig von der Börsenentwicklung und müssen Kursschwankungen hinnehmen. Wenn Sie über die Fondserträge hinaus weiteres Kapital entnehmen, müssen Sie zudem den Kapitalverzehr berücksichtigen, das heißt irgendwann wäre das Kapital aufgebraucht.

Wir haben drei Häuser und ansonsten unsere Ersparnisse vollständig in verschiedenen Fonds angelegt. Nun werden 30 000 Euro frei. Wie legen wir am besten den Betrag an?

Achten Sie grundsätzlich auf eine breite Streuung des Vermögens. Die Fonds sollten also so ausgewählt sein, dass sie Ihrer Risikoeinstellung entsprechen. Wenn Sie aktuell keine Liquiditätsreserven haben, würden wir dazu raten, die 30 000 Euro auf einem Tagesgeldkonto zu belassen, um für Notfälle – auch für Reparaturen an den Häusern – gewappnet zu sein.

Aktive Fonds versus ETFs

ETF oder aktive Fonds, was ist besser?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index nach, wie beispielsweise den Dax oder den MSCI-World. ETFs – also börsengehandelte Indexfonds – entwickeln sich daher wie der zugrunde gelegte Index und machen dementsprechend deren Kursentwicklungen mit. Wenn man breit gestreut in deutsche Standardwerte oder weltweite Aktien anlegen möchte, kommt ein entsprechender ETF in Betracht. Bei einem aktiven Fonds sucht das Fonds-Management die einzelnen Werte aus, in die investiert wird. Dabei kann ein guter Fonds-Manager auch den Index schlagen, auch wenn die Kostenstruktur bei ETFs grundsätzlicher deutlich günstiger ist, weil die Verwaltungsgebühren niedriger sind und kein Ausgabeaufschlag anfällt.

<span></span> Bild-Zoom

Ich möchte 6000 Euro für meinen Enkel anlegen, der fünf Monate alt ist. Das Geld soll er mit 18 Jahren bekommen. Sparbuch, Fonds – was würden Sie vorschlagen?

Auf dem Sparbuch ist die Verzinsung gleich null. Davon würde ich abraten. Wenn Sie die langfristig guten Renditechancen von Aktien nutzen möchten, sollten Sie an einen weltweiten Aktienfonds oder ein entsprechendes ETF denken.

Ein Sparbrief für drei Jahre oder Tagesgeld, was macht Sinn?

In beiden Fällen ist das Zinsniveau unattraktiv. Überlegen Sie, ob Sie sich wirklich für drei Jahre an das aktuell sehr niedrige Zinsniveau binden wollen. Beim Tagesgeld haben Sie jederzeitige Verfügbarkeit über das Geld.

Aus einem Hausverkauf erhalte ich 400 000 Euro, ich bin 77 Jahre alt und benötige etwa 20 000 Euro jährlich daraus. Das Geld kann verbraucht werden. Wie soll ich anlegen?

Eine interessante Möglichkeit könnte für Sie ein Fonds-Entnahmeplan sein. Dabei würden Sie das Geld in Fonds Ihrer Wahl anlegen, zum Beispiel in Mischfonds, und entnehmen jedes Jahr 20 000 Euro. Besprechen Sie das mit Ihrem Berater, der Ihnen auch bei der Fondsauswahl helfen kann.

Sparpläne

Für meine Enkel suche ich eine attraktive Geldanlage, wobei ich regelmäßig Sparbeiträge zurücklegen möchte. Was schlagen Sie vor?

Wenn Sie langfristig Vermögen für Ihren Enkel aufbauen möchten, kommt ein Fondssparplan in Betracht. Die höchsten Renditechancen bieten dabei langfristig Aktienfonds. Fondssparpläne sind flexibel: Sie können die Sparrate jederzeit verändern, damit aussetzen und auch Sondereinzahlungen vornehmen.

Wir wollen 80 000 anlegen, sollen wir Einzelaktien kaufen?

Dann müssen Sie sich über die einzelnen Aktien auch informieren und sollten die Entwicklung regelmäßig beobachten. Möchten Sie das nicht, sind Aktienfonds die bessere Wahl, zumal dabei eine breitere Risikostreuung möglich ist. Wenn Sie regelmäßig Erträge haben möchten, könnten Dividendenfonds in Betracht kommen.

Keine Bitcoins!

Soll ich in Krypto-Währungen investieren? Man hört in letzter Zeit so viel von Bitcoins oder Ethereum und deren raketenhaften Kursanstieg.

Das sind hochspekulative Anlagen. Der Markt ist nicht reguliert und hat so gut wie keine Transparenz. Hohe Verluste sind jederzeit möglich.

Meinen Sie, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Aktien von Borussia Dortmund zu kaufen weil die ja derzeit so arg schlecht spielen?

Auch die Aktie eines Fußballvereins unterliegt mehreren Einflussfaktoren. Hier geht es nicht nur darum ob Borussia Dortmund aktuell den dritten Tabellenplatz in der Bundesliga belegt.

Sind Unternehmensanleihen eigentlich generell riskanter als Staatsanleihen? Ich würde gerne in Anleihen von VW, von innogy und Fraport investieren – wie schätzen Sie das Risiko ein?

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, welche verschiedene Chancen und Risiken mitbringen. Umso besser die Bonität eines Unternehmens bzw. Landes, umso niedriger ist die Renditeerwartung. Die von Ihnen genannten Unternehmen geben verschiedene Anleihen aus, es wird etwa in Laufzeiten unterschieden. Gerne können Sie sich mit Ihrem Berater bei Ihrer Hausbank zusammensetzten, um passende Anlagemöglichkeiten für Ihr Portfolio zu wählen. ba

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse