Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 17°C

Chaotische Verhältnisse befürchtet: EU will Laptop-Verbot auf US-Flügen verhindern

Von USA planen auch für Flüge von Europa nach Nordamerika die Verbannung mobiler Computer in den Frachtraum. Aber Brüssel will nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
In Deutschland wären bis zu 100 000 Passagiere in der Woche betroffen. Foto: Wolfgang Kumm (dpa) In Deutschland wären bis zu 100 000 Passagiere in der Woche betroffen.
Brüssel. 

Washington hat die EU wieder einmal tief verärgert. Als die USA im März ein Laptop-Verbot für Flugreisende aus acht Ländern des arabischen Raums sowie aus Nordafrika erließ, glaubten sich die Europäer noch sicher. In dieser Woche verschärfte sich die Situation jedoch. Spekulationen von einer unmittelbar bevorstehenden Ausweitung der jüngsten Sicherheitsauflagen auch auf Flüge von Europa nach Nordamerika machten die Runde. Das Verbot beträfe sämtliche Elektrogeräte, die größer als ein Smartphone sind,

Die US-Regierung hat vergangene Woche aus Sicherheitsgründen die Mitnahme von größeren Elektronikgeräten im Handgepäck auf Flügen von aus einigen Ländern in die USA verboten. Foto: Frank Leonhardt
Laptop-Verbot Kommentar: Ohne Notebook

Dass in Europa elektronische Geräte längst vor dem Scannen ausgepackt werden müssen, reicht nämlich durchaus, um versteckte Materialien zu finden. Ein Kommentar von Detlef Drewes.

clearing

Am Donnerstag tagte das Flugsicherheitskomitee der EU (EU AVSEC) in Brüssel, um zur Vorsicht schon mal die praktische Umsetzung zu diskutieren. Wie tief die Verwunderung der EU-Kommission wirklich ist, verrät ein erst jetzt bekannt gewordenes Schreiben von Verkehrskommissarin Violeta Bulc und ihrem griechischen Kollegen Dimitris Avramopoulos, der für die innere Sicherheit zuständig ist. Sie haben Mitte dieser Woche die US-Administration deutlich zu einem Treffen aufgefordert, das als „vordringlich betrachtet werden sollte, um auf politischer und technischer Ebene das Risiko zu bewerten und mögliche Maßnahmen zu prüfen.“ Mit anderen Worten: Man hegt erhebliche Zweifel am Sinn der geplanten Vorschrift. Ralf Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, bemühte sich in einem Statement denn auch, die Bedenken der Amerikaner an den hiesigen Sicherheitsstandards zu zerstreuen. „Wir haben an deutschen Flughäfen zuverlässige Kontrollen“, erklärte er.

Es geht um eine Anweisung Washingtons vom März, der zufolge Reisende Laptops, Scanner, DVD-Spieler und andere größere elektronische Geräte vor dem Start abgeben müssen. Diese dürfen seither auf Flügen der großen Linien wie Etihad, Qatar Airways oder Emirates nur noch im Frachtraum mitgeführt werden – ein heftiger Rückschlag für Geschäftsreisende, die auf den Routen Richtung USA das Gros der Passagiere stellen. Bisher sind in Deutschland davon lediglich rund 50 Flüge pro Woche betroffen. Würden die US-Behörden den „E-Ban“ auf die EU ausweiten, kämen allein an Deutschlands Flughäfen weitere 500 Flüge mit 100 000 Passagieren dazu. Es geht nur um Verbindungen der Airlines in die USA, nicht aber zurück.

Umsetzung wäre schwierig

Wie die Maßnahme technisch und organisatorisch umzusetzen wäre, erscheint derzeit schleierhaft. Die Airports stehen vor gewaltigen praktischen Hindernissen. Bisher dürfen Flughafen-Mitarbeiter den Fluggästen nicht zwangsweise elektronische Geräte abnehmen. Man bräuchte also spezielles Personal mit erhöhten Kompetenzen und zusätzliche Kontrollstellen. Wie sich die Sicherheitsbeauftragten am Airport verhalten sollen, wenn ein Laptop in einem Rucksack zu spät entdeckt wird, während der Passagier bereits eingecheckt hat, weiß niemand. Längere Standzeiten der Jets, deutliche ausgeweitete Zeitfenster für das Einsteigen – all das käme wohl auf die Flughäfen zu. Nicht gelöst wurde bisher auch ein weiteres Problem: Zahlreiche Banken und Firmen verpflichten ihre Mitarbeiter, den Laptop ständig bei sich zu tragen, um zu verhindern, dass Unbefugte die geheimen Geschäftsinformationen auslesen.

In Brüssel hofft man jetzt, dass Washington zu Gesprächen bereit ist und nicht einseitig zusätzliche Hürden für Transatlantik-Reisende erlässt – zumal die Gefahr, dass Terroristen elektronische Geräte als Transportmittel für Sprengsätze benutzen, von den Sicherheitsdiensten höchst unterschiedlich bewertet wird. Ein Experte meinte in einem Fachforum des Internet: „Die Maßnahme macht sowieso keinen Sinn. Denn wenn ein Laptop explodiert, ist es kein Unterschied, ob er die Kabine oder den Frachtraum aufreißt.“ Arabische Airlines haben übrigens auf den Bann schnell reagiert. Um ihre Geschäftskunden nicht zu verlieren, verteilen sie neuerdings Tablet-Rechner an die Gäste der Premium- und Business-Klasse. Mit denen können sie in der Luft arbeiten und ihre Daten anschließend auf einem Stick mitnehmen.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse