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Enders: Europa könnte Anschluss im Weltraum verlieren

Europa könnte im Weltraum bald das Nachsehen haben. Die europäische Raumfahrtpolitik sei ineffizient und unterfinanziert, findet Airbus-Chef Enders. Er vermisst Reformen, aber auch Visionen.
„Ich befürchte, dass wir den nächsten Goldrausch im All verpassen”: Tom Enders. Foto: Tobias Hase „Ich befürchte, dass wir den nächsten Goldrausch im All verpassen”: Tom Enders.
Bremen. 

Die europäische Raumfahrt muss sich nach Ansicht von Airbus-Chef Tom Enders neu erfinden. „Die langsame Reaktion Europas auf die „New Space”-Revolution macht mir Sorgen”, sagte der Manager auf dem weltgrößten Raumfahrtkongress IAC in Bremen.

„Ich befürchte, dass wir den nächsten Goldrausch im All verpassen.” Wenn sich Europa nicht anstrenge, werde es den Anschluss verlieren und wie bei der Mondlandung vor 50 Jahren anderen dabei zuschauen, wie sie den Weltraum erkundeten. Als „New Space” werden neue Ideen und Anwendungen für die kommerzielle Weltraumnutzung bezeichnet.

Angesichts der neuen Herausforderungen sei eine Reform der europäischen Weltraumpolitik notwendig, sagte Enders. Entscheidungen müssten schneller und effizienter getroffen werden. Für Raumfahrtprojekte müsse es nicht nur mehr Geld geben, bei den Aufträgen müssten europäische Hersteller bevorzugt werden. „Auch die Industrie ist gefragt, neue Visionen zu entwickeln, mehr Risiken einzugehen und mehr zu investieren”, betonte der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern.

In einem Interview mit „Spiegel Online” hatte Enders zuvor kritisiert, dass die Aufträge für die Raumfahrtindustrie eines Landes abhängig davon seien, wie viel dieses für europäische Raumfahrtprojekte ausgebe. „Das zwingt uns zum Beispiel, in zu vielen Ländern Teile für eine Rakete herzustellen, die man dann durch ganz Europa transportieren muss”, sagte Enders. Das behindere die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Raumfahrt erlebt Enders zufolge gerade einen fundamentalen Wandel - ausgelöst von neuen Technologien, Preisdruck und neuen Akteuren. „Dieser Wandel gefährdet die Rolle der traditionellen Raumfahrtindustrie”, sagte Enders. Er sei aber auch eine Chance für einen Aufbruch. Die Raumfahrt könne der Menschheit revolutionäre Verbesserungen auf der Erde bringen wie das Internet vor 20 Jahren.

Dafür brauche es Aushängeschilder wie den Bau einer Raumstation in der Mondumlaufbahn in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Europa sollte aber auch mit eigenen Projekten voranschreiten, um nicht technisch abhängig von einigen wenigen großen Akteuren zu werden, wie es im Internet der Fall mit Google und Facebook sei.

(dpa)
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