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Erzeuger: Es weihnachtet im Sommer: Fabriken produzieren bereits fürs Fest

Während Deutschland unter großer Hitze stöhnt, laufen bereits in den Schokoladenfabriken Weihnachtsmänner und Adventskalender vom Band. Inmitten der Badehosen-Saison hat knapp fünf Monate vor Heiligabend die Produktion der Süßwaren längst begonnen.
Rund zehn Millionen Nikoläuse produziert das Traditionsunternehmen Wawi aus der Pfalz jährlich. Foto: Martin Schutt (dpa-Zentralbild) Rund zehn Millionen Nikoläuse produziert das Traditionsunternehmen Wawi aus der Pfalz jährlich.
Pirmasens. 

Alle Jahre wieder, wenn Deutschland unter der Sommerhitze stöhnt und die Bauern an die Ernte denken, machen sich Millionen Nikoläuse auf den Weg in die weite Welt. In deutschen Schokoladenfabriken läuft im August schon das Weihnachtsgeschäft – während für die meisten Menschen Adventskranz und Geschenkekauf noch weit weg sind. „Wir haben sehr viele Exportkunden und müssen die Ware dementsprechend im Sommer ausliefern“, sagt beispielsweise Walter Müller, Geschäftsführer des Schokoartikelherstellers Wawi in Pirmasens. „Auch deutsche Kunden möchten ihre Ware rechtzeitig.“

Rund zehn Millionen Nikoläuse und etwa 25 Millionen Adventskalender produziert das Traditionsunternehmen aus der Pfalz jährlich – plus 60 Millionen Ostereier. „16 000 Tonnen Schokoladenprodukte macht das insgesamt“, erzählt Müller. Die vier Werke in Deutschland und die insgesamt vier Fabriken in Australien, China, Kanada und Rumänien würden alle Kontinente beliefern. „Darauf sind wir sehr stolz.“

Antizyklische Herstellung

Schokoladen-Nikolaus statt Schwimmbad: Längst ist der antizyklische Herstellungsprozess für die Branche Routine – auch wenn mancher beklagt, dass Weihnachtsprodukte immer früher im Verkaufsregal stehen. Mit Weihnachten habe das nichts mehr zu tun, schimpft auch die Kirche. „Ehrlich gesagt, liegt das an dem – gegenüber früher – stark gestiegenen Wohlstand, welcher den Anspruch und folglich auch die Nachfrage stark erhöht hat“, sagt Walter Müller. Der Konsument von heute möchte sich nicht auf einen Weihnachtsmann oder Adventskalender beschränken. „Der möchte noch eine ausgefallene Geschenktafel, welche er vor Weihnachten Freunden mitbringt. Und die Pralinen für die Großmutter müssen in der Vorweihnachtszeit eben auch im Weihnachtsdesign sein“, schildert der Unternehmer. Die Industrie befriedige diese Nachfrage mit einem breiteren Sortiment. „Zwischen Konsumenten und Industrie ist aber noch der dritte Partner, nämlich der Handel. Schlussendlich entscheidet dieser, wann er die Produkte ins Regal stellt. Wir haben darauf keinen direkten Einfluss.“

Weihnachten schon im August mag also für die Schokoladen-, Zimtsterne- und Lebkuchen-Industrie gelten – aber nicht für Christbäume. „Wir haben nicht den Vorteil wie die Schokoladenbranche, die ihre Produkte in Kühlhäusern aufbewahren kann“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schuh vom Waldbesitzerverband für Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach. Der Handel mit Christbäumen „schreibt sich Frische auf die Fahnen“.

Vorbereitungen laufen

„Natürlich laufen die Vorbereitungen im Sommer. So werden im September die verschiedenen Baum-Qualitäten ausgezeichnet, und die Händler führen Kundengespräche über die geplanten Bestellungen“, schildert Schuh. Aber zum Beispiel in den Hauptanbaugebieten Hunsrück und Eifel gehe es erst näher an Weihnachten richtig los. Bundesweit werden jährlich etwa 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Davon setzen Forstbetriebe in Rheinland-Pfalz etwa 1,4 Millionen Bäume ab. 65 Prozent aller Bäume stammen aus Deutschland, die übrigen werden vor allem aus Dänemark und anderen Nachbarländern importiert. Mehr als 70 Prozent aller Christbäume sind mittlerweile Nordmann-Tannen.

In der Schokoladenfabrik in der Pfalz rollen unterdessen weiter Nikoläuse und Adventskalender vom Band. „Wir arbeiten in unseren Werken vorwiegend ab der Produktionsstufe Flüssigschokolade. Diese gießen wir in Formen und verfeinern sie mit Zutaten wie Puffreis oder Nüssen“, erzählt Müller. Sowohl Tafeln als auch Figuren werden nach dem Abkühlen meist automatisch verpackt und in Kartons gesetzt. Material wie Kartonage kauft das Unternehmen zu. Rund 143 Millionen Nikoläuse wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie produziert. Der Mann mit weißem Bart und rotem Mantel gilt als Symbol für das Fest. Aber wenn Kinder mit leuchtenden Augen die süße Figur auspacken, produziert das Werk in Pirmasens längst für das nächste Fest: In der Weihnachtszeit rollen dort Osterhasen vom Band.

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