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Energiewende zerstört Bilfingers Gewinnträume

Weil das Geschäft mit der konventionellen Energieerzeugung immer schlechter läuft, streicht Bilfinger seine Kraftwerkssparte zusammen. Der Konzern unter Führung von Roland Koch kommt dabei auch nicht um Jobkürzungen herum. Foto: Uwe Anspach Weil das Geschäft mit der konventionellen Energieerzeugung immer schlechter läuft, streicht Bilfinger seine Kraftwerkssparte zusammen. Der Konzern unter Führung von Roland Koch kommt dabei auch nicht um Jobkürzungen herum. Foto: Uwe Anspach
Mannheim. 

Die Energiewende vermasselt dem Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger die erhoffte Gewinnsteigerung in diesem Jahr und zwingt das Unternehmen zu Stellenstreichungen. Vor allem in der Kraftwerkssparte laufen die Geschäfte schlechter.

Deshalb will Vorstandschef Roland Koch den Bereich straffen und dabei auch Jobs abbauen. Der Kurs der im MDax notierten Bilfinger-Aktie brach bis zum Dienstagnachmittag um gut 16 Prozent ein.

Statt des zunächst erwarteten Gewinnanstiegs richtet sich der Konzern für 2014 nun auf einen Ertragsrückgang ein. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) dürfte bei 380 bis 400 Millionen Euro liegen, hatte Bilfinger überraschend am Montagabend mitgeteilt. Zuvor war das Ziel, bei deutlich mehr als den 2013 erreichten 419 Millionen Euro zu landen. Das bereinigte Konzernergebnis dürfte von 255 Millionen Euro auf 230 bis 245 Millionen Euro sinken. Der Umsatz - die sogenannte Bauleistung - soll sich mit 7,9 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahresniveau halten.

Besonders stark sei die zur Kraftwerkssparte gehörende Fertigung von Hochdruck-Rohrleitungen von den Folgen der Energiewende betroffen, sagte Koch am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Wegen der hohen Fixkosten in Deutschland will er die Produktionskapazitäten in dem Bereich halbieren. «Dies hat auch Stellenstreichungen zur Folge», fügte der frühere Ministerpräsident von Hessen hinzu. Wie viele der 1100 Arbeitsplätze wegfallen sollen, könne er aber noch nicht sagen.

Bilfinger setzt mit dem Hochdruckrohrleitungsbau laut Koch rund 400 Millionen Euro um. In der gesamten Sparte Kraftwerksbau rechnen die Mannheimer 2014 mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro, nach 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Anpassungen bei den Kapazitäten sowie weitere Einsparprogramme werden den Konzern im zweiten Halbjahr zudem einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten. Auch sollen die laufenden Sparbemühungen beschleunigt werden.

Sorgen bereitet Bilfinger nicht nur der Heimatmarkt. So habe man bereits zugesagte Projekte in Polen nicht umsetzen können, weil Kraftwerke einfach nicht gebaut würden, sagte Koch. In Norwegen bekomme Bilfinger geplante Einsparungen des staatlichen Ölkonzerns Statoil zu spüren. Aber auch in den USA liefen die Geschäfte nicht ganz so rund. Bilfinger tue sich dort vor allem mit einem großen Industriekunden schwer. Und das Geschäft in Indien sei aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage fast zum Erliegen gekommen.

Es wäre für Koch an der Zeit gewesen, zu liefern, sagte ein Händler. Stattdessen habe er eine harsche Gewinnwarnung noch unter den Schätzungen abgegeben. Auch für Analyst Jasko Terzic von der DZ Bank kam die Gewinnwarnung überraschend: «Wir bewerten dies negativ.»

Koch trimmt den Konzern seit seinem Amtsantritt 2011 auf Dienstleistungen rund um Industrieanlagen, Kraftwerke und Gebäude. Das Geschäft ist lukrativer als der klassische Bau, von dem sich die Mannheimer zuletzt immer mehr verabschiedet haben. Im vergangenen Jahr verkaufte Koch bereits defizitäre Straßenbauaktivitäten. Derzeit sucht er einen Käufer für wesentliche Teile des Tiefbaugeschäfts.

(dpa)
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