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Bethmann Bank arbeitet an Internet-Angebot: Ein Traditionshaus im Digitalzeitalter

Von Durch eine Serie von Zukäufen ist die Frankfurter Bethmann Bank zur Nummer drei unter den Privatbanken in Deutschland aufgestiegen. Wie will sie weiter wachsen?
Niederlassungsleiter Lothar Henning Niederlassungsleiter Lothar Henning
Frankfurt. 

Nach dem Chefwechsel setzt die Bethmann Bank auf weiteres Wachstum. Im Vorjahr stieg das verwaltete Vermögen der drittgrößten Privatbank in Deutschland auf 37,8 Milliarden Euro, wobei den Frankfurtern netto 1,7 Milliarden an neuen Mitteln zuflossen. Man setzt auf Kundenzustrom von Schweizer Häusern, die sich aus dem deutschen Markt zurückziehen, oder von Frankfurter Wettbewerbern, die von ausländischen Eignern übernommen wurden. Hans Hanegraaf (51) wird im Sommer Horst Schmidt ablösen, der nach 13-jähriger Tätigkeit für Bethmann bzw. deren niederländischen Mutterkonzern ABN Amro ausscheidet, als Bethmann-Chef ablösen.

„2016 war für uns ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Lothar Henning, der in Frankfurt inzwischen wieder als alleiniger Niederlassungsleiter amtiert. Bethmann hat rund 600 Mitarbeiter und zwölf Standorte in Deutschland. Die ABN-Amro-Tochter bietet eine Vermögensverwaltung durch den Berater, aber auch das aktive Wertpapiergeschäft inklusive Anlageberatung an – im Unterschied zu vielen Wettbewerbern wie etwa dem Bankhaus Metzler, die wegen der aufwendigen Protokolle keine Beratung mehr offerieren, sondern den Berater allein entscheiden lassen. Henning ist überzeugt: „Der Kunde will mit jemandem sprechen, den er auch persönlich treffen kann.“

Serie von Übernahmen

2003 hatte die damals zur HypoVereinsbank gehörende Bethmann-Bank (deren Tradition bis ins Jahr 1712 zurückreicht) mit Maffei fusioniert und war im Jahr darauf an den niederländischen Finanzkonzern ABN Amro veräußert worden. Der wiederum hatte zuvor die Kölner Privatbank Delbrück erworben. Es entstand ein Sammelsurium unter dem umständlichen Namen „Delbrück Bethmann Maffei“. 2011 kaufte das Haus noch das Deutschlandgeschäft der Liechtensteiner Fürstenbank LGT, 2014 das deutsche Privatkundengeschäft der Credit Suisse.

Aktuell bindet die Digitalisierung viele Kräfte. „ABN Amro ist in den Niederlanden führend im digitalen Bereich und hat ein sehr gutes Angebot, das nun auf die Töchter ausgeweitet wird“, berichtet Henning. Ein Beispiel: eine Art WhatsApp, über die der Kunde mit dem Berater Nachrichten austauschen kann. Den Markenkern will man aber nicht verwässern – und auch auf die Kundschaft Rücksicht nehmen: Aktuell nutzt ein Viertel der rund 4000 Kunden in Frankfurt den digitalen Kanal. „Das ist auch eine Frage der Altersstruktur“, sagt Henning. Für die betuchte Klientel hat die Bank auch nach wie vor eine Kasse in Betrieb. Anders ist es allerdings bei den Neukunden, die im Schnitt deutlich jünger sind und häufig geerbt haben: „Für diese Kunden ist das digitale Angebot entscheidend bei der Wahl der Bank.“

Trend zur Immobilie

Und in welche Anlagen investiert die vermögende Kundschaft? Henning: „Der Trend zur Immobilie ist ungebrochen, attraktive Angebote im Rhein-Main-Gebiet sind aber selten.“ Je professioneller der Investor, desto eher nutze er das hohe Preisniveau auch für Verkäufe.

Aktien empfiehlt Bethmann-Anlageberater Rico Fritzsche nach wie vor, doch schichtet er derzeit aus Nordamerika in Richtung Europa um. Das liegt auch am Dollar, für dessen Entwicklung er nicht mehr so positiv sieht: „Die Parität erwarten wir nicht mehr, Ende 2018 sehen wir den Euro sogar in Richtung 1,20 Dollar steigen.“ Die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich galten als politische Risiken – doch ging die Eurozone daraus sogar gestärkt hervor. Nun meint Fritzsche: „Das höchste Risiko sehen wir in Italien.“

Henning begrüßte die gescheiterte Börsenfusion: „Es ist ein Vorteil für Frankfurt, dass dieses fragwürdige Vorhaben nicht zustande kommt.“ Wichtiger als Größe sei für eine Börse die IT. Nicht nachvollziehen kann er bis heute, dass das Land Hessen nicht in der Lage gewesen sei, die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der LSE zu stoppen, und dafür Hilfe aus Europa gebraucht habe. Auch dass die Deutsche Börse nicht sofort nach dem Brexit-Votum die Reißleine gezogen habe, zeige, dass dort persönliche Interessen über inhaltliche gestellt worden seien. Oder wie hätte es sein können, fragt Henning, dass viele Banken den Umzug aus London nach Frankfurt planten – und gleichzeitig die Deutsche Börse nach London ziehe.

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