Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Deutsche Bank: Erträge brechen weg, Boni bleiben

Von Die Deutsche Bank kann den Rückgang bei den Einnahmen nicht stoppen, darf aber zumindest millionenschwere Boni von Ex-Vorständen einbehalten.
Einigung mit der Deutschen Bank: Auch die Ex-Vorstandschef Anshu Jain und Josef Ackermann müssen auf Millionen verzichten. Foto: Boris Roessler (dpa) Einigung mit der Deutschen Bank: Auch die Ex-Vorstandschef Anshu Jain und Josef Ackermann müssen auf Millionen verzichten.
Frankfurt. 

Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat gestern mit deutlichen Verlusten von 6,5 Prozent auf 15,525 Euro auf die Quartalszahlen reagiert. Die Erträge der Bank waren zwischen April und Juni um satte zehn Prozent zurückgegangen. Vor allem in der Investmentbanking-Sparte brachen die Einnahmen um 16 Prozent ein, am stärksten im Aktienhandel mit einem Minus von 28 Prozent.

Vorstandschef John Cryan kündigte als Reaktion zusätzliche Investitionen in die Sparte an: „Das ist kein Ertragsniveau, mit dem wir glücklich sind, weil wir unser Geschäft ausbauen wollen.“ Der Ertragsrückgang habe vor allem daran gelegen, dass sich die Kunden an den Finanzmärkten zurückgehalten hätten, begründete Cryan die Entwicklung. „Das soll keine Entschuldigung sein. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das für den Rest des Jahres so bleibt.“ Ein Imageproblem bei den Kunden habe die Bank nicht mehr: „Wir sehen keine Unterschiede mehr zwischen uns und unseren Wettbewerbern“, sagte Cryan. Ende vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bank monatelang Mühe gehabt, Kunden und Investoren von der Stabilität des Instituts zu überzeugen; der Kurs war zeitweise unter 10 Euro gefallen.

Kapitaldecke gestärkt

Im Frühjahr brachte die Bank dann eine milliardenschwere Kapitalerhöhung über die Bühne – und wollte danach eigentlich Marktanteile zurückerobern. Die harte Kernkapitalquote, also das Verhältnis zwischen Eigenkapital und gewichteten Risiken, verbesserte sich auf immerhin 14,1 Prozent (bei Vollumsetzung der künftig strengeren Regeln). Ohne die Kapitalspritze wäre die Quote mit 11,8 Prozent im Branchenvergleich unterdurchschnittlich geblieben, die Vollintegration der Tochter Postbank wäre kaum möglich gewesen. Mit dem geplanten Börsengang der Vermögensverwaltungs-Sparte Deutsche Asset Management möchte die Bank die Kapitaldecke weiter verbessern.

Besser als bei den Einnahmen sah es im Frühjahrsquartal beim Gewinn aus: Das Ergebnis vor Steuern verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 822 Millionen Euro, unterm Strich blieben 466 (Vorjahr: 20) Millionen Euro übrig. Cryan räumte aber ein, das liege nur daran, dass die Kosten noch stärker gesunken seien als die Erträge. Die Zahl der Mitarbeiter sank in den vergangenen drei Monaten um 1525 auf 96 652 Vollzeitkräfte, obwohl 100 zusätzliche Mitarbeiter in der Abteilung gegen Finanzkriminalität eingestellt wurden.

Foto: Marius Becker/Archiv
Kommentar: Rückforderung rechtlich kompliziert

Natürlich scheint es im Rückblick keine Frage, dass Gehälter und Boni von Investmentbankern vor der Finanzkrise – und auch noch in den Jahren danach – zu hoch waren.

clearing

Bei der Dividende soll es in jedem Fall keine Vollausschüttung des Jahresüberschusses geben; Cryan deutete gegenüber Analysten sogar an, die Ausschüttung für 2017 möglicherweise ganz streichen zu wollen. Die Bank sei bisher davon ausgegangen, dass sie wenigstens die Mindestdividende von elf Cent je Aktie ausschütten müsse, sagte Cryan: „Das scheint nicht mehr der Fall zu sein.“ Ein Sprecher erläuterte, das Kreditwesengesetz sei vor kurzem dahingehend geändert worden, dass die Vorschrift zur Mindestdividende von vier Prozent des Gewinns laut deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) für Banken nicht gelte.

38,4 Millionen Euro

Mehrere Ex-Vorstände und ein aktueller Manager verzichten im jahrelangen Boni-Streit mit ihrem früheren Arbeitgeber auf Zahlungen von 38,4 Millionen Euro. Das teilte die Deutsche Bank gestern mit. Sie bittet damit zehn frühere Top-Manager zur Kasse, darunter die ehemaligen Chefs Josef Ackermann, Anshu Jain und Jürgen Fitschen – und zwar wegen milliardenschwerer Skandale, die sie mit zu verantworten haben.

Namen nannte die Bank nicht. Finanzkreisen zufolge sind auch der frühere Chefjurist Stephan Leithner, Ex-Finanzvorstand Stefan Krause, der vormalige Risikochef Hugo Bänziger, Ex-Privatkundenchef Rainer Neske und das ehemalige Vorstandsmitglied Henry Ritchotte Teil der Runde, mit der das Institut nun eine Einigung erzielt hat. Ebenso zählt der aktuelle Risikovorstand Stuart Lewis dazu. Der Streit drehte sich sowohl um bereits ausgezahlte als auch um zunächst einbehaltene Boni in Höhe von insgesamt 69,8 Millionen Euro. Im Endeffekt konnte die Bank gut die Hälfte der ausstehenden Zahlungen stoppen, aber kein Geld zurückbekommen.

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale und Rechtsstreitigkeiten verwickelt, die die mühsam erwirtschafteten Gewinne immer wieder auffraßen. Das kostete bei Kunden und Anlegern viel Vertrauen. Allein seit 2012 zahlte Deutschlands größtes Geldinstitut fast 15 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Die größten Fälle sind inzwischen abgearbeitet. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte bereits auf der Hauptversammlung im Mai angekündigt, dass eine Einigung im Bonus-Streit bevorstehe. Die Verhandlungen hatten sich danach allerdings noch hingezogen.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse